Saara liegt auf dem Jakobsweg

Pilgern verbindet Europa: Das ist der Leitgedanke, der internationale Gäste zum Ökumenischen Pilgersymposium ins Altenburger Land lockt. Auf einem Pilgergang erfahren sie die Landschaft, schöne Orte und Kirchen bis nach Ponitz.

Internationales Pilgersymposium Saara/Ponitz

Internationales Pilgersymposium Saara/Ponitz

Foto: zgt

Saara/Ponitz. Er habe gar nicht gewusst, dass Saara und Ponitz auf dem Jakobsweg liegen, sagte Henry Röthlisberger aus der Schweiz am Sonnabend in der Saaraer Kirche. Der Präsident des Schweizerischen Vereins Freunde des Jakobsweges überraschte damit nicht nur einige der rund 30 Pilger aus Österreich, der Schweiz und anderer Bundesländer, die zum Ökumenischen Pilger-Symposium ins Altenburger Land gekommen waren. Auch manch Hiesiger, der mit der Andacht in der Saaraer Kirche den Start des Pilgerganges von Saara nach Ponitz miterleben wollte, war überrascht.

Bislang hatte man doch den Jakobsweg mit Frankreich und Spanien und insbesondere mit Santiago de Compostela verbunden. Plötzlich soll dieser berühmte Weg hier vor der Haustür liegen? Liegt er und ist sogar an einigen Stellen mit dem Zeichen des Jakobsweges – gelbe Muschel auf blauem Grund – versehen. Wenngleich noch nicht überall, räumt Dagmar Schlegel von der Deutschen Stiftung St. Jakobusweg, Region Mitteldeutschland, ein. Sie hatte eine Route durch Maltis, Bornshain und Gößnitz ausgesucht, die die Begegnung mit der herrlichen Landschaft und prachtvollen Kirchen zu einem Erlebnis machen.

Karl-Heinz Kreutler aus Offenburg läuft in den ältesten Wanderschuhen, die in der Gruppe zu finden waren – aus den 70’ern wird vermutet. Die aber hätten ihn 2002 in alle Kirchen Roms getragen, erzählt er. Auch Fritz Habicht aus Ponitz ist dabei, dessen Schuhe aus DDR-Produktion hätten gar den Kilimandscharo überstanden – den Weg in die Friedenskirche Ponitz finden sie offenbar allein.

Rund 17 Kilometer ist die Strecke lang. Ein Klacks für manch erfahrenen Pilger wie Anton Wintersteller aus Salzburg, der schon 500 Kilometer nach Santiago in einem Gang und bei Wind und Wetter überstanden hat. Allerdings sei er beim ersten Anlauf gescheitert, gesteht er. Der Abbruch habe geschmerzt, doch auch dies sei eine Erfahrung über sich selbst gewesen, wie später seine Pilgerreisen ohnehin. Auch für den Berner Hans-Rudolf Hänni war seine erste Pilgerreise auf dem Jakobsweg ein einschneidendes Erlebnis. Seine Veränderung sei innerlich und äußerlich gewesen, sagt der Schweizer. Er habe 17 Kilo abgenommen, seine Frau habe den einst 90-Kilo-Mann gar nicht mehr erkannt.

Viel reden die Männer und Frauen nicht über ihre ganz persönlichen Erlebnisse und für die erste Viertelstunde des Pilgerganges ist auch Schweigen angezeigt – und Nachdenken über die Sinnsprüche aus der Pilgerapotheke. Es sind heilende Gedanken für den Geist. Pilgern dient der inneren Einkehr und sei von einer Intensität, die man nicht beschreiben könne, sagt Arnhild Kump, die vor zehn Jahren von Monstab aus nach Rom zum Papst pilgerte und die das Symposium organisiert hatte. Durch ihre Arbeit in Zürich und Wien weiß sie um die vielfältigen Pilgerinstitutionen, die inzwischen ein Netzwerk aufgebaut haben und weiter ausbauen wollen – bis hin nach Osteuropa. Dieses Ziel eint alle und führte sie diesmal ins beschauliche Altenburger Land – dem Pilgern dienen kann man auch hier, mit kleinen Schritten.

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