Im Falle des Schweizer Patienten, der sich mutmaßlich auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ mit der Andes-Variante des Hantavirus infiziert hatte, ist jetzt die vollständige Sequenz des Virus entschlüsselt worden. Eine Feststellung von Experten: Hinweise auf eine bessere Übertragbarkeit oder höhere Infektiösität des Erregers gibt es bisher nicht.

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Das Erbgut eines Erregers ermöglicht es, dessen Abstammung nachzuvollziehen und mit Sequenzen aus vorherigen Ausbrüchen – etwa des Hantavirus-Ausbruchs im Jahr 2018 in Argentinien – zu vergleichen. Darüber hinaus können mögliche Mutationen im Erbgut erkannt und so Erkenntnisse zur Übertragbarkeit des Virus abgeleitet werden.
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Der infizierte Mann aus der Schweiz reiste im April mit der „MV Hondius“, verließ das Kreuzfahrtschiff aber bereits am 24. April. Nachdem er vom niederländischen Schiffsbetreiber kontaktiert worden war, meldete er sich im Züricher Universitätskrankenhaus. Dort wurde am 5. Mai eine Infektion mit dem vor allem in Südamerika vorkommenden Andes-Subtyp des Hantavirus bestätigt. Der Erreger konnte aus Blutproben des Patienten vollständig sequenziert werden.
Andes-Virus: Experten wünschen sich weitere Rohdaten
„Allein die Tatsache, dass das Virus sequenziert wurde, erlaubt keine Aussage, dass es sich um eine neue, besonders ansteckende oder besonders virulente Andes-Virusvariante handelt“, sagt Prof. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung Arbovirologie und Entomologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Solche Schlussfolgerungen wären nur gerechtfertigt, wenn mehrere funktionelle Daten oder klare epidemiologische Hinweise auf ein verändertes Verhalten des Virus vorlägen. „Das sehe ich derzeit nicht“, so Schmidt-Chanasit. Für belastbare Aussagen über mögliche relevante Mutationen seien aber zusätzliche Sequenzen, Rohdaten und bestätigende Analysen notwendig.

Für Prof. Roman Wölfel, Oberstarzt und Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, ist es mit der nun erfolgten Sequenzierung möglich, das Andes-Virus hinsichtlich seiner Ansteckungsgefahr für Menschen eindeutig einzuordnen. „Mehr war zum jetzigen Zeitpunkt zunächst gar nicht erforderlich.“ Ob das Virus im vorliegenden Fall genetische Besonderheiten aufweise, die die Ansteckung des Mannes aus der Schweiz begünstigt haben könnten, „muss jetzt in Ruhe und detailliert analysiert werden“, so Wölfe. Zum momentanen Zeitpunkt ließen sich daraus noch keine belastbaren Schlussfolgerungen ableiten.
Meinung
Andes-Virus: Genom-Sequenz hilft bei Nachverfolgung von Infektionsketten
Einen besonderen Wert stellt die Ermittlung des Erbguts laut Virologe Schmidt-Chanasit aber doch dar: für die Einhegung des Ausbruchs. „Erstens bestätigt sie den Erreger und damit die Notwendigkeit eines spezifischen Andes-Virus-Managements“, so der Experte. Und zweitens könne die Sequenz helfen, Infektionsketten besser zu rekonstruieren und die Diagnostik zu verbessern.
Grundlegendes ändere sich für die praktische Nachverfolgung von Kontaktpersonen durch die Sequenzierung aber nicht, so Schmidt-Chanasit. „Entscheidend bleibt die epidemiologische Risikobewertung: enger, längerer oder ungeschützter Kontakt zu Erkrankten, etwa Kabinenpartner, enge Reisebegleiter, Pflegekontakte oder medizinisches Personal mit Exposition, ist anders zu bewerten als flüchtige Alltagskontakte.“ Relevante Kontaktpersonen sollten wegen der langen Inkubationszeit des Erregers von bis zu 60 Tagen über mehrere Wochen aktiv überwacht werden.
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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt bisher acht Fälle von Infektionen mit dem Hantavirus – sechs bestätigt, zwei wahrscheinlich –, die mit dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ zusammenhängen. Drei Personen sind bisher verstorben. Die WHO schätzt das Risiko für die Gesamtbevölkerung gering ein. Auch Experten wie Schmidt-Chanasit oder Roman Wölfel und das Robert-Koch-Institut sehen keine großen Risiken für das Auftreten einer neuen Pandemie.






