Zum Beitrag „Hendrik Wüst im Wartestand“ vom 28. Mai:
Der MP von NRW lächelt gerne alles weg, was man ihm nachsagt. So auch gegenwärtig, wo aus den verschiedensten Richtungen ein Kronprinz aus ihm gemacht wird. Eigentlich ist es verwunderlich, wer sich in diesen komplizierten Zeiten das Amt eines Kanzlers antun will. Beobachtet man, mit welchem Schwung Friedrich Merz den „Klempner der Macht“ abgelöst hat, ist man erstaunt, wie er jetzt zur „lahmen Ente“ mutiert. Man fragt sich, warum er nicht seine Machtinstrumente gebraucht? Mit seiner Richtlinienkompetenz und einem schröderischen „Basta“ würde sich mancher in der Berliner Blase verwundert die Augen reiben. Ob ein Hendrik Wüst das Ruder herumreißen könnte, ist fraglich. Die Wirtschaft an Rhein und Ruhr liegt am Boden. Da nutzt auch sein sympathisches Lächeln nichts.
Friedemann Boelicke, Erfurt
Zum Beitrag „Deutschland kommt nicht aus der Krise“ vom 28. Mai:
Eine Zustandsbeschreibung der Deutschland-, Europa- und Weltpolitik ist kaum noch leistbar, die Nachrichten überschlagen sich. Als multiple Krise bezeichnet, fühlt sich die Menschheit schlicht überfordert und übt sich im Verdrängen. Bedrohliche Entwicklungen wie Kriegsgefahr, Klimawandel und Artensterben auf der einen Seite, auf der anderen weiterhin die Gier nach Wachstum bei Regierenden und Regierten, obwohl wir bereits drei Planeten verbrauchen, aber nur den einen haben, dessen Ressourcen wir weiterhin ungehemmt ausbeuten.
Der Gipfel des Wahnsinns: Milliardäre – und bald vielleicht Billionäre – wollen über unsere Zukunft bestimmen.
Aber keine Partei mutet uns die ganze Wahrheit zu: So geht es nicht weiter, unser Wirtschaftssystem hat keine Zukunft. Die Tragik dabei: Kaum jemand würde eine solche Partei wählen. Ideen und Konzepte für den notwendigen Kurswechsel gibt es zuhauf, aber nur in Nischen werden sie diskutiert. Nur ein Beispiel: Gemeinwohlökonomie.
1989 wurde im Familien- und Freundeskreis noch heftig über Politik und Zukunft diskutiert. Die Sehnsucht nach einer besseren Zukunft war der Motor, die Welt schien eine bessere zu werden. Und heute? Zukunftsängste lähmen positives Denken und forcieren Ablenkungen aller Art, welche die boomende digitale Welt im Überfluss bietet.
Dieter Stompe, Erfurt
Weitere Leser-Meinungen
Zum Beitrag „Verein fordert Absenkung von Hürde“ vom 26. Mai:
Ich begrüße eine moderate Absenkung der Fünf-Prozent-Hürde bei Landtagswahlen als Chance, unsere Demokratie vor dem ansonsten aus meiner Sicht so gut wie sicheren Absturz in Chaos und Verzweiflung zu bewahren. Unsere Gesellschaft wurde immer vielschichtiger. Somit auch immer vielschichtiger an Meinungen. Auch diese müssen gehört und vertreten werden, da man sonst das Vertrauen der Wähler missbraucht und sie mehr und mehr in die Arme der AfD treibt.
Jürgen Reinhardt, Kölleda

Zum Beitrag „Normenkontrollrat kritisiert neues Heizungsgesetz scharf“ vom 15. Mai:
Unser Haus verfügt über eine relativ große Photovoltaik-Anlage mit Speicher. Dennoch schafft sie von November bis Anfang März keinen entsprechenden Ertrag. Daher liegt unser Jahresverbrauch an Strom hauptsächlich in dieser Zeit. Von März bis Oktober wird unser Warmwasserkessel der Ölheizung nur noch mit Strom vom Dach betrieben. Dennoch geben wir in dieser Zeit trotz Stromspeicher eine große Menge an Strom in das Netz ab, wie viele andere PV‑Besitzer auch, und es entsteht eine Überkapazität. Hätten wir eine Wärmepumpe, müssten wir in der Heizperiode eine große Menge an Strom zusätzlich aus dem Netz beziehen oder die PV-Anlage vergrößern, was im Sommer die Überkapazität erhöhen würde.
Mit dem neuen Heizungsgesetz ist geregelt, dass die Investitionskosten für die neuen Gaskraftwerke auf den Strompreis umgelegt werden. Eine tolle Perspektive für die Wärmepumpenbesitzer. Sie schenken den Stromversorgern die Investitionskosten, damit bis zur Fertigstellung ihr Gewinn durch die erforderlichen Investitionen nicht gemindert und danach weiterhin wachsen wird. So etwas können sich nur Profitgeier mit einem entsprechenden Beratungsauftrag ausdenken.
Wie auch im Gesundheitswesen wird deutlich, dass Infrastrukturleistungen als Daseinsvorsorge in privater Hand zu unlösbaren Interessenskonflikten zulasten der Bürger führen.
Hartmut Trier, Wandersleben
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