Zum Beitrag „Dobrindt zu Waffenfund nahe Berlin: Verdacht auf Anschlagspläne“ vom 22. August

Drohnen am Flughafen Leipzig, Waffen im Wald bei Berlin (zwei Pistolen) – und natürlich war es der böse Russe, auch wenn nichts passiert ist und man nichts Genaues weiß. Klarer ist das Bild bei einem Anschlag, der tatsächlich gelang: die Sprengung der Nord-Stream-Pipeline in der Ostsee. Hier wurde ein zweiter Tatverdächtiger festgenommen, der ebenso Verbindungen zum ukrainischen Staat hat wie der erste. Die Bundesregierung hält sich jeweils mit Schuldzuweisungen zurück. Vernünftig, angesichts des Mangels an Beweisen. Das gilt freilich nicht für die Schreihälse, die harte Schläge als Vergeltung fordern. Gegen Moskau, versteht sich, nicht gegen Kiew – obwohl die Verdachtsmomente gegen die Ukraine stärker wiegen.
Spannend wird es, wenn sie sich erhärten. Wie wird Berlin reagieren, wenn sich herausstellt, dass der teuer unterstützte Partner einen lebenswichtigen Teil deutscher Infrastruktur zerstört hat? Jede Hilfe einstellen? Reparationen fordern? Klagen?
Manfred J. Fiegler, Schwansee
Lesen Sie auch
Zum Friedensfest am 1. September in Erfurt
Krieg steht an der Tagesordnung. Konflikte gehören zum Leben – so viel ist klar. Doch unser Umgang mit ihnen, der sich in der Produktion von Panzern, Drohnen und Raketen widerspiegelt, macht mir Sorge. Immer mehr Milliarden fließen in die Produktion todbringender Waffen, die nur mehr Notwendigkeit zu Gegenwehr schaffen. Geld, das an anderen Stellen schmerzlich fehlt.

Jetzt sollen die jungen Menschen dieses Landes auch noch zum Wehrdienst gezwungen werden. Ist es das, was die Jugend unseres Landes braucht? Sprüche, wie „Sei doch mal ein richtiger Mann“ oder „Ist doch nur die Grundausbildung“ relativieren die derzeitigen Entwicklungen, die eine ganz deutliche Sprache sprechen: „Konfrontationskurs und wieder an die Ostfront.“
Dieses Jahr ist der deutsche Philosoph Jürgen Habermas gestorben, der einen radikal demokratischen Anspruch an unser kommunikatives Miteinander stellte. Konfliktlösung durch Kommunikation – das wäre doch mal eine Abwechslung. Das Erfurter Friedensbündnis veranstaltet am 1. September ab 16 Uhr ein Friedensfest auf dem Anger. Dort gibt es unter anderem zwei Diskussionsrunden zum Thema „Friedenslogik statt Rüstungslogik“. Ich halte es für wichtig, den Stimmen für konstruktive Verständigung Gehör zu verschaffen, denn es ist essenziell für das Fortbestehen unserer Demokratie. Wir wollen gemeinsam in Diskussion kommen und somit, frei nach Habermas, auch zur Vernunft.
Richard Gießler, Arnstadt
Zu „Wirtschaft erhöht Druck auf Merz“ vom 22. August

Dass jeder etwas erreichen kann, der sich nur anstrengt, stimmt nicht mehr: Über beruflichen und finanziellen Erfolg entscheiden Herkunft und Elternhaus. Die Bürger leiden unter Inflation, hohen Mieten, Lebensmittel- und Energiepreisen, schwacher Bildung, Gesundheitsversorgung und maroder Infrastruktur. Steigende Lebenshaltungskosten führen zu Lohnforderungen und Streiks, damit zu höheren Arbeitskosten; die Exportindustrie verlagert Produktion ins Ausland. Der Staat könnte gegensteuern: Preisgrenzen für Güter des täglichen Bedarfs, Miet- und Energiedeckel, gerechtere Steuern. Stattdessen fordern die Wirtschaftsbosse Reformen bei Lohnnebenkosten, Energie, Kranken-, Pflegeversicherung und Rente – auf Kosten der Bevölkerung. Politik setzt wirtschaftliche Interessen per Gesetz durch: VW investiert über 20 Milliarden Euro in den USA, keinem Billiglohnland, während hier Arbeitsplätze wegfallen. BASF baut bis 2030 in Zhanjiang für 9 bis 10 Milliarden Euro seine größte Einzelinvestition.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Dabei ist Wettbewerbsfähigkeit die Grundlage sozialen Friedens – erreichbar nur durch starke Technologien, Fachkräfte und Investitionen. Deutschland aber hängt an traditionellen Industrien; Bürokratie, starrer Arbeitsmarkt, zähe Genehmigungen und ein risikoscheuer Finanzsektor bremsen Zukunftsfelder wie KI, erneuerbare Energien und Medizintechnik. Die USA stecken unter Trump über zwei Milliarden Dollar in Bergbau und Lieferketten.
Wer wenig verdient, strengt sich angeblich nicht genug an – die Bosse offenbar auch nicht: Sie fordern Wandel nur von anderen, ohne selbst Verantwortung zu übernehmen.
Stanislav Sedlacik, Weimar
Schreiben Sie uns gern Ihre Meinung
Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, Texte zu kürzen. Leserbriefe und auch Leserfotos senden Sie bitte per Mail an leserbriefe@thueringer-allgemeine.de unter Angabe des vollständigen Namens, der Anschrift und der Telefonnummer. Veröffentlicht werden davon nur Name und Ort. Leserbriefe sollten die Länge von 1400 Zeichen nicht überschreiten.







