Tennisheld

Boris Becker seit sechs Monaten in Haft: So geht es ihm

Jonas Erlenkämper
| Lesedauer: 4 Minuten
Boris Becker: Sein Werdegang und seine größten Erfolge

Boris Becker- Sein Werdegang und seine größten Erfolge

Er gehört zu den besten Tennisspielern und hat als erster Deutscher das Turnier in Wimbledon gewonnen: Boris Becker. So wurde er zur Tennis-Ikone:

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London/Berlin.  Boris Becker wartet im Gefängnis auf seine Freilassung. Im Knastalltag findet er sich ganz gut zurecht – und sorgt doch für Ärger.

Von seinem geliebten London, wo Boris Becker bis zu seiner Inhaftierung lebte, sind es knapp 80 Autominuten. Nordwestlich der britischen Hauptstadt, in der Grafschaft Oxfordshire, liegt hinter einer Stacheldrahtbarriere das Huntercombe-Gefängnis. Dort ist der frühere Tennisheld eingesperrt – und wartet auf den Tag, an dem sich das Tor endlich öffnet.

Seit fast einem halben Jahr sitzt der 54-Jährige im Knast. Ende April war er wegen Insolvenzverschleppung zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Es war die größte Niederlage seines von Höhen und Tiefen geprägten Lebens. Mittlerweile ist es still geworden um den Ex-Wimbledon-Sieger. Wie geht es ihm eigentlich?

Nachgefragt bei Christian-Oliver Moser in Berlin, Beckers langjährigem Anwalt. Sein Mandant sei in Huntercombe in einer Einzelzelle untergebracht, „es geht ihm dort den Umständen entsprechend gut“. 480 Männer verbüßen dort nach Angaben der Haftanstalt ihre relativ kurzen Strafen: Es sind Ausländer wie Becker, die zwischen drei und 30 Monaten absitzen müssen. Mehr zum Fall:Boris Becker droht nach Gefängnis Abschiebung aus England

Boris Becker arbeitet im Gefängnis als Hilfslehrer

Mit Mördern, Vergewaltigern und Entführern kommt Becker in Huntercombe also nicht in Kontakt. Die Insassen sollen sich weiterbilden, sie können beispielsweise Malkurse belegen oder sich zum Maurer schulen lassen.

Becker bringt sich anscheinend in die Gemeinschaft ein und hat sich eine vergleichsweise bequeme Aufgabe gesichert: Wie die britische Zeitung „Sun“ aus dem Gefängnis erfahren hat, arbeitet der Deutsche als Hilfslehrer, er soll seinen Mitgefangenen im Sportunterricht die positiven Effekte von körperlicher Bewegung und gesunder Ernährung erklären. Lesen Sie hier:Boris Becker vor Gericht: Schuld sollen alle anderen sein

Was andere Häftlinge ziemlich auf die Palme bringt. „Normalerweise müsste man Jahre hier sein, um einen Job als Hilfslehrer zu bekommen“, klagt ein Insasse laut „Sun“. „Aber Becker hat ihn nach nur ein paar Wochen erhalten.“ Einige Angehörige von Gefangenen hätten sich bereits per Brief über die als Vorzugsbehandlung wahrgenommene Maßnahme beschwert. Die Gefängnisleitung stellt jedoch klar: „Es ist nicht richtig, dass es irgendeine Form von bevorzugter Behandlung gegeben hat.“

Boris Becker: Hoffnung auf Freigang

Kommen Prominente ins Gefängnis, sind sie dort in einer besonderen Situation. Einerseits wird von ihnen erwartet, sich zu verhalten wie jeder andere Gefangene auch. Andererseits können sie sich nie unbeobachtet fühlen. Das hat der Fußballfunktionär Uli Hoeneß (70) erfahren, als er wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe eingesperrt wurde. Häftlinge hätten versucht, mit „hereingeschmuggelten Handys Bilder von mir zu machen, um sie dann für sehr viel Geld zu verkaufen“, so Hoeneß nach seiner Freilassung.

Im Fall Becker hat ein Gefängnismitarbeiter Journalisten gegenüber ausgeplaudert, in seinen ersten Knasttagen sei Becker in Panik geraten, sobald die Zellentür geschlossen wurde, weil er unter Klaustrophobie leide. Anwalt Moser bestreitet das.

Beckers momentan wichtigste Bezugsperson ist anscheinend seine Freundin Lilian de Carvalho Monteiro. Sie kommt während der Besuchszeiten – viermal in der Woche zwischen 14 und 16 Uhr – regelmäßig nach Huntercombe und berichtet Beckers Söhnen Noah (28) und Elias (23) sowie seiner in Baden-Württemberg lebenden Mutter Elvira, was es Neues gibt.

Die 87-Jährige erzählte Medienvertretern, dass ihrem Sohn angesichts der Knastmahlzeiten nicht gerade das Wasser im Mund zusammen läuft: „So gut wie bei mir zu Hause schmeckt ihm das Essen dort natürlich nicht. Aber da muss er jetzt durch.“

Wenn es gut läuft und er sich nichts zuschulden kommen lässt, könnte Becker schon in wenigen Wochen Freigänger werden – theoretisch ist das nach sechs Monaten möglich. Dann dürfte er zunächst am Wochenende für ein paar Stunden raus. Wie wahrscheinlich das ist, möchte Moser nicht beurteilen, er betont, sich nicht „zu Details der Haft“ äußern zu wollen.

Doch allein die Aussicht auf Freiheit mag Becker Kraft geben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.