Covid-19-Fall im Sitzendorfer Kindergarten „Weltentdecker“

Sitzendorf.  Das Gesundheitsamt des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt ordnet eine 14-Tage-Quarantäne für das pädagogische Personal und die Kinder an.

Bürgermeister Martin Friedrich und Kindergartenleiterin Martina Böse stehen am Montag vor der Doppeltür des Bildungszentrums in Sitzendorf, das auch die wegen der Ferien nicht betroffene Grundschule beherbergt.

Bürgermeister Martin Friedrich und Kindergartenleiterin Martina Böse stehen am Montag vor der Doppeltür des Bildungszentrums in Sitzendorf, das auch die wegen der Ferien nicht betroffene Grundschule beherbergt.

Foto: Henry Trefz

Am Montag um 13.30 Uhr trafen sich viele Eltern aus dem Schwarzatal am Test-Center der Thüringen-Kliniken in Saalfeld. Alle Kinder, die letzte Woche den Sitzendorfer Kindergarten „Weltentdecker“ besucht haben, waren, ebenso wie das pädagogische Personal, zum Corona-Test bestellt. Seit diesem Tag steht fest, dass eines der Kinder sich bei seinem Onkel angesteckt hatte, der bereits als positiver Fall bekannt ist und dessen Umfeld nun zum Test gebeten worden war. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Am Bildungszentrum Sitzendorf herrscht an diesem Morgen eine selbst für Herbstferien ungewöhnliche Ruhe. Gekommen sind für das Gespräch mit unserer Redaktion nur Bürgermeister Martin Friedrich und Kindergartenleiterin Martina Böse. Beide loben zunächst das umsichtige Verhalten der betroffenen Familie. Sie hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des positiven Testergebnisses für den Onkel entschieden, die beiden Geschwister zu Hause zu lassen, auch wenn das infizierte Kind keinerlei Krankheitssymptome zeigt.

Als am Freitagnachmittag das Testergebnis feststand, wurden am Samstag zunächst die Eltern darüber informiert, dass für das Personal und die Kinder eine 14-tägige Quarantäne angeordnet wurde. In Absprache mit dem Landrat hatte Bürgermeister Martin Friedrich entschieden, auch die Öffentlichkeit am Samstag über den Umstand zu informieren und zu nochmals erhöhter Achtsamkeit für die Hygiene-Regeln aufzufordern.

Warten auf die Tests vom Montag

Wie es nun weitergeht, hängt vor allem vom Testergebnis am Montagnachmittag ab. Nicht alle aktuell 46 Kinder, sondern nur jene, die auch in der Einrichtung waren, wurden getestet. Beim Personal will Leiterin Martina Böse allerdings Klarheit und hat angeordnet, dass alle einen Test machen.

Falls in diesen beiden Reihen ein positiver Fall auftritt, müsse man weitere Tests in die jeweiligen Familien ausdehnen, war am Montag zu erfahren. Das Einzugsgebiet des Kindergarten geht deutlich über Sitzendorf hinaus und liegt außer im Mittleren Schwarza- auch im Sorbitztal. Erst dann würden gegebenenfalls weitere Quarantänen für Eltern angeordnet, die am Montag zunächst noch nicht davon betroffen waren.

Trennung von Schule und Kindergarten

Besorgnis hatte zunächst auch der Umstand ausgelöst, dass der Kindergarten sich mit der Grundschule ein Gebäude teilt. In der war aber wegen der noch bis Ende Oktober andauernden Herbstferien kein Betrieb, und auch der Hort hatte geschlossen.

Ohnehin haben die beiden Einrichtungen in diesem Jahr einen Kurs der verstärkten Abschottung gesteuert und das Schulprojekt, bei dem es eigentlich um einen gleitenden Übergang vom Kindergarten in die Schule gehen soll, auf Eis gelegt.

Stattdessen wurden die Pandemieregeln mit den baulichen Voraussetzungen zu einem individuellen Hygienekonzept verbunden, das eine weitgehende Trennung von Schule und Kindergarten durchsetzt. Nur im Brandfall würden alle im Haus auf einem gemeinsamen Fluchtweg nach draußen gelangen.

Martina Böse und ihr Team haben gute Erfahrungen damit gemacht, verschiedene Routinen, die sich im Frühling bewährt hatten, beizubehalten. Dazu gehört auch, dass bis heute die Eltern die Einrichtung noch nicht wieder selbst betreten, sondern die Kinder am Eingang übergeben.

Kindern fallen Hygiene-Routinen nicht schwer

„Auch die Kinder haben die Vorkehrungen längst verinnerlicht und passen erstaunlich gut darauf auf, dass alle die Regeln beherzigen”, widerspricht sie gängigen Klischees, Kindern könne man schlechter zu hygienischem Verhalten bewegen.

Offen ist zur Stunde auch, wann und wie es mit der Betreuung der Kinder weitergeht, die letzte Woche nicht im Kindergarten waren. Abgewartet werden müsse dafür zunächst das Testergebnis beim Personal.

Auch für eine mögliche eingeschränkte Betreuung, etwa dadurch, dass die allgemeine Infektionslage im Landkreis Schwellenwerte überschreitet, hat man im „Weltentdecker”-Haus durchaus in der Schublade. „Wir müssten dann die zuletzt im Außengelände gelockerte Begegnung der Kindergarten-Gruppen untereinander wieder weitgehend unterbinden. Das kann sogar soweit gehen, dass die Ausgänge in den Wald oder ins Dorf zeitlich und räumlich für eine Trennung sorgen,” sagt Martina Böse.