Zu einem Leserbrief über die DDR:

Vielen aufgeführten Argumenten stimme ich, gebürtige Würzburgerin, vollkommen zu. Nicht unwidersprochen möchte ich aber das „Zugeständnis“ an die „lobenswerten Dinge“ in der DDR lassen. Dank des familiären Zusammenhalts zwischen meinen Eltern, meiner Schwiegermutter (der Schwiegervater ist leider früh verstorben) und meinem Bruder mit Schwägerin wuchsen unsere vier Kinder zu gut gebundenen, bestens geförderten, selbständigen und strebsamen jungen Menschen heran, die zwei Söhne meines Bruders in diesem familiären System übrigens auch.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

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Parallel absolvierte ich die Facharztausbildung als Anästhesistin, mein Mann die seine als Chirurg. Daher widerspreche ich der, von einseitiger Überzeugung staatlicher Kinderbetreuung geprägte, Aussage „Eine Facharztausbildung für beide Eltern von vier Kindern wäre in der BRD undenkbar.“ Ich weiß nicht, ob mit dieser Aussage die „alte“ Bonner Bundesrepublik gemeint war oder die heutige Berliner Republik? Heute ist Teilzeit-Berufstätigkeit in der Weiterbildungszeit, vor allem mit kleinen Kindern, viel leichter als damals und die Krippen haben ihren Siegeszug bis in die traditionellen Familien hinein angetreten und Großeltern-Betreuung abgelöst oder zumindest ergänzt. Also dürfte für heute diese Aussage unbestritten nicht zutreffen.

Ost-Frauen mussten, West-Frauen wollten Kinder und Beruf vereinbaren

Für die „alte Bundesrepublik“ stimmt sie genauso wenig. Wie DDR-Frauen den Spagat zwischen politisch gewollter und wirtschaftlich notwendiger Berufstätigkeit einerseits und hauptverantwortlicher Erledigung des Haushalts bei schwieriger Einkaufs-Situation und ohne Auto meistern mussten, so wollten „West-Frauen“ oft gegen gesellschaftliche Idealvorstellungen Kinder und Beruf vereinbaren. 

Plädoyer für familiäre Erziehung

Wir sind überzeugt, dass dies auch heute mit familiärem Zusammenhalt am besten gelingt und für alle Generationen am segensreichsten ist: Für die Großeltern, die eine lebendige Beziehung zu ihren Enkeln entwickeln. Für die Eltern, die entlastet werden und für die Kinder, die kein wechselndes Krippenpersonal solch eine Bindung und Liebe lehren kann wie die erfahrenen Großeltern.

Also auch hier: die DDR mit Wochenkrippen, Sauberkeitserziehung durch „Gruppen-Topfen“ und sozialistischer Indoktrination ist kein Vorbild für unsere heutige Gesellschaft. Gemeinsinn und die Bereitschaft, sich in ein soziales (Familien-)System einzuordnen, könnten junge freiheitsliebende Individualisten dagegen schon von den weniger verwöhnten Generationen in Ost und West lernen.
Ines Pistner, Erfurt

Weitere Lesermeinungen

Zum Beitrag „Milliardenkredit ohne Kontrolle“ vom 11. März:

Da hat man mit Frau Wolf als Defizit-OB von Eisenach den „Bock zum Gärtner“, also zum Finanzminister, gemacht und wundert sich nun über Kommunikation und Verwendung von Geldern. Wie naiv sind die Parlamentarier? Frau Wolf hat es nicht anders gelernt: keine Rechenschaft abgeben, ohne Belege abrechnen, sparen oder sinnvoll haushalten sind Fremdwörter. Ich muss bei der Reisekostenabrechnung oder gegenüber dem Finanzamt jeden Cent belegen. Hier verteilt man mit vollen Händen nach dem Motto „Wer will, wer hat noch nicht?“. Das ist ein verantwortungsloser Umgang mit Geld, das die Landesregierung zulasten der Steuerzahler und der künftigen Generationen versenkt.
Michael Bürgermeister, Ruhla

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Buchhandlung "Zur schwankenden Weltkugel" in Berlin
Der Buchladen „Zur schwankenden Weltkugel“ in der Berliner Kastanienallee. Kulturstaatsminister Weimer hat drei Buchhandlungen aus dem linken Spektrum wegen «verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse» von der Liste der Einrichtungen gestrichen, die für den Deutschen Buchhandlungspreis vorgesehen waren, darunter diesen. © dpa | Annette Riedl

Zur Absage der Verleihung des Buchhandlungspreises:

Der parteilose Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat Juryvorschläge für drei linke Buchläden von der Nominierungsliste streichen lassen: Die „Rote Straße“, „The Golden Shop“ und „Zur schwankenden Weltkugel“. Schöne Literatur preisen die Buchhandlungen vermutlich unter dem Deckmantel linker Propaganda an. Wenn die „Rote Straße“ eine Buchlesung über die bürokratische Gesellschaft veranstaltet und den bürokratischen Kapitalismus verurteilt, passt das in kein Preisverleihungssystem. So lässt Herr Weimer die Verleihung auf der Leipziger Buchmesse einfach ausfallen und schickt die Preise per Post zu den Ausgezeichneten. Da sich Weimer selbst als Kulturverfechter sieht, hat er still und heimlich zum Jahresende dem Kulturpass seinen Lauf gegeben. Man sollte überlegen, wann man dem Herrn Kulturstaatsminister seinen Laufpass gibt. Anfechtbar ist er mit der Vermischung von Regierungsamt und privaten Verlagsinteressen allemal. Schwierig, wo er doch des Kanzlers Duzfreund ist.
Friedemann Boelicke, Erfurt

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