Kommentar: Mit- statt Gegeneinander

Holger Zaumsegel über die Kosten-Diskussion bei Hochrisikospielen im Fußball

Holger Zaumsegel

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Foto: MGT

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Wer bezahlt die zusätzlichen Polizeikosten bei Hochrisikospielen im Fußball? Für das Bundesverwaltungsgericht ist der Fall klar: der Veranstalter. Die Bremer Senatoren haben deshalb entsprechende Gebührenbescheide für vier Werder-Spiele in Höhe von 1,17 Millionen Euro an die Deutsche Fußball-Liga erstellt, die das Geld wiederum von Werder Bremen eingefordert hat. Der Versuch des norddeutschen Traditionsclubs, dass zumindest ein Teil der Kosten solidarisch von allen Erst- und Zweitligisten getragen wird,
ist nun mit deutlicher Mehrheit
gescheitert. Beim Geld hören die Freundschaft und die Solidarität nicht nur im Fußball auf.

Beim Blick auf die Gesamtproblematik bleibt ein fader Beigeschmack, weil die Auffassung von Gerechtigkeit bei vielen eine andere ist als geltendes Recht. Die Ursache des Problems, die Gewalt in und um den Stadien zwischen rivalisierenden Fanlagern, spielt in der Kosten-Diskussion nämlich keine Rolle. Die Frage, wer die Kosten trägt, löst sie auch nicht. Das Fehlverhalten weniger, die glauben, das Stadion sei ein rechtsfreier Raum, wird somit mittelfristig zu Kollektivbestrafungen führen. Werder erwägt zum Beispiel schon den Ausschluss der kompletten Gästefans bei Hochrisikospielen.

Das kann keiner wollen, weshalb das Dilemma nur durch eine andere Herangehensweise gelöst werden kann. Ein Dialog mit Ultragruppierungen, die Sensibilisierung für die Problematik und – ja – auch drakonische Strafen für Täter, sollten sie ermittelt werden können, sind zu verfolgende Ansatzpunkte. Die Rote Karte darf nur denen gezeigt werden, die die Tat begangen haben. Das ist aber nur bei einem stetigen Miteinander aller Betroffenen möglich. Und ob das gelingt, ist äußerst fraglich.

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