Königseer macht Hoffnung auf Neustart im “Grünen Grund”

Königsee.  Dachdeckermeister Marco Globke will in dem zuletzt akut vom Verfall betroffenen Haus seinen Firmensitz unterbringen

Das einstige Gasthaus zum grünen Grund in Königsee hat in Dachdeckermeister Marco Globke einen neuen Eigentümer, der es vor dem Verfall retten und hier seinen Firmensitz einrichten will.

Das einstige Gasthaus zum grünen Grund in Königsee hat in Dachdeckermeister Marco Globke einen neuen Eigentümer, der es vor dem Verfall retten und hier seinen Firmensitz einrichten will.

Foto: Henry Trefz

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Schandflecken werden sie oft genannt, die alten Häuser, um die sich keiner, auch kein Eigentümer mehr kümmert. Und auch wenn der Begriff inflationär auch für x-beliebige Dreckecken oder ungemähte Rasenstücke herhalten muss und die vermeintliche Schande in die Nahe einer Übersprungshandlung reicht - alle sind froh, wenn ein Haus, dem womöglich bald der Abriss droht, plötzlich doch vor dem Untergang gerettet wird.

In Königsee ist inzwischen der nächste Pluspunkt in der zum Neujahrsempfang aufgerufenen Generalstrategie zu verzeichnen. Er liegt in einer Kurve zwischen Königsee und Köditz und hieß einst Gasthaus zum grünen Grund. Und es war nicht irgendeine Kneipe, sogar der einstige SV Thuringia Königsee soll sich hier gegründet haben.

Gründungslokal des SV Thuriniga Königsee

Hobbyheimatforscher wie Gert Hertel haben die historischen Ansichten des Gebäudes jederzeit parat, das den alten Glanz erkennen lässt. Doch seit rund 15 Jahren zeigte die Lebenskurve für dieses Haus stetig nach unten. Zwar war schon seit dem letzten Weltkrieg der ursprünglich gastronomische Zweck in den Hintergrund getreten, doch Wohnungen und eine Autowerkstatt hielten das Gebäude wenigstens belebt. Dann aber verkaufte die Stadt als Eigentümer das Gebäude an einen Interessenten aus Neustadt/Orla. Welche Pläne dieser genau verfolgte, blieb lange dessen Privatsache. Öffentlich erkennbar aber war der fortschreitende äußerliche Verfall, auf der Seite zur Stadt hin begann das Dach den Weg alles irdischen.

Ex-Eigentümer ohne sichtbare Ambitionen

Dem Königseer Dachdecker Marco Globke, seit Herbst 2017 auch Meister seines Fachs, der für seine Werkstatt in der Stadt seit längerem Räume gemietet hat, tat der Anblick in der Seele weh, nicht nur, wenn er vorbeifuhr. “Doch ich habe einfach keinen Kontakt bekommen!” beschreibt er seine Initiative. “Da kann die Stadt wirklich gern helfen”, ergänzt sein Namensvetter Marco Waschkowski, seit Mai 2019 Stadtoberhaupt, der sich jetzt zu einem Baustellenbesuch in dem Gebäude angesagt hatte. Druck will er es nicht nennen, was in dem Brief der Stadtverwaltung stand, aber die Pflichten eines Eigentümers etwa bei der Gefahrenabwehr, waren schon deutlich formuliert. Auch bei den Behörden waren Argumentationen gefragt, immerhin liegt das Grundstück streng genommen im Außenbereich, wo eine Erhaltung möglich ist, ein Neubau aber nicht.

“Der Verkauf ging dann Ende 2019 über die Bühne, da darf es nicht mehr fünf sondern höchstens noch eine halbe Minute vor 12 für das Haus”, berichten die Männer, die an diesem Morgen in dem fast leeren, früheren Gaststättensaal stehen. Fast leer, denn obwohl Marco Globke mehrere Fuhren Elektroschrott zum Wertstoffhof gefahren hat, gibt es noch einige skurrile Hinterlassenschaften wie etwa sechs alte Taxameter (“Die sind noch auf Mark eingestellt!”), eine halbe Wand voll Stapelbriketts oder ein Dutzend Rasenwaben für Autostellplätze liegen umher. Und jede Menge Altholz aus den Geschossdecken.

Wasser lief durchs Dach und alle Geschossdecken

Beim Rundgang bietet sich ein für den Laien furchterregender Anblick von von und von unten durch große offene Löcher in Decken oder Böden.“Schlimmer kann es nicht mehr werden”, sagt Marco Globke mit Galgenhumor. Denn er hat mit seinen Männern das Dach inzwischen dicht, so dass keine Feuchtigkeit mehr nachkommt. Die ungedämmten Geschossdecken hatten es besser, da lief das Wasser gleich durch, die, in denen es Schüttdämmungen gab, sind dadurch viel nachhaltiger durchfeuchtet.

Wie es im Erdgeschoss weitergeht, dafür hat Marco Globke schon konkrete Pläne: Der Zugang zum Saal, in dem sich Lager und Werkstatt konzentrieren werden wird ein oder zwei Rolltore bekommen. Büro und Aufenthaltsraum kommen nebenan hin. Wie es im Obergeschoss weitergeht, ist hingegen noch offen, das soll sich ergeben. Ohnehin will die Globke-Truppe vieles davon allein schaffen, doch müsse man man nebenher auch noch Geld verdienen. Apropos: um die 200.000 Euro, so schätzt der Chef den Materialaufwand grob ein, ein Antrag auf Fördermittel ist gestellt, 50 Prozent sind möglich.

Jugend baut Schuppe zur Schrauberwerkstatt aus

Dass es auf dem Gelände noch mehr zu entdecken gibt, hat auch den Nachwuchs inspiriert. in dem Fachwerkbau zwischen Berghang und Haupthaus wollen sie sich eine Schrauberbude einrichten und legen selbst dafür Hand an. “Die sind hier und da schon weiter als wir”, sagt der Vater in einer Mischung aus etwas Neid und viel Respekt. Und zeigt zum Schluss nicht nur auf den hauseigenen Brunnen sondern auch eine fast zehn Meter tiefe Höhle in den Berg. „Mal sehen, was wir damit anfangen“, lässt er ein bisschen Platz für Zukunftsträume.

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