Premiere in Thüringen: Erstes Sargbauseminar für Männer

Hoheneiche/Erfurt.  Um den Tod im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen, können Männer von Donnerstag an bei einem Seminar unter anderem einen Sarg bauen.

Ein Sarg wird in einen Krematoriumsofen gefahren.

Ein Sarg wird in einen Krematoriumsofen gefahren.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

In Hoheneiche bei Saalfeld beginnt am Donnerstag ein viertägiges Sargbauseminar für Männer. Damit bietet die Männerarbeit der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) erstmals in Thüringen die Möglichkeit, sich mit dem Thema Tod und Sterben auch praktisch auseinanderzusetzen. Wir sprachen darüber mit Seminarleiter Frank Schröder (63) vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) Thüringen, in dem die Männerarbeit der EKM verortet ist.

Liegen für das Seminar genügend Anmeldungen vor?

Ja, wir sind ungefähr 12, 13 Leute. Zwei davon kommen sogar von außerhalb Thüringens.

Welches war Ihre Intention?

Das Thema Tod und Sterben ist eines der am besten verdrängten – nicht nur bei Männern, bei Menschen überhaupt. Deshalb wollte ich dazu schon immer mal ein Seminar machen. Und als ich dann las, dass es ein solches Angebot in Bayern gibt, dachte ich mir, dass ich das jetzt auch mal für Thüringen angehe.

Bei dem Seminar wollen sie sich nicht nur austauschen. Sie bieten den Teilnehmern auch an, die eigene Grabrede zu schreiben und einen Sarg oder eine Stele zu bauen. Weshalb?

Ich sage immer: Männer begreifen gerne etwas –- mit den Händen. Denn das, was ich begreife, geht über die Hand in den Kopf und auch ins Herz. Wir wollen uns dem Thema nicht akademisch nähern. Das Beste wäre es, wenn wir so ins Gespräch kommen, dass auch Ängste und eigene Erfahrungen eine Rolle spielen und Männer ihr Innerstes offenlegen.

Und weshalb die eigene Grabrede schreiben?

Es gibt ja den Spruch: Bei nichts wird so viel gelogen wie bei Steuererklärungen und Grabreden. Aber darum ging es mir weniger. Ich will die Männer eher dazu anregen zu überlegen, wie uns die Menschen in Erinnerung behalten sollen und – da wir darüber als Christen reden – welche Hoffnung uns bleibt. Darüber wollen wir am Sonntag sprechen – und wer mag, kann seine Grabrede auch vorlesen.

Sie wollen auch gemeinsam tischlern. Welche Voraussetzungen gibt es dafür vor Ort?

Das CVJM hat in Hoheneiche ein Jugendzentrum mit großen Räumen, außerdem einen Mitarbeiter, der im Erstberuf Tischler ist. Wir haben unter anderem Holzstelen vorbereitet, aus denen die Männer Gedenkstelen fertigen können, indem sie zum Beispiel Bibelsprüche oder eigene Gedanken darauf schreiben – also alles, was ihnen wichtig ist, wenn sie an das Thema denken.

Was prädestiniert Sie dazu, dieses Seminar zu leiten?

Ich habe einen Abschluss als Religionspädagoge und bin seit 2013 Referent für Männerarbeit. Das ist eine Form der Erwachsenenbildung, die mir immer sehr viel Spaß macht. Nun bin ich zwar kein Experte für das Thema Tod und Sterben, aber es hat mich schon immer mehr gereizt, weil ich mit Männern auch oft darüber rede, welche Prioritäten sie in der zweiten Lebenshälfte setzen oder wie sie sich den Ruhestand vorstellen. Ich will aber nicht nur darüber sprechen, wie sie mit ihrem eigenen Tod umgehen, sondern auch darüber, wie sie mit Menschen umgehen, die einen lieben Menschen durch den Tod verloren haben. Denn ich mache oft die Erfahrung, dass sich Trauernde doppelt bestraft fühlen: zum einen durch den Tod des Angehörigen, zum anderen durch Menschen, die nicht fähig sind, in dieser Situation auf sie zuzugehen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.