Eichsfeld. Zahlreiche Menschen gingen in den vergangenen Wochen für die Wahrung der Menschenrechte auf die Straße. Am Sonntag findet erneut eine besondere Demonstration statt.

Wir waren überrascht. Wir waren überrascht, wie viele Menschen vor einigen Wochen auf die Straße gingen, um für Demokratie und Menschenrechte ihre Stimme zu erheben. In großen Städten waren es Tausende. In kleineren Orten gingen immerhin Hunderte mit. Sie machten sich auf den Weg, um zu zeigen, dass sie nicht einverstanden sind, mit dem, was da einige ihrer Zeitgenossen in einer Villa in der Nähe von Potsdam zu bereden hatten.

Lautstark und fantasievoll machten sie deutlich, wofür sie stehen, und das darf, Gott sei Dank, in unserem Land sein. Niemand muss sich sorgen, deswegen verhaftet zu werden. Diese Freiheit, diese Weltoffenheit ist nicht selbstverständlich, wie jeder feststellen wird, der aufmerksam das Weltgeschehen verfolgt.

An diesem Sonntag machen sich auch wieder Menschen auf den Weg, sie gehen auf die Straße. Sie demonstrieren. Sie tun das seit hunderten von Jahren immer wieder, um sich zu erinnern, um nicht zu vergessen, dass da mal einer auf einem Esel in Jerusalem eingeritten ist und auch damals die Leute schon auf die Straße gegangen sind.

Markus Hampel ist Pfarrer in Worbis.
Markus Hampel ist Pfarrer in Worbis. © Archiv | Markus Hampel

Aus dem „Hosianna, dem Sohne Davids!“ wurde über Nacht das „Kreuzige ihn!“. Eine Gefahr, die damals, wie heute besteht, wenn die Menschen von Protagonisten mit unlauteren Motiven aufgehetzt und instrumentalisiert werden.

Ich glaube daran, dass gerade das Letztere nicht geschieht, wenn ich mit dem und für den auf die Straße gehe, der auf einem Esel, dem Lasttier der kleinen Leute, in die Stadt einzieht. Ich gehe ihm nach, denn er kommt, um zu sterben. Er liefert sich aus, er gibt sich hin, gegen jede menschliche Logik.

Er wird am Ostertag auferstehen, deswegen ist der Palmsonntag keine ausschließlich traurige Angelegenheit, und die Prozession kein Beerdigungszug.

Der Glaube an die Auferstehung schwingt schon mit, die Hoffnung auf meine persönliche Rettung, sie ist schon da.

Ihnen allen gesegnete Kar- und Ostertage.

Markus Hampel, Pfarrer in Worbis

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