Eine schlaflose Nacht liegt hinter Robert Henning. „Immer wieder habe ich nach den Ergebnissen geschaut“, erzählt der Bleicheröder, der als Thüringer Spitzenkandidat für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) angetreten war. Letztendlich scheiterte er mit seiner Partei denkbar knapp an der 5-Prozent-Hürde.

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Mit seinem eigenen Wahlergebnis zeigt sich Henning zufrieden. „Was ich als Newcomer erreicht habe, macht mich schon stolz. Darauf werde ich aufbauen.“ In seiner Heimatstadt Bleicherode, deren Ortschaftsbürgermeister er seit vorigem Jahr ist, fuhr Robert Henning 15,1 Prozent der Erststimmen ein. Im Wahlkreis 188 konnte er 7,7 Prozent der Stimmen erringen. Erschreckend war für den Kommunalpolitiker der große Abstand zwischen AfD und CDU im Wahlkreis, so heftig hatte er sich das nicht vorgestellt.
„Natürlich müssen wir das Ergebnis erst einmal verdauen und alles analysieren. Aber wir machen weiter, denn wir müssen jetzt Leistung bringen.“ Für Robert Henning heißt das vor allem, seinen politischen Auftrag für die Kommune vor Ort zu erfüllen. „Ich arbeite gern im Landgemeinderat und ich bin mit Leib und Seele Ortschaftsbürgermeister. Dieses Amt liegt mir unwahrscheinlich am Herzen.“
Andreas Leupold (AfD) gelingt Einzug über Liste nicht

Ausgerechnet der Sieg Bodo Ramelows (Linke) im Kampf um das Direktmandat gegen AfD-Herausforderer Alexander Claus im Wahlkreis 192 ließ Andreas Leupold (AfD) aus Nordhausen am Wahlabend lange hoffen: Damit ergab sich die reelle Chance, dass sein Listenplatz reicht für einen Einzug in den Bundestag.
Nach Auszählung aller Stimmen aber steht laut Bundeswahlleiterin fest: Nur dem vor Leupold auf der Liste platzierten Torben Braga (AfD) gelingt der Sprung in den Bundestag von der Liste der AfD. Denn angesichts eines Thüringer Stimmanteils von 38,7 Prozent stehen der Thüringer AfD statt der erhofften neun nur acht Sitze im Bundestag zu, wobei sieben auf erfolgreiche Direktkandidaten entfallen.
In Nordhausen leitet Leupold seit einigen Jahren den Kreisverband seiner Partei. Zudem ist er seit vorigem August Vorsitzender des Nordhäuser Stadtrats. Damit kann er dessen Sitzungen leiten und moderieren. auch obliegt ihm das Hausrecht.
Die AfD ist der große Wahlsieger in Nordthüringen

Nach Auszählung aller 402 Stimmbezirke steht fest: Bei den in den Landkreisen Nordhausen, Eichsfeld und Kyffhäuser zur Wahl gestandenen acht Direktkandidaten führt Christopher Drößler (AfD) aus Küllstedt deutlich mit 39,5 Prozent. Hinter ihm folgen David Gregosz (CDU) aus Brehme mit 27,8 und Donata Vogtschmidt (Linke) aus Sondershausen mit 11,9 Prozent. Mohamed Sayed (SPD) aus Nordhausen steht bei 8,7, Robert Henning (BSW) aus Bleicherode bei 7,7 und Marcel Hardrath (FDP) aus Nordhausen bei 2,3 Prozent. Der Grüne Kai Klemm-Lorenz erzielt 1,8 Prozent. Ilka May (MLPD) kommt auf 0,2 Prozent.
Bei der Zweitstimme ist die Reihenfolge im Wahlkreis Eichsfeld - Nordhausen - Kyffhäuserkreis: AfD (38,9), CDU (23,3), Linke (13,3), BSW (8,6), SPD (8,6), FDP (3,0) und Grüne (2,7 Prozent). Die Wahlbeteiligung liegt bei 80,3 Prozent.

Das sind die Hochburgen der Direktkandidaten und ihrer Parteien
Christopher Drößler (AfD) hat das Bundestags-Direktmandat des hiesigen Wahlkreises 188 klar gewonnen. Beim Blick auf seine Ergebnisse in den einzelnen Landkreisen zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede. Im Kyffhäuserkreis erzielt er 45,8 Prozent, im Landkreis Nordhausen kratzt er an der 40-Prozent-Marke dank 39,7 Prozent. Im Eichsfeld indes fuhr er 35,2 Prozent ein. Rund um Heiligenstadt musste Drößler damit gar CDU-Herausforderer David Gregosz mit 38,1 Prozent den Wahlsieg lassen.
Gresgosz, der Eichsfelder Unternehmer, wollte seinen Parteikollegen Manfred Grund beerben, der neun Legislaturen im Bundestag saß. Doch die Wähler im Landkreis Nordhausen und im Landkreis Kyffhäuser machten seine Hoffnung aufs Direktmandat zunichte – im Südharz holt Gregosz nur 21,4 Prozent, zwischen Holzthaleben und Artern sind es 19,4 Prozent.
In allen drei Landkreisen schafft es Linke-Direktkandidatin Donata Vogtschmidt auf Platz 3. Im Kyffhäuserkreis fuhr sie mit 13,8 ihr bestes Ergebnis ein, es folgt ihr Südharz-Ergebnis (13,6 Prozent) und das Eichsfelder (9,3 Prozent). SPD-Direktkandidat Mohamed Sayed kann erwartungsgemäß in und um seine Heimatstadt Nordhausen am meisten überzeugen (10,5 Prozent). Weniger gut sind seine Ergebnisse im westlichen Nachbarkreis (7,3 Prozent) und im Kyffhäuserkreis (8,9 Prozent).

BSW-Direktkandidat Robert Henning muss mit 7,7 Prozent im gesamten Wahlkreis mit Platz 5 vorliebnehmen. 10,2 Prozent der Südharzer Wähler gaben ihm die Stimme, jedoch nur 5,6 Prozent aller Eichsfelder Wähler und 8,3 Prozent aller Wähler im Kyffhäuserkreis.
FDP-Direktkandidat Marcel Hardrath holte mit 2,4 Prozent in seinem Heimatkreis Nordhausen ebenso viele Stimmen wie im Eichsfeld, im Kyffhäuserkreis waren es 2,1 Prozent. Kai Klemm-Lorenz (Grüne) überzeugte noch weniger. Er fuhr zwischen 1,4 im Kyffhäuserkreis und zwei Prozent in den anderen beiden Landkreisen ein.
Nahezu spiegelbildlich zu den Erfolgen der Direktkandidaten haben auch deren Parteien ihre Hochburgen, was sich im Zweitstimmenvergleich zeigt: die CDU im Eichsfeld, die AfD im Kyffhäuserkreis. Im Südharz hatten die Linken, die Sozialdemokraten wie auch das Bündnis Sarah Wagenknecht ihre besten Ergebnisse eingefahren. Wie die Unionsdemokraten erzielten auch die Grünen und die FDP ihre besten Ergebnisse im Eichsfeld.

Nordhäuser AfD-Kreischef jubiliert
Drößlers Sieg im Kampf um das Nordthüringer Direktmandat lässt Nordhausens AfD-Kreisparteichef jubeln: „Das ist ein großer, großer Erfolg, Nordhausen hatte einen wichtigen Anteil daran“, erklärt Andreas Leupold. Mit dem deutlichen Abstand von wahlkreisweit mehr als zehn Prozentpunkten zu CDU-Herausforderer Gregosz habe er nicht gerechnet - im Gegenteil: „Wegen des Eichsfelds war ich lange skeptisch.“
Im Eichsfeld hatte bei der vorherigen Bundestagswahl der CDU-Kandidat noch mehr als 17 Prozentpunkte vor dem der AfD gelegen, jetzt sind es nur noch 2,9 Prozentpunkte mehr für Gregosz als für Drößler.

Wenn man nur die Ergebnisse im Landkreis Nordhausen betrachtet, ergibt sich folgendes Bild: Nach der Auszählung aller 116 Wahlbezirke (bei einer Wahlbeteiligung von 78,5 Prozent). Für Drößler (AfD) stehen 39,7 Prozent zu Buche, für Gregosz (CDU) 21,4, für Vogtschmidt (Linke) 13,6, für Sayed (SPD) 10,5, für Henning (BSW) 10,2 und für Hardrath (FDP) 2,4 Prozent. Die Reihenfolge der Zweitstimmen: AfD (39,0), CDU (18,4), Linke (14,9), BSW (10,6), SPD (9,9), Grüne (3,0) und FDP (2,9 Prozent).
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Große Enttäuschung bei der Nordhäuser CDU
Enttäuscht ist die Südharzer Union, seit 1990 erstmals nicht mehr das Nordthüringer Direktmandat errungen zu haben. „Wir haben lange nicht einen so engagierten Wahlkampf erlebt, unser Kandidat war überall präsent“, lobt der Nordhäuser CDU-Kreisparteichef Stefan Nüßle diesen. Aber er habe nicht gegen einen Trend ankommen können: „Die Menschen drücken ihre Unzufriedenheit mit einem Kreuz bei der AfD aus, auch wenn diese keine Lösungsansätze bietet.“
Fakt ist, dass Gregosz trotz allem noch mehr Stimmen einfuhr als seine Partei im Wahlkreis. Eine Verhinderung des AfD-Kandidaten aber sähe anders aus, so Nüßle mit Blick auf die hierzulande relativ starken Wahlkreisergebnisse der Kandidaten der Linken und vom BSW.
Nüßle setzt nun seine Hoffnung darauf, dass seine Partei mit Landesregierungschef Mario Vogt und einem Bundeskanzler Friedrich Merz durch Taten künftig auch beim hiesigen Wahlvolk wieder mehr überzeugen kann.
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Die Grünen in Nordhausen sind zufrieden mit Bundesergebnis
Zufrieden zeigt sich der Nordhäuser Grüne Pascal Leibbrandt mit dem bundesweiten Ergebnis seiner Partei. Mit etwa zwei Prozent unter dem Wert von 2021 seien die Grünen jene Ampel-Partei mit den geringsten Verlusten.
Gern sähe er die Grünen wieder in einer Regierung. „Wir müssen beim Klimaschutz Gas geben. Das würde ohne die Grünen noch schwieriger.“ Zugleich räumt er ein, dass Themen wie der Windkraftausbau, der Klimaschutz oder ein Tempolimit auf Autobahnen in einer Dreierkoalition „immer schwierig“ ist.
Nordhäuser SPD blickt auf ihr Ergebnis: „Das ist übel“
Die Sozialdemokraten müssen ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl verdauen. „Das ist übel, aber es hätte schlimmer kommen können“, meint Juliane Schinkel, die SPD-Kreischefin in Nordhausen. Ihre Partei könne sich „was bei den Linken abschneiden“, sagt sie mit Blick auf deren Zulauf von vielen jungen Leuten.
Die Zeichen stünden auf Erneuerung, sagt Schinkel: „Wir müssen uns neu labeln, unsere Themen besser transportieren.“ Schinkel fordert einen Wechsel an der Parteispitze und nennt die Namen des Fraktionschefs Mützenich und SPD-Bundeschefin Esken. Und: Sie gehe davon aus, dass Noch-Bundeskanzler Olaf Scholz künftig „eine untergeordnete Rolle spielt“. Namen möglicher Hoffnungsträger vermag Schinkel nicht nennen.
Es sei der Partei auf die Füße gefallen, dass Scholz als Kanzler „nicht regiert“, sondern nur die Koalition moderiert habe“, sagt Alexandra Rieger, SPD-Bürgermeisterin in Nordhausen. Auf diese Weise sei man nicht mit den Themen durchgedrungen. Grund zur Freude sieht Rieger einzig in der aus ihrer Sicht „exorbitant hohen“ Wahlbeteiligung. „Die Wahl ist wieder ein Thema“, so Rieger.

Im Kampf um das Nordthüringer Direktmandat hatte sich der Nordhäuser Mohamed Sayed von den Sozialdemokraten aufstellen lassen. Trotz Niederlage: Weil sein Resultat mehr als das SPD-Zweitstimmenergebnis ist, sagt er: „Mein Ergebnis zeigt, dass die Region auf gutem Weg zu Weltoffenheit ist.“ Sayed hat als einziger Thüringer Direktkandidat einen Migrationshintergrund.
Linke in Nordhausen feiern ihren Wiedereinzug in den Bundestag
Bei den Linken in Nordhausen wird am Wahlabend mit Rotwein, rotem Sekt und roter Bowle der Wiedereinzug in den Bundestag gefeiert. „Wir sind so happy“, sagt Kreisparteichef Timo Traulsen bei der kleinen Wahlparty in der Nordhäuser Parteigeschäftsstelle. Das Setzen auf Sozialthemen sei richtig gewesen. „Die Bezahlbarkeit des Lebens spielt auch hier eine Rolle.“
„Totgesagte leben länger“, triumphiert Birgit Pommer, die Ex-Landrätin und Ex-Landtagspräsidentin. Aus ihrer Sicht lag‘s an den „Silberlocken“ ebenso wie an den jungen Wahlkämpfern.

Traulsen ist voller Freude darüber, dass Nordthüringens Direktkandidatin Donata Vogtschmidt über die Liste in den Bundestag einzieht. Dort steht sie auf Platz 2. „Sie hat gekämpft wie eine Löwin“, zollt Traulsen der jungen Politikerin aus dem Kyffhäuserkreis Respekt.
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FDP-Kandidat Hardrath: Ein „sehr durchwachsenes“ Ergebnis
FDP-Direktkandidat Marcel Hardrath nennt das Ergebnis seiner Partei im Wahlkreis 188 „sehr durchwachsen“. Positiven Zahlen im Eichsfeld stehen schlechtere Werte im Kyffhäuserkreis gegenüber. Nordhausen liegt dazwischen. „Wir sind aber weiter bestrebt, Wähler für die Mitte zurückzugewinnen“, sagt Hardrath.
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Wahl in Nordthüringen ohne Zwischenfälle
Die Bundestagswahl ist laut Kreiswahlleiter Michael Beckmann in Wahlkreis 188 - also in den Landkreisen Nordhausen, Kyffhäuser und Eichsfeld - ohne Zwischenfälle oder größere Probleme verlaufen. Mit Blick auf die relativ hohe Wahlbeteiligung erklärte Beckmann weiter, dass Zusammenlegungen von Stimmbezirken bei der Auszählung nicht absehbar sind. Diese verlangt das Gesetz, wenn in einem Stimmbezirk weniger als 30 Wähler an die Urne gingen.

Wann kann man seinen Stimmzettel ausfüllen?
Die Bundestagswahl findet am Sonntag, 23. Februar, statt. Wahlberechtigt sind bundesweit, also auch im Kreis Nordhausen, alle ab 18 Jahren. Die Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Bei der Briefwahl zählen alle die Stimmen, die spätestens am Wahlsonntag bis 18 Uhr bei der auf dem Briefwahlumschlag angegebenen Adresse im Briefkasten liegen.
Wer bisher keine Wahlbenachrichtigung hat oder sie verloren hat, kann mit seinem Personalausweis oder Reisepass zur Stimmabgabe kommen. Die Wahllokale haben am kommenden Sonntag 8 bis 18 Uhr geöffnet.
Um 18 Uhr werden am Wahltag erste Prognosen veröffentlicht. Zwischen 18.30 und 19 Uhr folgt dann die erste Hochrechnung des Wahlergebnisses. Ein Großteil der Stimmen dürfte aber erst am späteren Abend ausgezählt sein.
Wie wird gewählt?
Mit der Erststimme wird jene Person gewählt, die vom hiesigen Wahlkreis 188 direkt in den Bundestag einzieht. Nach einem Neuzuschnitt der Wahlkreise zur Bundestagswahl 2017 gehört zum Wahlkreis neben dem Eichsfeld und Nordhausen auch der Kyffhäuserkreis.
Mit der Zweitstimme wählt man eine Partei. Man entscheidet damit über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag, also wie die 630 Sitze auf die Parteien verteilt werden. Ihre Kandidaten haben diese im Vorfeld auf einer Landesliste in eine Rangfolge gesetzt - nach dieser Reihenfolge erfolgt die Sitzvergabe.
Wer tritt im Südharz als Direktkandidat an?
Christopher Drößler (AfD): Der 29-jährige Polizeibeamte aus Küllstedt ist AfD-Vizechef im Eichsfeld und Schatzmeister der Jungen Alternative Thüringen.

Er selbst begründet seine Kandidatur wie folgt: „Deshalb kandidiere ich für den Bundestag: Deutschland wird von vielen existenziellen Problemen bedroht. Der Niedergang und die Krisen in unserem Land sind allgegenwärtig. Ob Masseneinwanderung, Deindustrialisierung, Kriegsgefahr oder die um sich greifende Dekadenz. Diese können nur durch einen grundsätzlichen Politikwechsel bewältigt werden. Und dieser Wechsel ist nur mit einer starken AfD möglich. Als Kommunalpolitiker und Polizeibeamter werde ich meine Erfahrungen einbringen, um die notwendigen Veränderungen in Politik und Gesellschaft einzuleiten.“
David Gregosz (CDU): Der 41-Jährige aus dem eichsfeldischen Brehme ist als Unternehmer tätig. Politische Ämter hatte er bislang noch nicht.

Er selbst begründet seine Kandidatur wie folgt: „Als Familienvater und Unternehmer möchte ich einen Politikwechsel. Die Menschen sind der Worte müde. Taten im Hinblick auf Wirtschaftskrise, Migration und Ansehensverlust Deutschlands sind dringend geboten. Für den Wahlkreis 188 will bessere Infrastrukturen (Energie, Straße, Schiene, Internet) und Fokus auf den Mittelstand. Nordthüringen war immer eine Region der Industrie, der Landwirtschaft, des Bergbaus und des Handwerks. Sie sichern Wohlstand.“
Robert Henning (BSW): Der 37-jährige Gastwirt aus Bleicherode ist BSW-Spitzenkandidat in Thüringen. Seit 2024 ist er Ortschaftsbürgermeister der Kalistadt, kommunalpolitisch ist er als Landgemeinderat schon viele Jahre aktiv.

Er selbst begründet seine Kandidatur wie folgt: „Die Politik, wie sie derzeit in Deutschland gemacht wird, ist nicht mehr tragbar. Das Ganze hat mit Realität und einfachem Leben nichts mehr zu tun. Die Altparteien haben auf so viele Fragen keine Antworten mehr. Die Folgen dieser Politik sind Vertrauensverlust in die Regierung, Existenzunsicherheit und der wirtschaftliche Niedergang. Aber auch der gesellschaftliche Frieden geht dadurch verloren. Der respektvolle Umgang miteinander verschwindet immer mehr. Die AfD erstarkt immer mehr, weil sich die Menschen von der aktuellen Politik nicht mehr mitgenommen fühlen.“
Marcel Hardrath (FDP): Der 43-Jährige aus Nordhausen arbeitet im Landratsamt. Im Jahr 2000 gründete er die Jungen Liberalen im Südharz mit, im Vorstand des FDP-Kreisverbands Nordhausen ist er seit 2018.

Er selbst begründet seine Kandidatur wie folgt: „Nordthüringen ist eine ländliche Region, die massiv vom demografischen Wandel und vom Bevölkerungsrückgang geprägt ist. Unsere Lebensweise und unser Wohlstand stehen vor großen Herausforderungen. Der Fokus meines Wahlkampfes liegt in der Innovationskraft des ländlichen Raums, dem Schutz unserer Einwohner vor weiterer Bürokratie, Verboten und der zunehmenden Gängelung durch staatliche Stellen. Ich setze auf marktwirtschaftliche Lösungen, die Förderung innovativer Technologien und die Senkung der Abgaben- und Steuerlast durch eine grundlegende Reform unserer sozialen Sicherungssysteme.“
Kai Klemm-Lorenz (Grüne): Der 24-Jährige studiert in Halle und wohnt in Artern. Zu den Bündnisgrünen kam er im Jahr 2021.

Er selbst begründet seine Kandidatur wie folgt: „Mir ist wichtig, mich für die Region einzubringen, in der ich aufgewachsen bin. Probleme, die es gibt, möchte ich mit Zuversicht angehen - zum Beispiel in der Bildungspolitik. Bildungschancen sind immer noch zu sehr vom finanziellen Status des Elternhauses abhängig. Das muss sich ändern. Außerdem möchte ich Klimaschutz in Verbindung mit der Wirtschaft vorantreiben und setze mich für eine offene Gesellschaft ein, zu der die Einbindung aller Menschen gehört.“
Ilka May (MLPD): Die 51-Jährige ist gebürtige Sondershäuserin. Sie ist aktiv in der Flüchtlingsarbeit, bezeichnet sich selbst als Umweltkämpferin und Antifaschistin.

Nähere Angaben zu ihrer Kandidatur machte Ilka May nicht.
Mohamed Sayed (SPD): Der 50-jährige Lehrer ist seit 2007 deutscher Staatsbürger. Im Kreis Nordhausen leitet er seit 2016 den Integrationsbeirat.

Er selbst begründet seine Kandidatur wie folgt: „Ich bin überzeugt, dass soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Integration die Grundlage für ein starkes und solidarisches Deutschland sind. Besonders am Herzen liegen mir die Themen Fachkräftesicherung, eine gute Bildung sowie die Digitalisierung – entscheidende Faktoren, um unsere Gesellschaft zukunftsfähig zu machen. Meine Erfahrungen in Bildung, Integration und politischem Engagement motivieren mich, die Anliegen der Menschen in unserer Region auf Bundesebene zu vertreten und gemeinsam eine gerechtere und innovative Gesellschaft zu gestalten.“
Donata Vogtschmidt (Linke): Die 26-Jährige war 2021 bis 2024 im Landtag. Sie stammt aus dem Kyffhäuserkreis, wohnt in Erfurt.

Sie selbst begründet ihre Kandidatur wie folgt: „Wir brauchen eine soziale Wende und starke Stimmen für den ländlichen Raum – auch in Berlin! Ich kämpfe für die Rückverteilung von Wohlstand – es kann nicht sein, dass Superreiche und Großkonzerne immer mehr profitieren, während die Dörfer vereinsamen und Menschen ohne Perspektive zurückgelassen werden. Als ehemalige Landtagsabgeordnete und Sprecherin für Katastrophenschutz und Feuerwehr möchte ich dies mit Ihnen gemeinsam bestreiten! Die Sorgen und Nöte mit Blick auf die Zukunft ernst nehmen und Hand in Hand mit allen Generationen gestalten ist mein Anspruch an ehrliche Politik.“
Zieht es weitere Südharzer in den Bundestag?
Aus dem Kreis Nordhausen zieht es neben den drei genannten Männern auch AfD-Kreisverbandschef Andreas Leupold und den Nordhäuser Grünen-Stadtrat Pascal Leibbrandt ins Bundesparlament. Sie stehen auf der Liste ihrer Partei und dürften dann den Einzug schaffen, wenn über die gewählten Direktkandidaten hinaus laut Zweitstimmenergebnis noch Plätze für ihre Partei offen sind.
Wer hat die besten Aussichten?
Jahrzehntelang war der Eichsfelder Manfred Grund (CDU) unangefochtener Sieger. Das änderte sich bereits 2021. Vor vier Jahren lag AfD-Kandidat Jürgen Pohl nur noch 3,8 Prozent hinter Grund. Nach neun Legislaturen kandidiert Grund nun nicht mehr. Laut der von Wahlforschern erstellten Website zweitstimme.org kann AfD-Mann Drößler mit 83-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Ergebnis zwischen 27 und 46 Prozent einfahren, der Unionsdemokrat Gregosz hingegen 17 bis 32 Prozent. Die anderen vier Direktkandidaten liegen nach der Vorhersage deutlich weiter hinten.
Die Wahlforscher weisen aber darauf hin, dass diese Zahlen „mit großer Unsicherheit“ behaftet sind. Denn sie berücksichtigen keine Stimmungen im Wahlkreis, die von nationalen Umfragen abweichen. Unterm Strich: Die Wahl wird spannend.
Was bringen Listenplätze für die Nordthüringer?
Sollte das BSW in den Bundestag einziehen, also die 5-Prozent-Hürde nehmen, könnte es auch Robert Henning nach Berlin schaffen. Denn er ist Thüringer Spitzenkandidat seiner Partei.
Interessant dürfte der Wahlabend auch für Andreas Leupold, Chef des AfD-Kreisverbands Nordhausen, werden. Er hat auf der Liste Platz 4 und zwei der vor ihm Platzierten gute Chancen, übers Direktmandat einzuziehen.
Donata Vogtschmidt (Linke) steht auf der Liste auf dem gut klingenden Platz 2, doch werden ihrer Partei deutlich weniger Zweitstimmen als der AfD vorhergesagt. David Gregosz hat bei der CDU Listenplatz 3, gleiches gilt für Ilka May (MLPD). Andere Nordthüringer finden sich noch weiter hinten: Pascal Leibbrandt (Grüne) auf Listenplatz 4, Mohamed Sayed (SPD) auf Listenplatz 6, Marcel Hardrath (FDP) und Kai-Uwe Klemm (Grüne) auf Listenplatz 7.
Wo haben die Parteien ihre Hochburgen – und wo schwächeln sie?
Betrachtet man den hiesigen Wahlkreis und die Zweitstimmergebnisse, war die CDU bei der vergangenen Bundestagswahl 2021 im Eichsfeld am stärksten (29,6 Prozent), während sie in den beiden anderen Landkreisen unter 17 Prozent lag.
Die Hochburg der AfD lag vor dreieinhalb Jahren im Kyffhäuserkreis (26,9 Prozent), in Nordhausen erzielte sie 22 Prozent, im Eichsfeld 19,7 Prozent.
Die Linke hatte ihr bestes Ergebnis mit 12,1 Prozent im Kyffhäuserkreis, knapp dahinter lagen die 11,8 Prozent im Südharz. Im Eichsfeld waren es indes nur 7,0 Prozent.
Die Sozialdemokraten fuhren im Kreis Nordhausen 28,6 Prozent ein, im Kyffhäuserkreis 24,8 und im Eichsfeld 21,0 Prozent.
Die FDP hatte im Eichsfeld ihren Spitzenwert (10 Prozent), knapp über acht Prozent waren es in den anderen beiden Kreisen.
Auch die Grünen waren in und um Heiligenstadt am stärksten (5,4 Prozent), wobei ihr Ergebnis im Kreis Nordhausen mit 5,1 Prozent nur geringfügig geringer ausfiel. Im Kyffhäuserkreis waren es nur 3,2 Prozent.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht gibt es erst seit vorigem Jahr.











