Als am Wahlabend die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme laufen wird bei der Thüringer FDP klar: Es wird eine Zitterpartie. Zwischen 4,9 und 5 Prozent liegen die Prognosen auch eine Stunde nach der Schließung der Wahllokale. Die Liberalen verfolgen den Wahlabend im Molly Malone, einem kuscheligen Pub in Erfurts Altstadt. Sie haben zu keiner öffentlichen Wahl-Party geladen, man trifft sich in engerem Kreis, Mitstreiter sind aus den Kreisverbänden angereist. Ein Wahlabend ohne Spitzenkandidat Tim Wagner, er liegt mit Fieber im Bett.

FDP-Chef Kemmerich: Zustimmung zur AfD in Thüringen erschreckend

„Zittern sind wir gewohnt“, bemerkt Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich, als er sich von der MDR-Runde wieder einfindet. „Wir geben nicht auf, bis die letzte Stimme ausgezählt ist.“ Aber der Blick auf das Gesamtergebnis sei erschreckend und die hohe Zustimmung für die AfD in Thüringen mache Angst. „Was die Menschen in die Arme der AfD treibt, müssen wir in den Griff bekommen.“

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Trotz des Debakels bei den Landtagswahlen wollte es der 60-Jährige noch einmal wissen. Nach seinem freiwilligen Verzicht auf sein Mandat 2019 gab er im vergangenen November seine Kandidatur im Prominenten-Wahlkreis Weimar-Erfurt-Weimarer Land I bekannt, wo er unter anderem gegen, Bodo Ramelow (Linke), Michael Hose (CDU) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) antrat.   

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Thüringer Liberale sprechen von einer Zäsur für die FDP

Der Generalsekretär der Thüringer FDP Robert-Martin Montag spricht von einer Zäsur für die FDP, die auf einem Bundesparteitag zu klären sei. „Liberalismus ist nichts für Weicheier, er braucht eine innere Position.“ Die FDP müsse sich entscheiden, wofür sie steht. Man habe zu lange gewartet, hätte früher aus der Ampel aussteigen müssen. Die Thüringer Liberalen müssten sich bereits den Fragen stellen, vor denen die Bundes-FDP jetzt steht.

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Abschied ohne Tränen für Thüringer Bundestags-Abgeordneten

„Das wird eine lange Nacht“, bemerkt Gerald Ullrich. Selbst wenn es am Ende für die FDP nicht reichen sollte, sei es nicht der Untergang des Liberalismus. Für den Südthüringer ist der Abend ein Abschied aus dem Bundestag, aber „ohne Tränen“. Die Aussicht auf das Direktmandat in seinem Wahlkreis sei ja nicht rosig, aber er hoffe auf ein gutes Ergebnis: Alles, was über 5 Prozent liegt. Auf einen Platz auf der Landesliste habe er bewusst verzichtet.  Nach zwei Legislaturen müssten die Wähler entscheiden, wie man seine Arbeit gemacht hat.

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Bei den letzten Wahlen 2021 zog die FDP mit gut 11 Prozent in den Bundestag, in Thüringen holten die Liberalen neun Prozent der Stimmen. Von den insgesamt 19 Abgeordneten im alten Bundestag stellten die Liberalen zwei. So lautete auch das erklärte Ziel für diese Wahl.

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