Die Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld hat am Donnerstag mit der finalen Bauabnahme die Renaturierungsmaßnahme am Alten Hainsbach zur Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit abgeschlossen.
Die Maßnahme wurde im Rahmen des Naturschutzprojektes „Management von Kalkniedermoorkomplexen und Kalktuffquellen“ durchgeführt. An dem wenig frequentierten Waldweg wurden die bestehenden Durchlässe umgestaltet sowie die Gewässermorphologie in den Anschlussbereichen aufgewertet.
„Wir haben zu gering dimensionierte Betonverrohrungen entfernt und stattdessen eine Furt gebaut“, erklärt der Projektleiter Jan Lanvers anschaulich. „Die ökologische Durchwanderbarbeit des Bachs für Kleinstlebewesen und tierische Organismen im Gewässerboden, das sogenannte Makrozoobenthos, ist nun wieder uneingeschränkt gegeben.“
„Die Witterungsverhältnisse in diesem Winter mit viel Regen waren für die umsetzenden Gewerke eine Herausforderung. Der aktuellen Bauphase ging eine mehr als einjährige Planungs- und Genehmigungsphase voraus. Die Planungs- und Baukosten betragen insgesamt 70.000 Euro“, erläutert Martin Kellner von dem verantwortlichen Planungsbüro Kellner und Partner.
Umsetzung mit lokalen Partnern
Durchgeführt hat die Maßnahmen TWE Uder. Beteiligt war auch Arne Willenberg vom Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal, der als fachlicher Kooperationspartner das Projekt begleitet hat. Der Bürgermeister von Asbach-Sickenberg, Siegfried Dellemann (parteilos), dankte allen Projektbeteiligten für den Abschluss der Naturschutzmaßnahme in seiner Region.
Der Alte Hainsbach ist ein Kalktuffquellbach in sehr gutem Zustand mit ausgeprägten Kalktuffterrassen. Sein Gewässerprofil ist im Maßnahmenbereich naturbelassen und unausgebaut. Die bisherigen Verrohrungen stellten jedoch Barrieren dar, die die ökologische Durchgängigkeit maßgeblich eingeschränkt und somit wertvolle Lebensräume voneinander getrennt haben.
„Die Wiederherstellung dieser Durchgängigkeit dient dem Erhalt und der Wiederentwicklung von artenreichen und gewässertypischen Lebensgemeinschaften. Im Verlauf des Fließgewässers ändern sich die ökologischen Bedingungen wie Fließgeschwindigkeit, Temperatur oder Sauerstoffgehalt und mit ihnen auch das Nahrungsangebot. Die Nahrungsansprüche vieler Arten ändern sich in den verschiedenen Altersstadien und machen so einen Wechsel in andere Gewässerabschnitte erforderlich beziehungsweise durch ein jahreszeitlich wechselndes Nahrungsangebot notwendig“, heißt es seitens der Wildtierland Hainich gGmbH.
Nicht-durchgängige Gewässer seien biologisch isoliert, somit könnten über längere Zeit isolierte Bestände einer Art genetisch verarmen oder aussterben. Eine rasche Wiederbesiedlung sei nur bei ökologisch durchgängigen Gewässern möglich.
Die Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld befindet sich in Trägerschaft der Wildtierland Hainich gGmbH, die auch das Wildkatzendorf Hütscheroda betreibt. Das Projekt „Management von Kalkniedermoorkomplexen und Kalktuffquellen“ wird gefördert als Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL).
Finanzierung durch EU und Freistaat Thüringen
Aus Mitteln des europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) wird, kofinanziert durch den Freistaat Thüringen, in die ländlichen Gebiete investiert. Ziel des Projekts ist es, den Zustand von Kalktuffquellen und kalkreicher Niedermoore in Westthüringen durch geeignete Maßnahmen zu verbessern und langfristig zu sichern.
Durch die vorangegangenen ENL-Projekte der Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld wurden an Kalktuffquellen im Projektgebiet bereits zahlreiche Maßnahmen zur Optimierung des prioritären Lebensraumtyps durchgeführt.
Kalktuffquellen sind nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) prioritär geschützte Lebensräume, in deren abfließenden Bächen Kalk ausfällt und sich häufig über die Jahre charakteristische Terrassen bilden. Im Eichsfeld gibt es unterhalb der großen Muschelkalkvorkommen auf den Höhenzügen zahlreiche solcher Kalktuffquellen.
Der Erhaltungszustand von Kalktuffquellen ist in Thüringen ungünstig bis unzureichend. Dabei liegen die Ursachen häufig darin, dass der Wasserhaushalt durch die Klimaveränderung, Wasserentnahmen und Grundwasserabsenkungen, Fassungen und Verrohrungen sowie Nährstoff- und Pestizideinträge aus angrenzenden Flächen beeinträchtigt wird.
Weitere Informationen sind per E-Mail an jan.lanvers@wildtierland-hainich.de erhältlich.
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red


