Ukraine-Krieg

Bauindustrie gegen Ölembargo: „Triage auf Bau hat begonnen“

Tobias Kisling
| Lesedauer: 3 Minuten
Ukraine-Krieg trifft energieintensive Betriebe in Deutschland

Ukraine-Krieg trifft energieintensive Betriebe in Deutschland

Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine werden die Rufe in Deutschland nach einem Lieferstopp für russisches Erdgas immer lauter. Doch für energieintensive Unternehmen wäre ein Embargo verheerend - so wie für die Glasmanufaktur Brandenburg.

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Berlin.  Die Bauindustrie warnt in Brandbriefen an Habeck und Wissing vor einem Ölembargo. Schon jetzt würden wichtige Projekte auf Eis gelegt.

Der russische Krieg in der Ukraine wirkt sich zunehmend auf die deutsche Bauindustrie aus – Materialien werden knapp und Preise steigen. Erste Firmen haben Aufträge gestoppt.

Nun schlägt die Branche mit drastischen Worten Alarm. Schon jetzt gebe es die Situation, dass aufgrund von Materialengpässen und Preissteigerungen Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt würden, heißt es in einem Brandbrief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP).

„Eine Priorisierung, sozusagen eine „Triage“ auf dem Bau, von Projekten hat bereits begonnen. Stornierungen von Baustoffen und Baumaterial sind jederzeit möglich“, heißt es in dem von Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, und Oliver Nohse, Präsident des Deutschen Asphaltverbandes, unterschriebenem Brief, der unserer Redaktion vorliegt. Dabei sei der Bedarf an neuen Bauvorhaben eigentlich groß.

Ukraine-Krieg: Bauindustrie warnt vor Ölembargo

Besonders deutlich warnt die Bauindustrie vor den Folgen eines Embargos von russischem Öl. Schon jetzt sei der Straßen-, Brücken- und Hochbau eingeschränkt. Ein Grund liege im Baustoff Bitumen, der auf Rohöl basiert und eines der wichtigsten Bindemittel im Straßenbau ist, aber auch als Abdichtungsmittel etwa bei Gebäuden genutzt wird.

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Eigentlich kann Deutschland seinen Bitumen-Verbrauch aus der Eigenproduktion heraus decken. 10 Raffineriestandorte hierzulande produzieren pro Jahr rund vier Millionen Tonnen des klebrigen Baustoffes. Allerdings stammt laut der Bauindustrie rund jede dritte Tonne dabei aus Raffinerien, die vom russischen Mineralölkonzern Rosneft betrieben werden – dem Unternehmen, bei dem Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Aufsichtsratsvorsitzender ist. Allein 400.000 Tonnen Bitumen steuert demnach die Raffinerie Schwedt in der Uckermark bei, die für die Metropolregion Berlin-Brandenburg wichtig ist.

Bauindustrie: Ölembargo würde Brückenbau gefährden

Entsprechend warnt die Bauindustrie vor einem Ölembargo. Nicht nur die Energiewende und die Modernisierung der Mobilität seien bei Versorgungsstopps gefährdet, sondern auch die Erneuerung von Brücken – und damit mögliche Verkehrsrouten für Truppenbewegungen der NATO im Verteidigungsfall, schreiben Hübner und Nohse.

Allerdings ist Deutschland nur bedingt auf vier 4 Millionen Tonnen Bitumen, die es jedes Jahr produziert, direkt angewiesen. 1,6 Millionen Tonnen Bitumen braucht die hiesige Asphaltproduktion pro Jahr, 600.000 Tonnen die Industrie.

Fast jede zweite Tonne Bitumen wird exportiert

Fast die Hälfte des Bitumens wird dagegen von den Mineralölkonzernen exportiert, meist in die europäischen Nachbarstaaten. Während es für die Mineralölkonzerne ein lukratives Geschäft ist, sieht die hiesige Bauindustrie bereits die Bagger stillstehen. Denn Bitumen lässt sich kaum lagern.

Dabei sei der Baustoff für den Straßenbau besonders wichtig: Die jährlich in Schwedt produzierte Menge von Bitumen würde beispielsweise ausreichen, um bei einer Autobahnstrecke von Berlin nach München die Fahrbahndecke zu erneuern, heißt es vom Hauptverband der deutschen Bauindustrie.

Bauindustrie spricht sich für Protektionismus aus

Falle diese Menge im Zuge eines Ölembargos weg, drohe binnen zwei bis drei Wochen eine Unterversorgung, heißt es von den Verbänden.

In einem solchen Fall müsse der heimische Bedarf priorisiert werden, fordert die Bauindustrie in ihrem Brief an die beiden Minister. Während Diesel und Heizöl bereits als strategisches Produkt der Versorgungssicherheit gelten, müsse dies auch bei Bitumen zugesichert werden.

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Dieser Artikel ist zuerst auf waz.de erschienen