Für massive Zerstörungen haben Unbekannte am vergangenen Sonntag (24. August) im Luisenpark gesorgt. Im Dendrologischen Garten hebelten sie schwere Randsteine der Terrasse heraus und verteilten die Blöcke auf der Wiese. Auch ein Verkehrsschild wurde aus der Verankerung gerissen. Zudem hinterließen die Täter Müll.
Mehrere Tausend Euro Schaden
Die zerstörte Stützmauer soll über eine Firma neu aufgebaut werden. Eine erste Kostenschätzung der Stadt beläuft sich auf 4500 Euro. „Im Dendrologischen Garten haben wir seit Jahren mit Graffitibeschmierungen an den Mauern zu kämpfen. In letzter Zeit werden auch vermehrt die Pergolen für Turnübungen missbraucht und somit die Lattung zerstört“, informiert eine Stadtsprecherin.

Erst Ende Juli randalierten Unbekannte im Nordpark. Auch dort tobten sie sich an einer Mauer aus. Entlang der Rampe zwischen Auenstraße und Baumerstraße beschädigten und lösten sie 60 Steinplatten und warfen sie auf den angrenzenden Rasen.
Sticker der Linksjugend am Ort der Verwüstung
Zwischen dem Unrat und den herausgelösten Steinen im Luisenpark fanden sich Sticker der Linksjugend „Solid“ in Thüringen. Die Schnipsel trugen die Forderung „Gegen jeden Antisemitismus“. Zudem wurden Hammer und Sichel an das herausgerissene Verkehrsschild gesprüht.

Die gekreuzten Werkzeuge gelten gemeinhin als Symbol des Kommunismus. Derartige Schmierereien finden sich seit einigen Monaten in Erfurt. Sie prangen an Mauern, Fassaden und Stromkästen. Die Schlussfolgerung, dass hier Aktivisten der linken Szene unterwegs sind, liegt nahe.
Sticker als Anlass für die Zerstörungen?
Ein Sprecher der Linksjugend, der darum bittet, dass sein Name nicht genannt wird, distanziert sich von dem Vandalismus im Luisenpark. „Ich bezweifle stark, dass jemand aus unseren Reihen dabei war. Zerstörungen lehnen wir grundsätzlich ab“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Weshalb die Solid-Sticker vor Ort herumflogen, dazu hat er eine Vermutung. „Es gibt eine Renaissance von Gruppen, die stark marxistisch, leninistisch, stalinistisch auftreten. In Städten mit einer linken Szene, wie Halle, Leipzig und auch Erfurt, kommen diese Strömungen wieder durch“, erklärt er. Deren Anhänger sähen Die Linke und deren Jugendorganisation als „Klassenverräter“.
Auch interessant
In Erfurt gebe es zwei dieser Gruppen. „Mit denen haben wir nichts zu tun“, betont der Sprecher. Die Anti-Antisemitismus-Sticker könnten für die propalästinensisch eingestellten Linksextremen als Rechtfertigung für die Randale gedient haben.
Schmierereien von links wie rechts
Den Eindruck, dass in Erfurt zuletzt mehr Hammer-und-Sichel-Symbole aufgetaucht sind, teilen Stadtverwaltung und Polizei. Diese Einschätzung könne aber nicht mit validen Zahlen untermauert werden. Die Polizei erfasst Taten im Bereich Graffiti / Vandalismus nicht statistisch. „Subjektiv nehmen wir jedoch wahr, dass es in jüngerer Zeit in Erfurt vermehrt zu Graffiti mit Bezug zum linkspolitischen Spektrum gekommen ist. Im Verhältnis zur Gesamtkriminalität handelt es sich dabei allerdings nach wie vor um marginale Fallzahlen. Konkrete, belegbare Erkenntnisse zu möglichen Verursachern liegen uns derzeit nicht vor“, sagt Polizeisprecher Denny Schlee.
Mehr Nachrichten aus Erfurt
- Erfurter TA-Hochhaus: Wohnungskäufer rebellieren gegen Bank
- Schoki, Käse, Wurst: Das ist Erfurts beliebtester Snackautomat
- Erfurter Weihnachtsmarkt knackt magische Marke und ist bereit für neuen Rekord
- Licht, Heizung, Telefon: Dieses Erfurter Hotel war seiner Zeit voraus
- Per ICE nonstop von Erfurt nach Paris: „Das ist gut für unsere Stadt“ (mit Video)
Das Garten- und Friedhofsamt wiederum beobachtet in den Parks Beschmierungen jedweder Art. „Nach hiesiger Einschätzung sind in letzter Zeit auch Schmierereien mit Hammer-und Sichel-Symbol zu verzeichnen. Zur Häufigkeit, im Verhältnis zu anderen Schmierereien, kann hier aber keine Aussage getroffen werden“, heißt es aus dem Rathaus.




