„Unglaublich so einen Baum für so etwas zu fällen“, meint Cleo Schreiber, als sie die Nachricht liest, dass ein Baum in Elgersburg gefällt wurde, um den Erfurter Domplatz zu schmücken. Statt vorfreudiger Jubelrufe überwiegt in den Sozialen Netzwerken immer wieder große Wehmut, wenn es um Weihnachtsbäume für öffentliche Plätze geht. „Für die paar Wochen das Leben eines Baumes zerstören!!!“ meint auch unsere Leserin Eyline Martini unter dem Facebook-Beitrag zur gefällten Tanne.

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Installationen aus Licht, Metall oder Holz kommen in Betracht

Passend dazu hat die Erfurter Kulturdirektion dieser Tage bekannt gegeben, Alternativen für den klassischen echten Nadelbaum für den Weihnachtsmarkt zu suchen. „Wir möchten die Tradition der Weihnachtsbäume auf dem Weihnachtsmarkt bewahren – aber künftig mit Lösungen, die Umwelt und Ressourcen schonen. Der Klimawandel zwingt uns, über Alternativen wie wiederverwendbare Konstruktionen, nachhaltige Lichtinstallationen oder künstlerische Objekte nachzudenken“, sagt Maximilian Wolf, von der Kulturdirektion.

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Aber wie sehr ist dieses Vorhaben im Sinne der Erfurter? Wenn es um öffentliche Orte geht, noch dazu um eines der größten Identifikationsmomente vieler Stadtbürger und einen Touristenmagneten, sollte auch die Meinung der Bürger zählen. In einem Stadt-Check hat unsere Redaktion gefragt, ob eine künstliche Alternative denkbar wäre. Das Stimmungsbild zeigt sich durchwachsen.

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Dauerhafte Baumpflanzung fällt wahrscheinlich aus

„Ich bin dafür, dass eine Jungtanne auf den Platz gepflanzt werden kann. Sie kann über die nächsten Jahre „mitwachsen“ und dementsprechend ihrer Größe immer toll geschmückt und in Szene gesetzt werden. Künstlich ist Plastik und finde ich nicht anspruchsvoll und traditionell geeignet für die Stadt Erfurt“, wünscht sich unsere Leserin Juliette Pohl. Die Erfurterin spricht damit für einige der etwa 100 Kommentare, die sich zu dem Thema geäußert haben. „Bäume gehören mit ihren Wurzeln ins Erdreich! Nicht auf einen gepflasterten Marktplatz“, sagt auch Sandra Meiland. „Wenn eine Stadt einen Nadelbaum für die Weihnachtszeit haben möchte, dann pflanzt direkt einen dort auf dem Marktplatz an! Erdreich statt Pflaster.“

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Nadelbäume bekommen einen letzten großen Auftritt

Doch diese Idee scheint keine echte Perspektive zu sein. Zumindest diskutieren einige Facebook-User über die Bodenbeschaffenheit und die Wachstumsbedingungen für Nadelbäume. Eine Erfurterin bezieht sich sogar auf die Kellergewölbe unter dem Boden des Domplatzes, der eine Pflanzung unmöglich machen würde.

Erfurter Weihnachtsmarkt 2024
Weihnachtsmarkt ohne Baum
Der Erfurter Weihnachstmarkt samt Weihnachtsbaum im vergangenen Jahr. (Archivfoto) Bild: © Funke Medien Thüringen - Marco Schmidt

Einig scheinen sich die Erfurter aber zu sein, dass es ein echter Baum bleiben solle. „Weihnachten findet nur einmal pro Jahr statt und es ist ein Fest mit alten, selbst vorchristlichen Tradition und Gebräuchen. Ein natürlicher Baum sollte es dann wohl schon sein!“, schreibt René Kopp. „Da die großen Bäume auf dem Anger und Domplatz sind Bäume, die eh aus verschieden Gründen gefällt werden. Und bekommen dadurch noch einen kurzen Auftritt“ beschwichtigt Christopher Kirchner mit einem sachlichen Argument.

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Andere Städte verzichten aus Kostengründen auf Weihnachtsbäume

Alternative Ideen, wie sie sich die Kulturdirektion wünscht (Mail an events@erfurt.de), hat unserer Zeitung gegenüber noch niemand ins Spiel gebracht. Die gern genommene Idee, zu schauen, wie andere Städte es machen, bringt in dieser Sache leider auch nicht weiter. Zwar überlegen verschiedene Städte wie Hannover oder Kiel teilweise auf Weihnachtsbäume, liegt es hier nach Aussage des Norddeutschen Rundfunks oder Hannoverschen Allgemeine an den knappen Stadtkassen. Das ist in Erfurt trotz kritischer Haushaltslage – zumindest noch – nicht der Fall.

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Erfurter wünschen sich anderes Marktkonzept

Der Verzicht auf den klassischen Weihnachtsbaum lässt sich derzeit in Erfurt jedenfalls nur per KI vorstellen: Bittet der User um Tilgung des beleuchteten Baumes, stellt sich heraus, dass sich das Gesamtbild des Marktes kaum verändert. Zumindest, wenn eine abendliche Aufnahme zugrunde liegt. Denn in den Abendstunden sind die Rupfi-Nachfolger ohnehin nicht allzu gut in der Kulisse zu sehen. Die Frage nach der optischen Gesamtwirkung wiegt daher wohl eher für die taghellen Stunden des Weihnachtsmarkts.

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Statt sich Fragen zum Weihnachtsbaum zu stellen, sehen einige Erfurter eher Handlungsbedarf an anderer Stelle: „Ein neues Konzept wäre toll, damit meine ich nicht den Baum. Es stehen jedes Jahr die gleichen Buden am gleichen Platz – echt langweilig inzwischen“, hält ein Leser fest und spiegelt damit die Meinung vieler Leser, die sich Jahr für Jahr mit einer ähnlichen Meinung an unsere Redaktion wenden.