Zum Salon „Ein Anzug fürs Museum“ vom 18. April:
Ich möchte im Zusammenhang mit dem Artikel von Henryk Goldberg fragen, wieviel die aktuelle israelische Regierung mit ihrem brutalen Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung der Palästinenser und Libanesen sowie den Äußerungen einiger rechtsextremer Politiker der Regierung dazu beiträgt, den Antisemitismus zu begünstigen? Das schadet auch dem Andenken an die Opfer des Holocaust-Verbrechens. Alles mit dem brutalen Hamas-Überfall zu erklären, halte ich für falsch und ungerecht.
Mir ist eine Parallele zur Geschichte des kommunistischen Widerstandes gegen die Nazis aufgefallen. Nach Gründung der DDR wurden die Kommunisten wegen ihrer Verdienste und ihres Kampfes gegen den Faschismus in ihrem Handeln und in den Führungsämtern, die sie in der DDR innehatten, von ihren Sympathisanten kaum hinterfragt. So hat das auch Christa Wolf resümiert, als sie die fehlende Demokratie und Rechtsstaatlichkeit der DDR kritisierte und dagegen ankämpfte.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
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Die Staatsräson darf den Blick nicht vor der Wahrheit verschließen, auch wenn es ein befreundetes und vom Schrecken des Holocausts gezeichnetes Land ist. Übrigens, in der Zeit, die ich noch als DDR-Bürger erlebt habe (Jahrgang 1963), kann ich einen von der Regierung ausgehenden Antisemitismus nicht bestätigen.
Joachim Hezel, Bad Sulza
Zum Beitrag „Reservist mit 70? Verband fordert Anhebung der Altersgrenze“ vom 22. April:
Vor 85 Jahren mussten in Deutschland alle Räder für den Sieg rollen. Heute sollen die Räder rollen zur Verteidigung. In Zukunft also auch die vom Rollator einiger alter Reservisten.
Uwe Heinemann, Arnstadt
Weitere Lesermeinungen
Zum Online-Beitrag „Annalena Baerbock gerät unten schnellen Pointen-Salven ins Straucheln“ vom 22. April:
Im Artikel heißt es unter anderem „(…) seine schnellen Scherze bringen Baerbock ins Stocken, die bei provokanten Fragen sichtlich bemüht um die Unparteilichkeit ihres Amts kämpft.“ Nachdem ich die Überschrift gelesen und den Artikel überflogen habe, wollte ich mir ein eigenes Bild machen und habe das Interview angeschaut. Danach habe ich mich, ehrlich gesagt, gefragt, welches Interview der Autor gesehen hat.
Ich habe eine Annalena Baerbock gesehen, die in Anbetracht ihrer Rolle und wichtigen Funktion souverän und sachlich, dennoch mit Witz geantwortet hat. Eine Frau, die sich selbst in einer Fremdsprache eloquent ausdrückt. Sie hat wichtige Akzente gesetzt, verständlich über die Arbeit der Vereinten Nationen gesprochen und wurde dafür auch vom Publikum mit Applaus goutiert. Kurz nachdenken, bevor man eine Antwort gibt – das ist eine Eigenschaft, die ich mir bei vielen Männern in politischer Verantwortung derzeit viel mehr wünsche.
Frauen in politischer Verantwortung tauchen bereits insgesamt weniger in der Berichterstattung auf als Männer. Und wenn, dann werden sie anders dargestellt als ihre Kollegen. Während bei Männern die Kompetenz bewertet wird, sind es bei Frauen in Verantwortung Kleidungsstil und Aussehen. Bei Frauen in politischer Verantwortung werden mehr als bei Männern Doppelstandards angesetzt – treten sie zu hart auf, wirken sie unsympathisch, treten sie zu weich auf, wird ihnen ihre Führungskompetenz abgesprochen. In der Berichterstattung treten Frauen häufiger mit Scheitern und Konflikten in Erscheinung – etwas, das Jon Stewart in dem Interview sogar angesprochen hat. Ihre Erfolge werden dabei oft nicht thematisiert.
Mich ärgert diese Berichterstattung auf so vielen Ebenen. Weil ich selbst für Gleichstellung kämpfe. Weil viele Frauen darunter leiden. Weil ich für meine Tochter möchte, dass ihr Vorbilder gezeigt werden und dass sie keine Angst haben muss, sich später mal selbst aktiv in die Gesellschaft einzubringen.
Journalisten spielen dabei eine so wichtige Rolle, und ich erwarte als Leserin, dass sie regelmäßig reflektieren, in welcher Art und Weise sie berichten. Klar – Annalena Baerbock ist in einigen Teilen der deutschen Bevölkerung eine Reizfigur (auch wegen journalistischer Berichterstattung). Sie mit dem Begriff „ins Straucheln geraten“ in Verbindung zu bringen, garantiert sicher mehr Klicks als zu schreiben „schlägt sich souverän“. Ausgewogen und neutral berichtet der Autor hier aus meiner Sicht jedenfalls nicht – neben einem sachlichen Bericht des Gesagten wird Frau Baerbocks Auftreten vor allem negativ konnotiert.
Ich erwarte keine Lobenshymnen, und sachliche Kritik an Menschen, die wichtige Ämter inne haben, ist immer wichtig. Aber dieser Bericht ist für mich ein klassisches Beispiel für „gendered framing“ – bei dem Frauen in einem anderen Deutungsrahmen gezeigt werden als Männer. Ehrlich gesagt, erhoffe ich mir in diesem Punkt in Zukunft mehr von der TA.
Jenny Rotter, Osthausen-Wülfershausen
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