Zum Beitrag „Russland tritt uns mit offener Feindseligkeit entgegen“ vom 2. September:
Im Zweifel für den Angeklagten – dieser Grundsatz des deutschen Rechts gilt natürlich nicht, wenn die Täter möglicherweise dem russischen Staat zugeordnet werden können. Die Bundesregierung macht Moskau für den Anschlagsversuch in Leipzig verantwortlich. Alexander Dobrindt begründet die Zuschreibung mit polizeilichen Ermittlungsergebnissen. Tatmuster, Bauweise der Drohnen, Bauteile und Sprengstoff seien aus russischen Hybridoperationen aus dem Ukrainekrieg bekannt.
Allein aus diesen Erkenntnissen schlussfolgert die Bundesregierung, dass die mutmaßlichen Täter im Auftrag russischer staatlicher Stellen gehandelt hätten, und reagiert umgehend mit der Schließung des Russischen Hauses in Berlin sowie des Generalkonsulats in Bonn.
Dieses Vorgehen erinnerte mich an den Anschlag auf die Nord-Stream-Pipeline im September 2022. Auch damals wies man die Schuld dem russischen Staat zu. Der Generalbundesanwalt hat schon Anklage erhoben. Allerdings handelt es sich bei den Tatverdächtigen nicht um russische, sondern um ukrainische Staatsbürger. Selbst der ukrainische Präsident soll über den Anschlag informiert gewesen sein.
Obwohl die Ukraine nachweislich unsere Energieversorgung sabotiert hatte, bleiben bis heute Sanktionen aus. Stattdessen überweisen wir diesem Land weiterhin unzählige Milliarden an Steuergeldern und verschulden uns, während für die eigenen Bürger das Geld fehlt.
Auch wenn tatsächlich russische Tatmuster und Bauteile vorhanden sind, sollte man sich im Interesse der Vermeidung einer Eskalationsspirale dennoch mit übereilten Schuldzuweisungen zurückhalten.
Achit Tölle, Nordhausen
Weitere Lesermeinungen
Zum Artikel „Putin will mit gleicher Münze heimzahlen“ vom 3. September:
Wer das Heinrich-Schütz-Haus in Bad Köstritz besucht, bleibt ganz gewiss vor dem Bild „Das große Europäische Kriegsballett“ stehen. Der zeitgenössische Druck zeigt die Könige und Potentaten als friedensunfähige Tänzer über den Gräueln des Dreißigjährigen Krieges. Es versinnbildlicht den Teufelskreis aus Schuld und Sühne, Raub und Rache, verlogener Propaganda und vergifteter (in diesem Fall christlicher) Argumentation.
Ein Szenario, das sich im Gebaren der Beteiligten des Ukraine-Krieges widerspiegelt. Man erkennt viele Parallelen. Auf jede Ausweitung und Provokation der einen Seite reagiert die andere mit mehr Waffen, mehr Geld, mehr Sanktionen.
Der Westfälische Frieden, welcher den Dreißigjährigen Krieg beendete, beruhte auf dem größtmöglichen Kompromiss. Friedensforschern gilt er heute als Beginn einer neuen Ära, in der es mit Vernunft und Verzicht möglich wurde, scheinbar unlösbare Konflikte durch Diplomatie beizulegen.
Warum ist unsere westliche Demokratie, von der wir glauben, dass sie die fortschrittlichste Gesellschaftsordnung ist, nicht in der Lage, den ersten ernsthaften diplomatischen Schritt zu tun? Warum ruinieren wir unser Land in einem Krieg, von dem kaum ein Militär oder Politiker ernsthaft glaubt, dass er mit einem Sieg der Ukraine enden wird?
Norbert Schümann, Erfurt

Ebenfalls zu diesem Beitrag:
Zwei Tatverdächtige reichen im Fall der Drohne, die da vier Stunden auf dem Flugfeld in Leipzig herumtrudelte, ehe ein Busfahrer sie wohl zu Boden gebracht hat. Besonders Außenminister Wadephul scheint es genau zu wissen, dass der russische Geheimdienst hinter dem Drohnenflug steckt. Bewiesen ist allerdings überhaupt nichts. Bewiesen ist aber, dass der Ton in Richtung Vergeltung schärfer wird. Vergeltung, die sehr schnell in kriegerische Auseinandersetzung führen kann. Putins Gefolgsmann Medwedew ist bekannt für seine Drohungen. Sollte man sie nicht ernst nehmen? Nun wollen des Kanzlers vorgeschickter Minister und die EU Stärke zeigen und Putin zum Frieden mit der Ukraine zwingen. Die Schließung eines Konsulates dürfte dazu nicht ausreichen. Verhandlungen sind das einzige Zauberwort. Jalta und Potsdam lassen grüßen! Die Schließung eines Goethe-Institutes wird nicht die gleiche Münze bleiben. Das macht einem verdammt Angst!
Friedemann Boelicke, Erfurt
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