Zu viel Schwermetalle: Wasser aus dem Hahn vor dem Trinken im Zweifel länger laufen lassen

Stuttgart/Gera  Laut Fraunhofer-Institut überschreitet jede sechste Trinkwasser-Probe in Deutschland Grenzwerte. Die hiesigen Gesundheitsämter bestätigen das nicht. Allerdings sind Privat-Haushalte eine Grauzone.

Wer das Wasser aus dem Hahn zum direkten Verzehr nutzen will, sollte es so lange laufen lassen, bis sich die Temperatur stabilisiert hat. Foto: Oliver Berg / dpa

Wer das Wasser aus dem Hahn zum direkten Verzehr nutzen will, sollte es so lange laufen lassen, bis sich die Temperatur stabilisiert hat. Foto: Oliver Berg / dpa

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Deutschland zählt zu den wasserreichsten Ländern der Erde. Rund 188 Milliarden Kubikmeter an Grund- und Oberflächenwasser stehen pro Jahr zur Verfügung. Dass nahezu die gesamte Bevölkerung mit frischem Trinkwasser beliefert wird, garantieren über 6000 Unternehmen der öffentlichen Wasserversorgung. Doch trotz sehr hoher Ausgangs- und Versorgungsqualität entspricht das, was zu Hause aus dem Wasserhahn läuft, nicht immer den Anforderungen.

Das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) hat gemeinsam mit der österreichischen AQA GmbH gut 1500 Wasserproben analysiert, die Konsumenten aus ganz Deutschland eingeschickt hatten. Jede sechste Probe enthielt Schwermetalle wie Nickel, Blei, Kupfer, Eisen oder Mangan in Konzentrationen über den erlaubten Werten.

Diese Elemente werden hauptsächlich aus Hausleitungen und Armaturen in das Trinkwasser ausgeschwemmt, wenn das Material mit dem Wasser reagiert. Da oft Kupfer- oder verzinkte Rohre verlegt sind, teilweise auch immer noch Bleirohre oder verzinkte Rohre mit Cadmiumanteil, können sich Spuren dieser Schwermetalle lösen und die Wasserqualität sowie den Geschmack wesentlich beeinflussen. So war beispielsweise bei nahezu jeder zehnten Probe der Grenzwert für Nickel überschritten.

Die Wasserversorger garantieren Qualität gemäß Trinkwasserverordnung, bestätigt Jan Müller vom Stuttgarter Institut. Ab dem Hausanschluss ist jedoch jeder Eigentümer selbst für die Wassergüte verantwortlich. Und auf dem Weg zum Hahn spielen viele Faktoren eine Rolle. Auch die Härte des Wassers sowie das Alter und der Zustand der Leitungen beeinflussen, ob sich Schwermetalle ablösen.

Bleirohre sind seit zwei Jahren verboten

Dass die Grenzwerte hierfür so häufig überschritten werden, können die Ostthüringer Gesundheitsämter nicht bestätigen. Allerdings überwachen sie nur die Wasserversorger selbst sowie in der Regel öffentlich genutzte Gebäude – müssen zum Beispiel Krankenhäuser, Kindertagesstätten oder Heime regelmäßig beproben.

Im Saale-Holzland-Kreis wurde dem Gesundheitsamt in den letzten zwei Jahren keine Grenzwert-Überschreitung bei Schwermetallen bekannt. Das Jenaer Gesundheitsamt spricht von Einzelfällen, „deren Ursachen erforscht und abgestellt werden“. Meist handele es sich um defekte Armaturen, in denen entsprechende Metalle oder Verbindungen verbaut wurden. Oder doch noch um Bleirohre im System. Sie müssen ausgewechselt werden, sind seit zwei Jahren faktisch verboten. Blei gilt als Nerven- und Blutgift, das besonders schwangere Frauen, Säuglinge und Kleinkinder gefährdet.

Im Landkreis Greiz gab es dieses Jahr einen einzigen erhöhten Eisen-Wert in einer öffentlichen Hausinstallation. Auch dies war auf veraltetes Rohrleitungsmaterial zurückzuführen. Werkstoffeigenschaften, die Ausführung der Installation und die Betriebsbedingungen im Haus können die Wasserqualität negativ verändern, erklärt das Gesundheitsamt. Und empfiehlt, genau wie das Fraunhofer-Institut, Wasser, das längere Zeit in der Leitung gestanden hat, grundsätzlich nicht zum Trinken und zur Zubereitung von Lebensmitteln zu nutzen. Der Tipp lautet: Vor Verwendung reichlich ablaufen lassen. Ein gutes Indiz für den richtigen Zeitpunkt sei es, wenn sich die Wassertemperatur stabilisiert.

Das Altenburger Gesundheitsamt weist darauf hin, dass Grenzwertüberschreitungen bei Schwermetallen mit einer sogenannten „gestaffelten Stagnationsprobe“ verifiziert werden müssen. Dabei nimmt der Prüfer eine erste Probe, schließt dann den Wasserhahn für vier Stunden, um schließlich weitere zwei Proben zu entnehmen. Die Kombination aus allen drei Ergebnissen zeigt, ob tatsächlich eine Belastung vorliegt. In diesem Jahr war im Altenburger Land keine einzige Stagnationsprobe notwendig.

Natürliche Ursachen bei Hausbrunnen

Es gibt aber auch Wasservorkommen, die wegen natürlichen Ursachen mit Eisen und Mangan belastet sind, heißt es aus Greiz. Diese geogen beeinträchtigten Rohwässer würden grundsätzlich aufbereitet.

Auch Wasserproben aus Hausbrunnen hat das Fraunhofer-Institut ausgewertet. Bei 16 Prozent aller Proben wurden drastische Überschreitungen der Nitrat-Grenzwerte festgestellt. Ursache dafür kann eine intensive landwirtschaftliche Flächen- und Bodennutzung sein. Brunnen-Besitzer sollten ihr Trinkwasser jährlich kontrollieren lassen, mahnt das Gesundheitsamt Schleiz. Sie seien nach den Regelungen der Trinkwasserverordnung sogar dazu verpflichtet.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte das, was zu Hause aus dem Hahn kommt, testen lassen. Das Fraunhofer IGB bietet in Kooperation mit der Firma AQA für 50 bis 70 Euro verschiedene „WasserChecks“ für private Haushalte an.

Ausgewählte Grenzwerte