Urlaub gegen den Trend

Abgelegen und in altem Gemäuer - was für Industrie ein Negativfaktor bedeutet, ist für die Jugendherberge in Windischleuba von Vorteil. Die Einrichtung trotzt dem Übernachtungsrückgang.

Gerd Herrmann läuft durch den Flur der Jugendherberge. Foto: Martin Gerlach

Foto: zgt

Windischleuba. Jugendherbergen in Thüringen verzeichnen weniger Übernachtungen. 7,7 Prozent beträgt der Rückgang laut Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerkes (DJH). Die Jugendherberge in Windischleuba im Altenburger Land ist eine Ausnahme.

Über 13 000 Übernachtungen zählte Herbergsvater Gerd Herrmann im vergangenen Jahr. 2011 prognostiziert er 15 000. Die Steigerung liege an der Attraktivität der Einrichtung mit ihren 131 Betten, sagt Herrmann, der seit 22 Jahren Herbergsvater ist. In Windischleuba wohnen die Gäste in einem Schloss. Jugendherbergen wie diese sind in Thüringen selten, nur in der Wasserburg Heldrungen kann man noch leben wie bei Hofe.

"Durch diese gute Ausgangsposition kommen jährlich mehr Besucher", sagt Herrmann. In Windischleuba hat man sich auf Musikgruppen spezialisiert. An der Wand im Erdgeschoss hängen Gruppenbilder von Chören aus Berlin, Dresden und Leipzig. Viele kommen inzwischen regelmäßig. "Unser Haus hat sich inzwischen herumgesprochen", sagt der Herbergsvater. Eigens für die Musiker wurden zwei Klaviere und bald noch ein zweiter Flügel angeschafft.

Inzwischen kommen, laut Herrmann, immer mehr Schulklassen in die Herberge ins Altenburger Land. "Wir bieten ihnen ein Komplettprogramm." Herrmann zeigt den Gruppen die Region, es gibt ein Handwerkerprogramm und Ausflüge ins Volkskundemuseum. Grundschüler bekommen gezeigt, wie Brot gebacken wird – "das passt auch in den Lehrplan", sagt Herrmann.

Bis 2009 wurde das Schloss saniert, 1,1 Millionen Euro kamen vom Land, weitere 750 000 Euro kamen aus Eigenmitteln hinzu. "Mit dem Geld haben wir das Schloss zukunftsfähig gemacht", sagt der Herbergsvater. Im kommenden Jahr ist das Schloss zum Trachtentag in Altenburg bereits nahezu ausgebucht. Hier werden die ausländischen Gäste untergebracht.

Seit 1977 ist das Wasserschloss eine Jugendherberge. Zuvor wurde es als Internat genutzt. Nachdem das Schloss bis 1880 150 Jahre lang unbewohnt war, lebten hier bis 1945 Dr. Börries von Münchhausen sowie sein Sohn, der Balladendichter war.

"Ein Schloss zum Übernachten ist etwas Besonderes." Gerd Herrmann

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