Bahn will Schließung von stinkender Unterführung in Neustadt prüfen

Die Deutsche Bahn AG will die Idee des Neustädter Bürgers Dr. Hans-Peter Liebert, Personenzüge nur noch an Bahnsteig 1 des Bahnhofes Neustadt halten zu lassen, prüfen.

Momentan halten 35 der 37 Züge in Neustadt am Bahnsteig 2. Das heißt, die Reisenden müssen deshalb die Unterführung benutzen. Foto: Peter Cissek

Momentan halten 35 der 37 Züge in Neustadt am Bahnsteig 2. Das heißt, die Reisenden müssen deshalb die Unterführung benutzen. Foto: Peter Cissek

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Neustadt. "Wenn die Bahn AG schon kein Geld für eine Verschönerung des Neustädter Bahnhofes hat, dann sollte sie die Personenzüge nicht mehr an Bahnsteig 2, sondern an Gleis 1 halten lassen. Somit müssten die Passagiere nicht mehr die vollurinierte und mit Graffiti beschmierte Unterführung benutzen, die folglich gesperrt werden sollte. Dann kommen die Reisenden gleich auf dem Bahnsteig an, der barrierefrei in die Stadt führt", erklärte Liebert, der als Vorsitzender des Vereins Neustädter Natur- und Heimatfreunde bekannt ist.

Er schäme sich jedes Mal für den ersten Eindruck, den seine Heimatstadt bietet, wenn er Gäste am Neustädter Bahnhof abholt, welcher über keine öffentlichen Toiletten verfügt. "Jetzt bei der Kälte ist das noch halbwegs erträglich. Im Sommer stinkt es im Durchgang aber so sehr nach Urin, dass ich als Bahnreisender auch schon widerrechtlich über die Gleise gelaufen bin", sagte der rüstige Rentner.

Fast alle 37 Personenzüge, die laut Fahrplan täglich auf dem Neustädter Bahnhof halten, benutzen bereits ein Gleis: Allerdings das am Bahnsteig 2, das durch die Unterführung zu erreichen ist. Nur die Züge, die um 6.57 und 21.16 Uhr in Richtung Gera abfahren, halten am Bahnsteig 1, wie es Liebert für alle Nahverkehrszüge wünscht.

"Diesen Vorschlag haben wir zur Prüfung an die DB Netz AG weitergeleitet", teilte Bahnpressesprecher Jörg Bönisch gestern auf OTZ-Anfrage mit. Geprüft werden soll, ob sich der Vorschlag mit dem Fahrplan und der Streckenbelegung vereinbaren lasse und ob er noch vor der im Juni startenden Festwoche zur 725-Jahr-Feier der Orlastadt umgesetzt werden könne. Nach Bönischs Aussagen steigen täglich durchschnittlich rund 240 Personen am Neustädter Bahnhof in Züge ein bzw. aus. Die Bahn AG habe derzeit keine Investitionen im Bahnhof Neustadt geplant, außer einer Grundreinigung speziell im Personentunnel vor den Festlichkeiten im Sommer, erklärte der Sprecher.

"Ich finde den Vorschlag, dass die Züge am Bahnsteig 1 halten sollen, sehr gut. Dann müsste man auch keine Treppen mehr steigen", sagte die 75-jährige Neustädterin Gerlinde Trümper, als sie gestern mit dem Fahrkartenautomaten am Bahnhof "kämpfte".

Einen weiteren Wunsch hätte Dr. Hans-Peter Liebert noch: "Die Bahn AG sollte in Neustadt ähnlich wie in Orlamünde solche Lautsprecher anbringen, über die sie ferngesteuerte Durchsagen halten kann, wenn sich ein Zug verspätet oder ausfällt."