Zur Diskussion um die Arbeitszeit

Die erneute Diskussion um Wochenarbeitszeiten, Teilzeitquoten und die angeblich mangelnde Arbeitsmoral in Deutschland wird derzeit besonders laut von der CDU und ihrem Vorsitzenden Friedrich Merz geführt – flankiert von wirtschaftsnahen Stimmen. Doch diese Debatte verfehlt die Realität vieler Menschen im Land und reduziert komplexe Probleme auf einfache Schuldzuweisungen. So wird verschwiegen, dass in entscheidenden Bereichen über Jahrzehnte zu wenig investiert wurde, etwa bei Bildung, Gesundheit und Pflege sowie der Kinderbetreuung. Insbesondere Ostdeutschland bringt wertvolle Erfahrungen in diesen Bereichen mit, nach 1990 wurden viele dieser Strukturen zerschlagen, statt weiterentwickelt zu werden. Für viele ostdeutsche Frauen war und ist Berufstätigkeit selbstverständlich – ein Aspekt, der in bundesweiten Arbeitszeitdebatten kaum berücksichtigt wird.
Viele Familien stehen zusätzlich unter Druck, finden keine Betreuung und können nicht in Vollzeit arbeiten. Pflegeplätze fehlen, weshalb Angehörige selbst pflegen müssen. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, man müsse sich für Leistungen schämen, die zustehen.
Die aktuelle Arbeitszeitdebatte lenkt vom Kernproblem ab: der jahrzehntelangen politischen Vernachlässigung zentraler gesellschaftlicher Bereiche.
Frank Liesegang, Nordhausen/ OT Herreden

Zum Beitrag „Deal von Davos: Ist Grönland jetzt sicher vor Trump?“ vom 23. Januar:

Trotz aller Zugeständnisse: Donald Trump hat die Europäer nach Strich und Faden erniedrigt. Sie zitterten Trump entgegen wie verängstigte Kinder dem strengen Vater. Trump genoss jede Minute. Dann handelte er ruckzuck einen Deal für Grönland aus, mit Mark Rutte von der Nato. Was Fragen aufwirft: Wurde der Deal aus dem Stegreif gezaubert? Legte ihn Trump vor – und Rutte nickte wie ein Wackeldackel? Oder wurde er mit der Nato vorbereitet? Warum wurden dann Europas Regierungschefs nicht informiert? Letztere stürzte Trumps Haarnadelkehre in ein Dilemma. Sollten sie ihre Waffe – die „Handelsbazooka“ – wieder wegpacken? Den Notstandsgipfel wieder abblasen? Immerhin proben sie den Aufstand gegen die neue Welt der Großmächte.
Ihr Problem: Europa ist keine Großmacht. Es ist abhängig, vor allem von den USA. Und Europa hat keine Alternativen, seit es mutwillig sein Verhältnis zu Russland und China zerstört hat. Übrigens auf Geheiß der amerikanischen „Freunde“. Die damals nicht von Trump regiert wurden, sondern von Joe Biden und Barack Obama.
Dr.-Ing. Manfred J. Fiegler, Schwansee

Zum Beitrag „Wolf verteidigt Zwitterrolle“ vom 24. Januar:

Ich würde sagen: „Das BSW entzaubert sich“. Sie sind in Spitzenpositionen der Landesregierung vertreten, doch die Ziele, für die sich haben wählen lassen, weichen mehr und mehr auf. Die Begeisterung der ostdeutschen Ministerpräsidenten für Rüstungsinvestitionen teile sie nicht, sagt Katja Wolf. Sie und ihre Partei tun allerdings auch nichts dagegen. Sie enthalten sich einfach bei Abstimmungen, vielleicht merkt das Volk den Sinneswandel nicht. Auch wenn Thüringens Wirtschaft immer mehr verliert, kann es nicht Ziel sein, sie durch Rüstungsindustrie künstlich am Leben zu erhalten.
Maria Neumann, Erfurt

Weitere Lesermeinungen

Zum Beitrag „Mehr Widersprüche gegen Bürgergeld-Bescheide“ vom 22. Januar:

„Gerade bei den Kosten der Unterkunft ist die Gesetzeslage sehr komplex und Bescheide werden unterschiedlich interpretiert, was zu mehr Widersprüchen und Gerichtsverfahren führt“. Die Anwälte freut es, die auf Kosten der Steuerzahler zur Verfügung gestellt werden müssen. Es macht aber auch deutlich, dass generell nicht mehr Personal die Justiz entlastet, sondern die Überarbeitung von Gesetzen und Verordnungen mit dem Ziel, diese enger zu fassen und den Ermessensspielraum zu begrenzen. Das gibt auch den Bearbeitern in den Behörden eine Entscheidungssicherheit.
Hartmut Trier, Drei Gleichen

Zum Beitrag „Sesselmann verliert erneut“ vom 23. Januar:

Mein Vater sagte einmal: Recht haben und Recht bekommen, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe! Das scheint nach wie vor Gültigkeit zu haben. Für die Schulschließung kurz nach LR Sesselmanns Wahlsieg/Dienstantritt kann dieser sicher nichts. Solche Entscheidungen werden doch nicht von heute auf morgen beschlossen. Bis zu Sesselmanns Amtsübernahme haben doch jahrelang die CDU und die Linken regiert; dort kann ja auch nur die Schließung beschlossen worden sein. Jeder kann zur AfD stehen, wie er will. Die Wahrheit muss aber die Wahrheit bleiben, damit hatte es die CDU leider in der kürzeren Vergangenheit (Wahlversprechen) ja nicht so richtig!
Hans-Jürgen Obstfelder, Sömmerda

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