Altersvorsorge

Steuererklärung: Diese Rentner zahlen bald weniger Steuern

Alessandro Peduto
| Lesedauer: 4 Minuten
Die fünf wichtigsten Versicherungen im Alter

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Mit dem Start in den Ruhestand ist es sinnvoll, bestimmte Versicherungen abzuschließen. Diese fünf Versicherungen sollte man im Alter haben oder bereits früh abschließen.

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Berlin.  Doppelbesteuerung bei der Rente? Das will die Ampel verhindern. Unsere Tabelle zeigt, wer von der Neuregelung am meisten profitiert.

  • Um die Doppelbesteuerung bei der Rente gab es lange Diskussionen
  • Nun will die Ampel-Koalition das Problem lösen
  • Das könnte dazu führen, dass einige Rentner weniger Steuern zahlen

Die Ampel-Partner SPD, Grüne und FDP wollen etwas gegen eine künftig drohende Doppelbesteuerung der Renten tun. Das haben die drei Regierungsparteien im Koalitionsvertrag festgehalten. „Eine doppelte Rentenbesteuerung werden wir auch in Zukunft vermeiden“, stellen die Ampel-Partner dort klar. Lesen Sie hier: Die Steuererklärung für Rentner ist jetzt stark vereinfacht.

Was die geplanten Änderungen nun konkret bedeuten könnten, hat der Rentenexperte und Finanzmathematiker Werner Siepe in einer Fall-Studie aufgezeigt, über die zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Demnach kann eine entsprechend ausgestaltete Neuregelung der Rentenbesteuerung bei einzelnen Steuerzahlern künftig zu einer Entlastung von insgesamt bis zu etwa 23.500 Euro führen.

Der Steuervorteil bei der Rente hängt vom Geburtsjahrgang ab

Es ist gewissermaßen Geld, das Versicherte ohne die vorgeschlagenen Regeländerungen an den Staat abführen müssten. Den größten Vorteil hat nach der Beispielrechnung der Jahrgang 1975: für Durchschnittsverdiener aus diesem Geburtsjahrgang, die gegenwärtig monatlich etwa 3250 Euro brutto verdienen, führen die Änderungen zu einer potenziellen Steuerentlastung von knapp 12.500 Euro.

Bei Topverdienern, die stets über der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenbeiträge liegen (derzeit monatlich 7050 Euro im Westen und 6700 Euro in Ostdeutschland), ergibt sich mit etwa 23.500 Euro ein annähernd doppelt so hoher Steuervorteil.

Größte Steuervorteil für den Rentenjahrgänge 1975 und 1980

Am zweitbesten schneidet der Jahrgang 1980 ab, mit einem Steuervorteil von etwa 9950 Euro für Durchschnittsverdiener und etwa 18.800 Euro bei Topverdienern. Den geringsten Vorteil haben Angehörigen des Jahrgangs 1960.

Sie haben nach dem Berechnungsmodell einen Vorteil von rund 1500 Euro als Durchschnittsverdiener und von knapp 3000 Euro, wenn sie in der höchsten Gehaltsklasse liegen. Am zweitwenigsten profitieren gesetzlich Rentenversicherte, die 1990 zur Welt kamen. Sie können je nach Verdiensthöhe mit einer Steuerersparnis von 2800 Euro beziehungsweise rund 5300 Euro rechnen.

Jahrgang  Steuervorteil Durchschnittseinkommen Steuervorteil Spitzeneinkommen
1960 1538 Euro 2937 Euro
1965 4537 Euro 8339 Euro
1970 8149 Euro 15.210 Euro
1975 12.482 Euro 23.522 Euro
1980 9952 Euro 18.819 Euro
1985 6762 Euro 12.727 Euro
1990 2800 Euro 5259 Euro

Quelle: Süddeutsche Zeitung/ Werner Siepe

Rente und Doppelbesteuerung: Lindner muss noch liefern

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat zwar noch kein entsprechendes Gesetz vorgelegt. Doch Eckpunkte zur Verhinderung von Doppelbesteuerung stehen fest. So soll etwa der zeitliche Korridor für den Übergang weg von der Besteuerung der Beiträge, hin zu eine Besteuerung der Bezüge, um insgesamt zwei Jahrzehnte gestreckt werden.

Die Renten sollen demnach nicht im Jahr 2040, sondern erst 2060 zu 100 Prozent belastet werden. Heißt: die jährliche Steigerung der Besteuerung wird sich verlangsamen. Es steht aber noch nicht fest, in welcher Höhe die jährlichen Schritte ausfallen werden. Finanzmathematiker Siepe hat für seine Berechnungen eine geschätzte Steigerungsrate von 0,5 Prozent pro Jahr angenommen.

Fest steht hingegen schon, wie die geplanten Steuererleichterung ür die Beiträge aussehen sollen. Lindner plant, dass die Beiträge von Arbeitnehmern an die gesetzliche Rentenversicherung zwei Jahre früher voll steuerlich absetzbar sein, also im Jahr 2023 statt 2025.

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Rente in Deutschland - Fakten und Geschichte

  • System: Die gesetzliche Rente funktioniert nach dem Äquvivalenz- und dem Solidarprinzip.
  • Renten-Arten: Es gibt noch die Grund-, die Erwerbsminderungs- und die Hinterbliebenenrente.
  • Ausnahmen: Eine große Mehrheit der Selbstständigen und Freiberufler sind von der Versicherungspflicht befreit.
  • Finanzierung: Die gesetzliche Rente in Deutschland ist grundsätzlich umlagenfinanziert.
  • Probleme: Die Probleme der Unterfinanzierung ergeben sich hauptsächlich aus der zunehmend älter werdenden Bevölkerung in Deutschland.
  • Drei Säulen: Die Altersvorsorge in Deutschland fußt auf drei Säulen. Dazu gehören die gesetzliche, betriebliche und die private Altersvorsorge.
  • Ursprung: Sie wurde am 22. Juli 1889 unter Reichskanzler Otto von Bismarck offiziell eingeführt.

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Die Ampel-Koalition orientiert sich an einem Urteil des Bundesfinanzhofs

Die Ampel will verhindern, dass es zu Doppelbesteuerungen kommt, indem Beschäftigte erst Abgaben auf ihre Versicherungsbeiträge und später noch einmal auf ihre ausbezahlte Rente entrichten. Genau eine solche Gefahr für zukünftige Rentenjahrgänge hatte der Bundesfinanzhof im vergangenen Mai in einem viel beachteten Urteil angemahnt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.