Eine der wichtigsten Nächte im Leben von Sabine Bergmann-Pohl war die vom 22. auf den 23. August 1990. „Heute kann ich Ihnen sagen, ich habe das Vergnügen, ein Ergebnis zur Abstimmung bekannt zu geben“, sagte Bergmann-Pohl, die Präsidentin der ersten und letzten frei gewählten DDR-Volkskammer, kurz vor drei Uhr morgens. Sie verkündete nichts weniger als den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland zum 3. Oktober 1990.
Volkskammer entscheidet über den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik
„Weder Bundeskanzler Helmut Kohl, US-Präsident George Bush, noch Präsident Michail Gorbatschow und auch kein anderer Politiker der Welt, nur wir 400 Volkskammer-Abgeordneten konnten entscheiden, dass die DDR gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland beitreten wird“, erinnerte sich später Hans-Peter Häfner (CDU) an das nächtliche Ringen unter den Abgeordneten.
Medizinstudium verzögert: Sabine Bergmann-Pohl überwindet Hürden
An diesem Montag feiert Bergmann-Pohl ihren 80. Geburtstag. Als Sabine Schulz wurde sie am 20. April 1946 in Eisenach geboren. In Berlin-Lichtenberg machte sie ihr Abitur und wollte Medizin studieren, wie ihr Vater, der Unfallchirurg war. Zunächst blieb ihr dies aufgrund der Quote für Studierende aus Arbeiter- und Bauernfamilien laut der Konrad-Adenauer-Stiftung verwehrt. 1966 konnte sie dann ihr Studium beginnen. Sie heiratete und bekam zwei Kinder, die Ehe wurde 1979 geschieden.
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In die Politik wegen der Arbeit
Die promovierte Fachärztin für Pneumologie leitete zunächst eine Poliklinik für Lungenkrankheiten in Berlin-Friedrichshain, dann wurde sie Direktorin der Ost-Berliner Bezirksstelle für Lungenkrankheiten und Tuberkulose. Mit ihrer Expertise ging Bergmann-Pohl auch politisch später in die Offensive: Auf Plakaten zur Bundestagswahl 1990 warb sie mit dem Slogan „Eine Gesundheitspolitik für alle!“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Mit ihrer Karriere begann auch ihr politisches Leben: Sowohl aufgrund ihrer christlichen Einstellung, als auch, um nicht der SED beitreten zu müssen, trat sie in die Ost-CDU ein, damals eine Blockpartei unter der Fuchtel der SED.
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Auf der Liste hinter Lothar de Maizière
Am 18. März 1990 war es so weit: Die erste und einzige freie Volkskammer der DDR wurde gewählt. Auf Platz zwei der Berliner Landesliste der Ost-CDU, hinter dem Parteivorsitzenden Lothar de Maizière, stand Sabine Bergmann-Pohl. Die aus der CDU und weiteren Parteien bestehende siegreiche „Allianz für Deutschland“ machte sie im April zur Volkskammerpräsidentin. Noch in der ersten Sitzung sagte Bergmann-Pohl: „Die Parlamente sollen die Zukunft gestalten und nicht nur die Regierung.“
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93 Beschlüsse, 164 Gesetze und drei Staatsverträge in 180 Tagen und lautete der Arbeitsnachweis der Abgeordneten der letzten Volkskammer. Gemeinsam mit einer weiteren Christdemokratin aus dem Westen bereitete sie zudem den Weg zur Deutschen Einheit mit vor: Rita Süssmuth (1937-2026), damals Präsidentin des Deutschen Bundestags.
Von der Staatspräsidentin zur Ministerin
Im vereinten Deutschland gelang Bergmann-Pohl im Gegensatz zu vielen anderen der Übergang ins Kabinett von Helmut Kohl (CDU, 1930-2017), der sie zunächst zur Bundesministerin ohne Geschäftsbereich machte. Später wurde sie parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium.
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Verbittert darüber, dass sie von der Parlamentspräsidentin zur Hinterbänklerin wurde, war sie nicht. „Letztendlich war ich eigentlich zufrieden mit meinem Job“, sagte sie Jahre später dem „Deutschlandfunk“: „Also, ich wäre nicht gerne Frauenministerin geworden, sage ich mal so.“
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Mitte März eröffnete der Bundestag eine Ausstellung zur zehnten Volkskammer der DDR im Mauer-Mahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Die Zeit als erste und letzte freie Präsidentin bezeichnete Bergmann-Pohl während der Eröffnung als aufregendste, anstrengendste, „aber auch die glücklichste Zeit“ ihres Lebens.
epd








