Der Film ist eine Reise. 44 Jahre für die Rebellin auf der Leinwand, 131 Minuten für den Zuschauer im Kino. Christina Friedrich, 1965 in Nordhausen geboren, hat ihren Roman „Keller“ in den Spielfilm „Zone“ übertragen. Das Ergebnis fällt aus dem Rahmen, den Kinofans landläufig erwarten.

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Der Nordhäuser Filmpalast gibt „Zone“ seinen größten Saal. Und der ist gut gefüllt zur Sondervorstellung am Sonntagabend. „Ich bin überwältigt“, freut sich Christina Friedrich über ihr Publikum.

Reale Menschen tauchen in Traumwelten ein

Der Film ist anders, seine Geschichte nicht linear. Die Grenzen zwischen Traumwelt und Realität fließen ineinander. „Es sind Momente eines Lebens, die sich verdichten wie in einem Kaleidoskop“, sagt die Regisseurin.

Starke Bilder prägen die Szenen. Das Metaphorische dominiert. Die Sprache macht sich rar. Mehr Blicke als Worte. Gesten ersetzen Dialoge. Der Zuschauer muss sich auf diese Erzähltechnik einlassen. Anderenfalls stirbt seine Faszination an Langatmigkeit.

Nicht alle Nordhäuser erleben den Abspann

Das Nordhäuser Publikum ist keine homogene Masse. Die ersten zwei verlassen den Kinosaal nach 54 Minuten. Weitere folgen später. Christina Friedrich hält das aus. Sie weiß, dass ihr Film nicht zum Mainstream zählt.

In Nordhausen bleibt die Mehrheit bis zum Abspann. Die Regisseurin erntet Beifall. Tosend ist er nicht. Der Film wirkt nach. Bedrückend sei er, meint eine Besucherin. Christina Friedrich nickt: „Ich fand das Aufwachsen in diesem Land nicht durchgehend glücklich“, sagt sie. Die Komödien zur DDR überlasse sie anderen.

„Zone“ wirkt beklemmend, wenn die Rebellin blutend ihr ungeborenes Kind verliert, der vergessene Soldat im Hundezwinger hockt oder das Grauen von Mittelbau-Dora in den Vordergrund rückt. Heitere Momente sind selten. Auch deshalb stechen die tanzenden Lessingschüler hervor.

Nordhäuser sehen den Film mit anderen Augen

Nordhäuser haben das Privileg, die Bilder des Films anders wahrzunehmen. Sie sehen den Kohnstein und die Zeppelinbrücke. Sie hören die Harzquerbahn und schmecken den Doppelkorn. Und sie riechen die Nortak-Zigaretten, denn geraucht wird in dieser Zone sehr viel.

Die Darsteller sind großartig. Auch bei ihrem Mut zum Überzeichnen. Im Gedächtnis bleibt vor allem Kea Krassau als überwiegend stille Rebellin. Diese Augen, diese Präsenz, diese Schauspielkunst sind großes Kino. Der 28-Jährigen ist Mainstream zu wünschen.

Im Programm des Nordhäuser Kinos läuft „Zone“ nicht. Zu sehen ist der Film derzeit aber in Berlin, Dresden, München und Nürnberg.

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