Zum Beitrag „Bürokratiemelder stößt Reformen in Verwaltung an“ vom 13. Februar:

Bürokratie ist kein Fehler der Verwaltung, sondern ein Ergebnis der althergebrachten Strukturen. Beförderung nach Dienstalter statt nach Leistung, geringe Durchlässigkeit zwischen Laufbahnen, eingeschränkte Mobilität, Lebenszeitprinzip ohne Leistungsüberprüfung. Hierarchische und siloartige Strukturen mit langen Entscheidungswegen, fehlender Verantwortung, Ressortdenken und Führung als Status. Die Digitalisierung muss ein Organisationsprojekt, nicht nur ein IT-Projekt werden. Eine moderne Verwaltung braucht Prozessorganisation statt Abteilungsdenken, Bürger- statt Behördenorientierung, klare Verantwortlichkeiten, digitale Workflows statt Papierlogik, agile Teams für komplexe Aufgaben.
Eine Reform des Beamtenrechts ist erforderlich, nicht dessen Abschaffung. Viele politische Akteure sprechen über Bürokratieabbau, aber sie greifen nur Symptome an, wie weniger Formulare, schnellere Genehmigungen, Digitalisierung einzelner Prozesse. Das ist alles sinnvoll, aber es ändert nichts am Grundproblem. Ohne eine Modernisierung der Strukturen und einer Reform des Beamtenrechts wird es keinen echten Bürokratieabbau geben.
Hartmut Trier, Drei Gleichen OT Wandersleben

Weitere Leser-Meinungen

Zum Beitrag „Von wegen Brandmauer“ vom 16. Februar:

In diesem Beitrag kommt Herr Rüdiger Lucassen, Mitglied der AfD und ehemaliger Luftwaffenoffizier, zu Wort. Und, welch‘ Wunder, trotz seiner Parteizugehörigkeit hebt er sich entscheidend von seiner Partei ab. Das hängt wohl mit seiner Erklärung zusammen: „Nach vier Kriegsjahren implodiert das Lager der Russlandfans und Friedensbewegten.“ 

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Wenn es nach mir gehen würde, sollte auf der Welt sämtliches Kriegsgerät implodieren ebenso wie die Aktiengewinne der Kriegsgewinnler. Dass die Friedensbewegung so geschwächt ist, hat auch damit zu tun, das Leute wie Herr Lucassen „Russlandfans“ und Friedensbewegte in einen Topf werfen und damit diskriminieren. „Es geht darum, dass die Ukraine den Krieg nicht verliert“, wird von vielen Kommentatoren geschrieben. In diesem Krieg haben beide Seiten schon verloren. Dazu sind schon zu viele Menschen gestorben. Krieg ist die übelste Art, mit Menschenleben zu pokern, um einen Konflikt für sich „siegreich“ zu entscheiden. Die Nato und Boris Johnson wussten ganz genau, worauf sie sich einließen, als sie Herrn Selensky empfahlen, die weit vorangeschrittenen Verhandlungen abzubrechen. Es gab genügend Hinweise, auf welche rücksichtslose und skrupellose Weise Präsident Putin reagieren wird.
Übrigens: Gründe für eine Fortführung von Kriegen lassen sich immer finden, das beweist schon die Geschichte.
Joachim Hezel, Bad Sulza

Auch interessant

Zum Beitrag „Wenn Tierärzte kerngesunde Hunde einschläfern sollen“ vom 16. Februar:

Wer diesen Artikel liest, könnte meinen, Tierleid beginne erst bei dramatischen Einzelfällen. Doch es beginnt viel früher – und oft direkt vor unserer Haustür. Und das Problem betrifft nicht nur das Weimarer Land und nicht nur Hunde. Es betrifft auch Katzen. Und es betrifft Menschen, die nicht wegsehen können.

Zu unserem Haushalt gehören fünf Freigänger-Katzen. Keine davon haben wir „angeschafft“. Sie standen plötzlich da: verwahrlost, krank, hungrig oder zurückgelassen. Wir haben sie kastrieren lassen, tierärztlich versorgt und aufgenommen. Nicht, weil wir sie sammeln – weil niemand sonst zuständig sein wollte. Das Ordnungsamt? Fühlte sich nicht verantwortlich. Auffangstationen mit kommunaler Unterstützung? Überlastet. Tierheim? Voll. Die Kommune? Schweigt. Also bleiben Menschen, die Tierleid nicht ignorieren können, auf den Kosten und der Verantwortung sitzen.

Tierleid beginnt oft vor der eigenen Haustür und bleibt unbeachtet

Ohnmacht macht wütend. Wenn Zuständigkeiten hin- und hergeschoben werden, wenn engagierte Bürger mit Verweis auf fehlende Kapazitäten abgewiesen werden, dann entstehen zynische Gedanken – nicht, weil man Tiere loswerden möchte, sondern weil man sich fragt, wie lange man noch die Lücken eines Systems stopfen soll, das nicht greift.

Hund beim Tierarzt
Ein Hund wird in einer Tierarztpraxis behandelt. „Tierleid entsteht nicht nur durch Grausamkeit, Tierleid entsteht auch durch Wegschauen“, meint eine Leserin aus Artern.© dpa | Sina Schuldt

Tierleid entsteht nicht nur durch Grausamkeit, Tierleid entsteht auch durch Wegschauen. Und durch Behörden, die Verantwortung so lange weiterreichen, bis sich niemand mehr zuständig fühlt. Wer Tierhalter zu mehr Bewusstsein ermahnt, muss auch kommunale Verantwortung ernst nehmen. Dazu gehören konsequente Kastrationsprogramme, klare Zuständigkeiten bei herrenlosen Tieren, finanzielle Unterstützung für Notfälle und erreichbare Ansprechpartner für Bürger, die helfen wollen. Solange das fehlt, bleibt die moralische Empörung einseitig – und das Problem landet weiterhin bei denen, die nicht wegsehen können.
Angelika Heinze, Artern

Ehepaar Keiterling in Oberhausen
Beate und Marc Keiterling aus Oberhausen in Bottrop-Grafenwald. Die Eheleute sind seit 30 Jahren verheiratet, haben sich statt für Kinder für Oldtimer entschieden. © FUNKE Foto Services | Martin Möller

Zum Beitrag: „Das Geheimnis einer guten Ehe“ vom 14. Februar:

Ich war verwundert, wie instinktlos das „Heile-Welt-Modell“ der Keiterlings gerade am Valentinstag beschrieben wurde. Ich kann mir gut vorstellen, dass es sich zwischen Oldtimern völlig stressfrei und ohne die täglichen kleinen und großen Freuden und Sorgen harmonisch leben lässt. Hätten Sie doch mal ein Paar gefragt, das mehrere Kinder hat und nach mehr als 50 Jahren heute immer noch von sich sagt: „Wir sind glücklich und haben alles richtig gemacht“.
Helgard Sturm, Bad Sulza

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