Zum Beitrag „Voigt soll Doktortitel abgeben“ vom 29. Januar:
Dass der politische Gegner versucht, ein tatsächliches oder vermeintliches Fehlverhalten zum Skandal aufzuputschen, muss man in einer Demokratie wohl ertragen. Also muss sich auch die Presse damit befassen. Aber die meisten Bürger werden sich fragen: Was soll dieses Theater um einen Doktortitel? Haben wir keine anderen Sorgen? Ich wundere mich, wie selbstverständlich eine behördliche Entscheidung, nämlich die Verleihung eines Doktortitels, nachträglich in Zweifel gezogen wird. Ginge es um vorsätzliche Täuschung, wäre die Sache klar. Aber offenbar geht es in der Sache um akademische Prüfungsmaßstäbe, die von Experten unterschiedlich ausgelegt werden. Hier offenbart sich die Schattenseite unseres Rechts- und Verwaltungssystems, in dem alles bis ins Kleinste aufgedröselt wird und am Ende niemand mehr echte Verantwortung für Entscheidungen übernimmt, sondern sich hinter den Vorschriften verschanzt.
Hätte man als Universität nicht einfach dazu stehen können, dass man seinerzeit bei der Promotion von Herrn Voigt einen Maßstab angelegt hat, den man heute kritisch sieht? Zu dieser Einsicht hat offenbar der Mut gefehlt. Lieber schiebt man die Entscheidung auf die Gerichte ab.
Jürgen Arndt, Weimar
Ebenfalls dazu:
Lügen haben kurze Beine. Im Falle des Ministerpräsidenten von Thüringen hatten sie etwas längere. Auch wenn sich Herr Dr. Voigt lange gegen die Plagiatsvorwürfe gewehrt hat und auch jetzt nicht zugeben will, was ihm zur Last gelegt wird. Letzten Endes ist die Uni Chemnitz auf ihren guten Ruf bedacht und hat gehandelt. Voigt hat vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten versprochen, dass im Thüringer Wald keine Windräder aufgestellt werden. Und jetzt? Wer einmal lügt, obwohl er behauptet, für Ehrlichkeit und Wahrheit zu stehen, dem glaube ich doppelt nicht.
Karin Gärtner, Gräfenroda

Ebenfalls dazu:
Die Einseitigkeit der vorgenommenen Betrachtung macht einen sprachlos. Der Leser wird geschmeichelt, denn er bekommt den „Bösewicht“ genauso serviert, wie er ihn haben möchte! Das macht mir Angst! Warum zu denen kein Wort, die solche Doktorarbeiten entgegennehmen, sie prüfen und für ausreichend gut befinden? Was prüfen diese hochdotierten und gut bezahlten Universitätsgelehrten, wenn sie am Ende immer wieder erst durch Dritte auf Fehler in den Arbeiten der Doktoranden hingewiesen werden müssen? Sind sie überhaupt in der Lage, Prüfungen dieser Art abnehmen zu dürfen, wenn sie anscheinend nicht die Hälfte der Fähigkeiten eines Plagiat-Jägers verfügen? Wer zieht jetzt die zur Rechenschaft, die es mit ihrem oberflächlichen Tun den „Schummlern“ sehr leicht machen?
Die Wirkung ist fatal, denn sie beschränkt sich nicht nur auf Dissertationen oder Doktorarbeiten! Jede und jeder könnte sich die Fragen stellen: Ist der Vorsitzende Richter am Kreisgericht auch wirklich zum Richteramt geeignet, ist der Ingenieur, der das Haus geplant und abgenommen hat, wirklich Ingenieur, ist der Arzt, zu dem ich morgen muss, auch wirklich ein Arzt? Und wer hat das geprüft?
Albert Heinecke, Leinefelde-Worbis
Weitere Lesermeinungen
Zum Beitrag „Brisante Ernennung“ vom 28. Januar
Gleich drei Staatssekretäre werden zu Lebenszeitbeamten. Da sieht man, dass die drei Parteien der Thüringer Regierung an die Zukunft denken, an die Zukunft ihrer Mitarbeiter. Keine Frage, wie diese Kostspieligkeiten in Zukunft finanziert werden können, dafür ist ja der Normalbürger da. Er soll vorsorgen für sein Renten- und Pflegedasein, möglichst mit Geldanlagen. Wenn da ein paar Euro Zinsen fällig werden, kommt Väterchen Staat und zapft die Kapitalertragssteuer und weiteres ab. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Und die Schaffung hochbezahlter Posten auf Lebenszeit während einer Legislaturperiode summiert sich, denn wir haben ja viele Regierungssitze in diesem Land und viele Parteien wollen daran teilhaben. Da muss man doch überlegen, wie man am Sozialen spart und will die Verbeamtung um nichts in der Welt auf ein notwendiges Maß reduzieren.
Es ist zurzeit nicht erkennbar, dass die Regierenden in diesem Lande ein Zeichen setzen und selbstkritisch davon sprechen, an welchen Stellen in ihren Behörden sie den Hebel der Sparsamkeit ansetzen und wie man die Effizienz in Ämtern und Behörden erhöhen will. Herr Söder hat Beispiele genannt, etwa die Konzentration der Bundesregierung allein auf Berlin, natürlich ohne neues luxuriöses Kanzleramt.
Jutta Püschel, Mühlhausen
Auch interessant
Zum Beitrag „Grüne wollen jetzt Schaden begrenzen“ vom 24. Januar:
Nach 26 Jahren harten Verhandlungen stimmen acht der 12 Grünen-Abgeordneten im Europaparlament gemeinsam mit Links- und Rechtsaußen für die rechtliche Prüfung des Freihandelsabkommens. Scheinbar gilt für sie die viel beschworene Brandmauer nicht.
Wie groß war der Aufschrei der Grünen, als Friedrich Merz vor einem Jahr mit Stimmen der AFD den Antrag zur Migration durchsetzte. Bei früheren Abstimmungen, im EU-Parlament, in denen konservative Parteien wie etwa CDU und CSU gemeinsam mit den Rechtsaußen-Parteien abgestimmt hatten, wurden diese von den Grünen zerrissen.
Nun begründete der Brandenburger Grünen-Europaabgeordnete Sergey Lagodinsky die Doppelmoral mit einer scheinheiligen Ausrede, Co-Grünen-Chef Felix Banaszak bedauert das Abstimmungsverhalten seiner Partei-Genossen und entschuldigt es aber gleich mit den Mehrheitsverhältnissen im Europäischen Parlament.
Hier wird die politische Todsünde der Anderen bei sich entschuldigt. Wenn Zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe.
Achit Tölle, Nordhausen
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