Thüringer Storch aus Görsbach wartet auf Beinprothese

Erfurt  Ein Storchenkind schreit nach seiner Mutter. Aber die kann wohl nicht zurück ins Nest. Sie hat womöglich eine ungewöhnliche Operation vor sich.

Ein verletzter Weißstorch. Foto: Jens Wolf

Foto: zgt

Tierdrama im Doppelpack: Sie können kaum auf einem Bein stehen, sind erschöpft, entkräftet, regelrecht abgeklappert und von den Qualen ihrer Leiden gezeichnet. Zwei Störche – einer davon aus dem thüringischen Görsbach – , die im Storchenhof Loburg (Sachsen-Anhalt) derzeit wieder aufgepäppelt werden, haben jeweils bei Unglücken ein halbes Bein verloren. „Der eine Storch das rechte, der andere das linke“, erzählt Geschäftsführer Michael Kaatz.

Um auch diesen Vögeln ein Überleben zu ermöglichen, wird sogar über eine Beinprothese nachgedacht. „Grundvoraussetzung ist, dass der Tierarzt entscheidet, ob eine Prothese bei einem Wildvogel überhaupt möglich ist“, dämpfte Kaatz zu allzu hohe Erwartungen an ein Storchenwunder. Die Voruntersuchungen in einer Magdeburger Praxis stünden noch aus. „Unabhängig davon müssen die Vögel erst wieder zu Kräften kommen.“ Denn erst seit einigen Tagen ist der – vermutlich weibliche – Storch aus Görsbach in Loburg.

Der etwa vier oder fünf Jahre alte Vogel hatte in einem Nest auf einem Haus ein Junges gebrütet. Per Kamera entdeckten Nestbetreuer das Drama und brachten den Storch nach Sachsen-Anhalt in die mit kranken Tieren erfahrene Vogelschutzwarte. „Der Storch hatte sich vermutlich auf einem Gewässer in einer Angelschnur verfangen und sich dann damit den Fuß abgeschnürt“, schildert Kaaz. Der zweite Storch aus Sachsen-Anhalt war mit einem Zeh am Strommast hängengeblieben und hatte sich dabei das Bein so schwer gebrochen, dass es amputiert werden musste.

Beim Neuzugang aus Thüringen war die Verletzung so schlimm, dass sein ganzer Fuß abgefallen war. Kaatz: „Das Storchenkind ist nun im Nest ohne seine Mutti.“ Denn auch wenn dem Vogel vielleicht eine Beinprothese angepasst werden kann, sei es eher unwahrscheinlich, ihn wieder in die freie Wildbahn entlassen zu können. Das Junge werde dann von einem zweiten Storch, vermutlich dem Vater, betreut und mit Futter versorgt. „Da es schon etwas größer ist, ist das auch vertretbar“, meint Kaatz. Ansonsten müsse man über einen Umzug in ein Adoptivnest nachdenken. „Aber ich denke, der Vater schafft das schon allein.“

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