Sie war eine kleine, aber mutige und trotz allem eine große Frau. Als vorigen Sonntag die Nachricht kam, dass Rita Süssmuth (CDU) im Alter von fast 89 Jahren ihrem Krebsleiden erlag, hat bereits der ehemalige Eichsfelder Landrat Werner Henning (CDU) bewegende Worte gefunden. Er würdigte eine Frau, die mit dem Eichsfeld auf eine besondere Weise verbunden war.

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Jetzt haben die beiden Vorsitzenden des Trägervereins Grenzlandmuseum Eichsfeld, Horst Dornieden aus Teistungen und Wolfgang Nolte aus Duderstadt, einen Kondolenzbrief an Claudia Süssmuth-Dyckerhoff, die Tochter von Rita Süssmuth, gerichtet, in dem sie nicht nur ihrer Trauer Ausdruck verleihen, sondern auch an den herausragenden Einsatz von Rita Süssmuth für das Eichsfeld und für die Entstehung des Grenzlandmuseum Eichsfeld erinnern. Sie hatte während ihrer aktiven politischen Laufbahn im Kreis Göttingen und damit in einem Teil des Eichsfeldes ihren Wahlkreis.

Süssmuth engagiert sich für Eichsfelder Grenzregion und Menschlichkeit

Im Brief drücken sie zunächst ihre aufrichtige und herzliche Anteilnahme aus, verbunden mit dem Wunsch eines starken Zusammenhaltes und viel Kraft in diesen Stunden in der Familie. „Ihre Mutter hat uns und unsere Arbeit über Jahrzehnte prägend begleitet, sodass wir sehr traurig und zugleich sehr dankbar sind“, steht im Kondolenzbuch. „Von Beginn ihrer Arbeit in unserer Heimatregion an hatte Ihre Mutter nicht nur großes Interesse und eine herzliche Beziehung zu den Menschen und der Entwicklung ihres Wahlkreises, zu dem ein Teil unserer damals noch geteilten Heimat gehörte. Auch das Bewusstsein für die brutale und menschenverachtende Grenze war bei Ihrer Mutter sehr stark ausgeprägt. Unermüdlich setzte sie sich für Duderstadt, das Eichsfeld und unsere Region ein.“

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Regelmäßig hat Rita Süssmuth vor der friedlichen Revolution im Herbst 1989 den Bundesgrenzschutz in Duderstadt besucht, sie kannte den „Kleinen Grenzverkehr“ und begleitete Hilfsorganisationen, die sich um Menschen aus der DDR kümmerten. Immer bat sie darum, zu hören, was verbessert werden könnte, immer reagierte sie direkt auf die Vorschläge, vernetzte und organisierte Verbesserungen.

Rita Süssmuth 1989 bei der Grenzöffnung im Eichsfeld
Rita Süssmuth (Mitte) war zur Stelle, als am 10. November 1989 die Autoschlangen am Grenzübergang Teistungen zwischen Duderstadt und Worbis standen. Hier spricht sie mit Lothar Koch, auch Wolfgang Nolte (rechts) begleitete sie.© Grenzlandmuseum Eichsfeld | Hubert Schneemann

Natürlich sei Rita Süssmuth deshalb auch sofort zur Stelle gewesen, als der innerdeutsche Grenzübergang in ihrem Wahlkreis, der Grenzübergang Duderstadt-Worbis, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 geöffnet wurde. Sie begrüßte gemeinsam mit den Verantwortlichen die Menschen, die in kilometerlangen Schlangen den Grenzübergang passierten, und hieß sie herzlich willkommen.

In den folgenden Tagen und Wochen begleitete sie weitere Grenzöffnungen im Eichsfeld, wie etwa zwischen Brochthausen und Zwinge. Sie nahm von Herzen Anteil an diesem historischen Wunder der friedlichen Überwindung der deutschen Teilung. „Ihre Mutter war eine herausragende und zugleich nahbare Ansprechpartnerin für die Menschen auf beiden Seiten des Eichsfeldes und bestärkte uns in allen Prozessen der Wiedervereinigung“, würdigen dankbar Dornieden und Nolte in dem Brief.

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Den Gedanken, aus dem Grenzübergang einen Gedenk- und Mahnort zu entwickeln, habe Rita Süssmuth sofort unterstützt, erinnern sich die beiden Eichsfelder. „Ohne ihren ganz persönlichen Einsatz, besonders für die rechtlichen Voraussetzungen, hätten wir das Grenzlandmuseum Eichsfeld 1995 wohl kaum eröffnen können. Bei dieser Eröffnung war Ihre liebe Mutter natürlich unser Ehrengast.“

Süssmuths Vermächtnis prägt Bildungsarbeit im Museum

Vor einem halben Jahr konnte das 30-jährige Bestehen dieser wichtigen Mahn- und Gedenkstätte, heute ein moderner Demokratie-Lernort, gefeiert werden. „Dabei war es uns selbstverständlich wichtig, das Wirken und den Einsatz Ihrer Mutter noch einmal zu würdigen.“

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In einer Gedenkrede, die Rita Süssmuth vor einigen Jahren hielt, verwendete sie die Formulierung „Die Geschichte entlässt niemanden“. Den Einsatz der ehemaligen Bundestagspräsidentin für die Stärkung und Festigung der Demokratie sowie das Bewusstsein dafür, dass das Leben in Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, verstehe der Trägerverein und das gesamte Team auch als Auftrag für ihre Arbeit im Grenzlandmuseum Eichsfeld. „Das Zitat Ihrer Mutter verwenden wir dabei auch in unserer Bildungsarbeit.“

„Unser Grenzlandmuseum Eichsfeld e. V. trauert um Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundesministerin a.D. und Präsidentin des Deutschen Bundestages a.D. Vor ihrer herausragenden Persönlichkeit verneigen wir uns und werden Ihrer Mutter ein ehrendes Andenken bewahren. Mit stillem Gruß“, schließen Wolfgang Nolte als stellvertretender Vorsitzender und Horst Dornieden als Vorsitzender des Trägervereins im Namen des gesamten Hauses den Brief und ihre Gedanken an die Familie Süssmuth.