Katholikentag auf dem Domplatz, die Hotels in der Stadt sind so gut wie ausgebucht. Auch das Bärliner Hotel in der Andreasstraße. Hochbetrieb, das Personal ist gefordert. Doch das fehlt! Aber es gibt Nadyf Youness (38), der gern im Hotelbetrieb arbeiten möchte. Doch das darf er nicht. Der Mann aus Marokko hat keine Arbeitserlaubnis in Deutschland, sein Visum läuft am 31. Mai 2024 aus. Nadyf müsste das Land verlassen. Eigentlich.

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Alle Bemühungen seines potenziellen Arbeitgebers, dem Bärliner Hotel, den engagierten Marokkaner zu beschäftigen, schlugen bisher fehl. Dabei fehlen Fachkräfte im Land, unabhängig davon werden auch reine Arbeitskräfte dringend gebraucht, vor allem in Gastronomie- und Hotelbetrieben. Rezeptionist Gerald Urbach versteht die Welt nicht mehr. „Wir würden Nadyf sofort einstellen, er hat bei uns ein Praktikum gemacht und sich absolut als geeignet erwiesen, sogar Deutsch gelernt.“

Steiniger Weg zu einer Anstellung

Betten machen, in der Küche helfen, Reinigungsarbeiten, Nadyf steht bereit. Doch der Weg ist steinig. Unterstützt wird er von seiner Bekannten Michaela Dietsch. „Ich bin zuerst zum IBS (Institut für Berufsbildung und Sozialmanagement) gegangen, habe mit der Agentur für Arbeit und sogar mit der Integrationsbeauftragten gesprochen, das hat bisher alles nichts gebracht.“ Rezeptionist Gerald Urbach ging noch weiter: „Wir haben sogar den Ministerpräsidenten kontaktiert, doch der hat die Sache seinem Staatssekretär übergeben und sinngemäß mitgeteilt, dass seine Höflichkeit es verbiete, zum Ausländeramt etwas zu sagen.“

Das habe sich bisher trotz umfangreicher Bemühungen nicht gemeldet. Man habe bis Mittwoch eine Entscheidung erwartet, die ihnen zugesagt war. Urbach: „Die haben schon zweimal die Grenzüberschreitungserlaubnis verlängert, damit haben sie anscheinend genug getan.“ Zuvor hatte Nadyf 17 Jahre in Frankreich als Lagerist gearbeitet, war dann wegen seines Bruders nach Deutschland gekommen. Seine Frau ist gelernte Krankenschwester und momentan in Marokko. „Sie würde hier in einem Erfurter Krankenhaus als Fachkraft sofort einen Job bekommen“ so Dietsch. Den hätte ihr Mann Nadyf auch gern, wenn auch ungelernt.

Kurzzeitige Beschäftigung könnte möglich werden

Dabei sieht die Agentur für Arbeit seit 1. März eine kurzzeitige Beschäftigung von ausländischem Personal vor. In der zweiten Stufe des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes wäre eine kurzzeitige kontigentierte Beschäftigung möglich. Diese ermögliche Betrieben in Spitzenzeiten kurzfristig ausländische Arbeitskräfte bis zu acht Monate zu beschäftigen. Auch wenn Nadyf Youness nicht als Fachkraft gilt, da er ungelernt ist, wäre hier eine Möglichkeit. Bedingung an den Betrieb ist eine Bindung an einen Tarifvertrag. „Wir zahlen Nadyf gern nach Tarif, das würden wir sogar tun“, so Urbach. Das Problem aber: Am 31. Mai läuft das Visum des Marrokaners aus, er müsste also das Land verlassen.

Auf Anfrage äußert die Stadt Erfurt sich so zu dem Fall: „Die Bearbeitung eines Antrages auf Erteilung eines Aufenthaltstitels unterliegt aufgrund der individuellen Einzelfallprüfungen unterschiedlichen Bearbeitungszeiten. Hierbei spielen auch die Mitwirkung des Ausländers sowie der Beantragungsgrund eine wichtige Rolle. Die Prüfung einer Aufenthaltserlaubnis mit Voraufenthalt in einem anderen EU-Mitgliedstaat dauert i. d. R. länger, da die internen Prüfungsabläufe auch an andere Behörden gebunden sind.“

Prüfung einer Aufenthaltserlaubnis

Bezugnehmend auf den konkreten Fall Nadyf Younes teilt die Stadt Erfurt weiter mit: „In der Fallberatung von Herrn Nadyf Younes sind die Integrationsbeauftragte des Landes Thüringen sowie der Stadtverwaltung Erfurt mit eingebunden. Sofern alle Unterlagen für die Prüfung auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis unserer Behörde vorliegen, kann der Antrag abschließend geprüft werden. Dies hängt auch von der Mitwirkung der Antragsteller und der potenziellen Arbeitgeber ab.“ Und: „Eine Verlängerung des aktuellen Aufenthaltsdokumentes für Herrn Younes wurde für die Dauer der Antragsbearbeitung initialisiert.“ Was soviel heißen dürfte, dass Nadyf Younes vorerst bleiben darf, bis der alle Unterlagen vorgelegt hat und sein Fall abschließend geprüft wurde. Somit scheint das letzte Wort immerhin noch nicht gesprochen.

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