Sieben Direktkandidaten haben die Parteien im Wahlkreis Ilm-Kreis I, der den südlichen Ilm-Kreis umfasst, für die Landtagswahl am 1. September aufgestellt.

Einen Überblick über die Direktkandidaten und die Listenkandidaten finden Sie hier.

Christian Schaft (Linke), Jens Dietrich (AfD), Andreas Bühl (CDU), Maximilian Reichel-Schindler (SPD), Madeleine Henfling (Grüne), Martin Mölders (FDP) und Mathias Nicolai (Freie Wähler), beziehen Stellung zu folgender Frage: Das Industriegebiet „Erfurter Kreuz“ ist das größte in Thüringen, immer mehr Firmen siedeln sich an. Doch es fehlt an entsprechender Infrastruktur – Straßen und Schienen, aber auch Wohnungen und Schul- und Kindergartenplätze. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um diese Situation zu verbessern? 

Dieser Kandidat tritt bei der Landtagswahl für die Linken im Wahlkreis Ilm-Kreis I an

Christian Schaft, Linke. Jahrgang 1991, lebt in Erfurt. Seit 2014 Mitglied des Thüringer Landtags. Er war von 2016 bis 2021 Mitglied im Bundesvorstand der Linken und ist seit 2021 Landesvorsitzenden seiner Partei:

Christian Schaft
Christian Schaft ist Direktkandidat der Linken im Wahlkreis Ilm-Kreis I.© Die Linke Thüringen | Christian Seeling

Lebendige Industriegebiete wie das „Erfurter Kreuz“ sind wichtige Stützen für die wirtschaftliche Entwicklung Thüringens. Solche Ansiedlungen gehen allerdings auch mit hohen Anforderungen an die umliegenden Gemeinden und die Menschen vor Ort einher. Die Kommunen in der Region wollen wir unterstützen durch Investitionen, um die notwendige Infrastruktur – von Kindergärten über Wohnungen bis ÖPNV – zu schaffen. Die Erschließung, der Ausbau und der Umbau von wirtschaftlichen Ansiedlungen in Thüringen muss durch einen entsprechenden Infrastrukturfonds für Soziales, Bildung, Kultur, Verkehr und Gesundheit gefördert werden, den wir als Linke auflegen wollen. Dazu gehört auch unser Schulbauinvestitionsprogramm für Sanierung und Neubau fortzusetzen. Mit dem Masterplan Schiene des Landes Thüringen sollen zudem Strecken ausgebaut und reaktiviert werden, um Straßen durch eine Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene zu entlasten, was auch am Erfurter Kreuz notwendig ist. 

Dieser Kandidat tritt bei der Landtagswahl für die AfD im Wahlkreis Ilm-Kreis I an

Jens Dietrich, AfD. Jahrgang 1965, lebt in Ilmenau. Er ist Mitglied des Thüringer Landtags, sitzt im Ilmenauer Stadtrat und im Kreistag. Zudem ist er Mitglied im Kreisvorstand und im Landesvorstand der AfD:

Jens Dietrich
Jens Dietrich ist Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Ilm-Kreis I.© Jens Dietrich | Jens Dietrich

Solarregion war vorgestern und ob sich die Batteriefabrik langfristig als Gewinn für die Region erweist, ist alles andere als sicher. Das Erfurter Kreuz ist zumindest bei der Anbindung an das Fernstraßennetz gut aufgestellt, bei der Schiene sieht es etwas anders aus. Ohne eine stabile und vor allem kostengünstige Energieversorgung wird es aber nicht gelingen, wertschöpfende Ansiedlungen im verarbeitenden und produzierenden Gewerbe langfristig zu halten. Die aktuellen Prognosen gehen davon aus, dass die Auslastung der Kindergärten und Schulen mittelfristig zurückgehen wird. Sollte sich dies punktuell am Erfurter Kreuz anders entwickeln, muss hier ein Ausgleich geschaffen werden. Es ist durchaus möglich, in Ilmenau oder Stadtilm zu wohnen und in Arnstadt zu arbeiten.

Dieser Kandidat tritt bei der Landtagswahl für die CDU im Wahlkreis Ilm-Kreis I an

Andreas Bühl, CDU. Jahrgang 1987, lebt in Oehrenstock. Er ist seit 2014 Mitglied im Thüringer Landtag, sitzt im Stadtrat in Ilmenau und hat ein Kreistagsmandat inne:

Andreas Bühl
Andreas Bühl ist Direktkandidat der CDU im Wahlkreis Ilm-Kreis I.© Michael Reichel | Michael Reichel

Das Gewerbegebiet ist für Thüringen von hoher Bedeutung. Umso mehr müsste es auf der Prioritätenliste der Landesregierung auch so behandelt werden. Erstmal ist festzustellen, dass Rot-Rot-Grün viele Versprechen zur Infrastruktur am „Erfurter Kreuz“ gemacht hat und davon nicht viel gehalten hat. Die Akteure werden allein gelassen. Gesprächsbitten werden ignoriert. Auch der Landkreis, das Amt Wachsenburg oder Arnstadt stoßen bei der Landesregierung scheinbar auf taube Ohren. Als erste Änderung einer CDU-geführten Landesregierung würde es also einen anderen Umgang miteinander auf Augenhöhe geben. Gemeinsam muss es dann Lösungen für Frage der besseren Verkehrsanbindung sowie der Schienenanbindung geben. Auch Fragen des Ausgleichs von Natureingriffen sowie Wohn- und Schulinfrastruktur muss man offen miteinander besprechen. 

Dieser Kandidat tritt bei der Landtagswahl für die SPD im Wahlkreis Ilm-Kreis I an

Maximilian Reichel-Schindler, SPD. Jahrgang 1996, lebt in Elgersburg. Er sitzt im Elgersburger Gemeinderat und im Kreistag, war Vorsitzender der Landesschülervertretung Thüringen:

Maximilian Reichel-Schindler
Maximilian Reichel-Schindler ist Direktkandidat der SPD im Wahlkreis Ilm-Kreis I.© SPD Thüringen | SPD Thüringen

Das Erfurter Kreuz ist eines der wenigen erfolgreichen Industriegebiete in Mitteldeutschland. Innerhalb von wenigen Jahren entstanden hier Industrieunternehmen, die in innovativen und zukunftsorientierten Branchen produzieren. Das ist ein Erfolg. Leider ist der Ausbau der notwendigen Infrastruktur bei Weitem nicht in der gleichen Dynamik erfolgt. Aus diesem Grund brauchen die Gemeinden verstärkt Unterstützung, um den notwendigen Ausbau der Infrastruktur zu tätigen. Bisher muss ich leider zur Kenntnis nehmen, dass das Land hier zu wenig unterstützt hat. Daher kann ich mir vorstellen, dass hier ein gesonderter Investitionsfonds geschaffen wird, welcher die betroffenen Kommunen unter die Arme greift, um die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur der Straßen, Radwege, Schiene sowie in Wohnraum und Schul- und Kindergartenplätzen stemmen zu können. 

Dieser Kandidatin tritt bei der Landtagswahl für die Grünen im Wahlkreis Ilm-Kreis I an

Madeleine Henfling, Bündnis 90 / Die Grünen. Jahrgang 1983, lebt in Ilmenau. Die Landtagsabgeordnete ist seit 2020 Vizepräsidentin des Thüringer Landtags. Sie ist Stadträtin in Ilmenau und gehörte bis 2024 dem Kreistag an.

Madeleine Henfling
Madeleine Henfling ist Direktkandidatin der Grünen im Wahlkreis Ilm-Kreis I.© Madeleine Henfling

Bei der Planung des Industriegebietes wurden einige Dinge nicht beachtet, die jetzt für Schwierigkeiten sorgen. Hier hilft tatsächlich nur eine gezielte Förderung der infrastrukturellen Defizite. Also gezielte Investition in die Schaffung von Wohnraum, Schul- und Kitaplätzen. Auch der gezielte Ausbau des ÖPNV wäre hier sehr wichtig. Außerdem setzen wir uns für eine bessere Schienenanbindung des Güterverkehrs ein, auch um die Straßen zu entlasten. All das bedarf finanzieller Mittel, die nicht nebenbei aus dem Landeshaushalt gestemmt werden können. Wir brauchen auch gerade für solche gezielten Investitionen eine Modernisierung der Schuldenbremse auf Bundesebene, um Investitionen in diesem Bereich tätigen zu können und den Wirtschaftsstandort weiter zu entwickeln.

Dieser Kandidat tritt bei der Landtagswahl für die FDP im Wahlkreis Ilm-Kreis I an

Martin Mölders, FDP. Jahrgang 1958, lebt in Arnstadt. Er ist seit 2009 Mitglied des Kreistags, sitzt im Beirat des Jobcenters und im Landesjugendhilfeausschuss. Zudem ist der Kreisvorsitzende der FDP und engagiert sich im Landes- und Bundesfachausschuss Arbeit und Soziales der FDP:

Martin Mölders
Martin Mölders ist Direktkandidat der FDP im Wahlkreis Ilm-Kreis I.© Martin Mölders | Martin Mölders

In Anbetracht der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung ist abzuwarten, ob das Wachstum so bleiben wird. Die Entwicklung z.B. bei CATL spricht eher für das Gegenteil, das geplante Güterbahnhofprojekt wurde beerdigt. Kindergartenplätze gibt es derzeit in Arnstadt auch genug, die Einrichtungen sind eher nicht ausgelastet. Hinsichtlich der Schulen verweise ich auf die obigen Ausführungen, zumindest für die Grundschulen ist jedoch durch die sinkenden Geburtenraten eine Verbesserung der Situation in Sicht. Arbeitskräfte für die Unternehmen kommen zunehmend aus dem vor allem osteuropäischen Ausland, die damit zusammenhängenden Probleme der Integration sind bekannt. Gegen den Mangel an Wohnraum und den damit steigenden Preisen hilft nur der Neubau von Wohnungen. Dazu sind die Rahmenbedingungen zu ändern wie z.B. die Grunderwerbssteuern für selbstgenutztes Wohneigentum und sinnlose Bauvorschriften abzuschaffen, Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und das Mietrecht zu entrümpeln. 

Dieser Kandidat tritt bei der Landtagswahl für die Freien Wähler im Wahlkreis Ilm-Kreis I an

Mathias Nicolai, Freie Wähler. Jahrgang 1977, lebt in Gehren. Er ist Landesvorsitzender und Landesgeschäftsführer der Freien Wähler Thüringen und engagiert sich im Ortsteilrat von Gehren.

Mathias Nicolai
Mathias Nicolai ist Direktkandidat der Freien Wähler im Wahlkreis Ilm-Kreis I.© Freie Wähler | Mathias Nicolai

Ähnlich wie bei maroden Straßen müssen immer die Zuständigkeiten berücksichtigt werden. Für Wohnungen, Schul- und Kindergartenplätze sind die Kommunen beziehungsweise der Kreis zuständig. Hier vertraue ich den engagierten Politikern vor Ort. Das Land muss finanziell unterstützen. Für Straßen und Schienen müssen Bedarfspläne erstellt und dann umgesetzt werden. Inwieweit das bereits geschehen ist, weiß ich nicht. Im südlichen Ilm-Kreis, in meiner Heimatstadt Gehren, haben wir ein ähnliches Problem. Wir schaffen zwar Wohnraum und Kindergartenplätze und planen auch die Erweiterung des Gewerbegebietes, aber auch hier fehlt die Anbindung durch die B88n und die Schaffung des Haltepunktes Wümbach.

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