Klingbeil beim FC Carl Zeiss Jena: Jeder Spieler hat neue Chance

Jena.  Während René Klingbeil den FC Carl Zeiss auf das Zwickau-Spiel vorbereitet, läuft das Trainercasting. Einer wird es garantiert nicht.

Auf in eine neue Zukunft: Interimstrainer René Klingbeil (vorn) bittet die Mannschaft, deren Stimmung gelöst ist, auf den Trainingsplatz.

Auf in eine neue Zukunft: Interimstrainer René Klingbeil (vorn) bittet die Mannschaft, deren Stimmung gelöst ist, auf den Trainingsplatz.

Foto: Tino Zippel

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Als sich um 11.10 Uhr die Tür zu den Katakomben im Jenaer Stadion öffnet, geht René Klingbeil voran. In schwarzer Trainingsjacke führt er den großen Tross Spieler zum Trainingsplatz, der schon mit bunten Stangen präpariert ist. Hier will er in seiner ersten Einheit als Interimscoach des FC Carl Zeiss Passübungen trainieren.

Die Entlassung von Rico Schmitt am Mittwoch spielt in Klingbeils Gedanken keine große Rolle. Natürlich sei es immer unschön, wenn ein Trainer geht. „Aber die Vereinsführung hat es so entschieden, das akzeptieren wir auch. Es bringt nichts zurückzublicken, wir müssen jetzt nach vorne schauen“, sagt der gebürtige Berliner, der in Lößnitz im Erzgebirge wohnt. Der freie Tag am Donnerstag nach der Entscheidung sei für die Mannschaft und ihn wichtig gewesen. Am Vormittag habe er die Sache verarbeitet, einen größeren Spaziergang mit den Hunden gemacht. Ab Mittag hat er schon den Gegner vom Montag, den FSV Zwickau, analysiert, sich Videos der Sachsen, die er bestens kennt, angeschaut.

Einst selbst von Trainerwechsel profitiert

Das Fokussieren auf die Arbeit helfe in solchen Situationen, hat Klingbeil in seiner Karriere als Spieler gelernt. „Als ich 23 war, da ist mir etwas Ähnliches passiert.“ Beim Hamburger SV kickte er für die Amateure, als sein Trainer Thomas Doll die Bundesliga-Mannschaft übernehmen musste. Eine Woche später spielte auch Klingbeil statt vor 80 vor 80.000 Zuschauern – gegen Borussia Dortmund. „Damals habe ich mich auch in die Arbeit gestürzt, das hilft.“

Klingbeil leitet erstes Training beim FC Carl Zeiss Jena

Und Arbeit, die gibt es genug, sagt er. Bei der Mannschaft, die es ihm sehr leicht gemacht habe, setzt er alles auf Anfang. „Jeder hat die Chance zu spielen. Und jeder will sich zeigen.“ In Sachen Taktik will sich Klingbeil noch nicht festlegen. „Wir haben ja noch zwei Trainingseinheiten.“ Einen Anhaltspunkt für die Grundausrichtung im Heimspiel gegen den „wuchtigen“ FSV gibt vielleicht das Wissen, auf welcher Position er früher spielte – in der Abwehr. „Ich würde mich freuen, wenn wir mal ohne Gegentor bestehen“. Verteidiger-Oldie Aytac Sulu, der wie er im Zenit seiner Karriere zu den Thüringern gewechselt ist, traut er einen Platz in der Start­formation gegen Zwickau zu.

Ein Bewerber bereits in der Endrunde

Derweil ist Geschäftsführer Chris Förster auf der Suche nach einer langfristigen Lösung in Sachen Cheftrainer. Drei Spiele darf Klingbeil, der dann wieder Co-Trainer werden soll, die Mannschaft allein betreuen. Gesucht wird einer, der junge Spieler entwickeln kann, für modernen Fußball steht und teamfähig ist. Aus den zahlreichen Bewerbern werde man sich auf „drei, vier Kandidaten konzentrieren“. Einer habe es auch schon in die Endrunde geschafft, sagt Förster, der natürlich keine Namen nennen will. Einer der Favoriten bei der Trainersuche im Oktober, Timo Rost, zählt diesmal aber definitiv nicht zu den Kandidaten.

Auch Klingbeil wird in die Suche involviert. Schließlich müssen er und der neue Trainer ein Team bilden. „Irgendwann“, sagt er, will er dann die fehlenden Lizenzen und den Fußballlehrer-Schein nachholen, schließlich „ist die Fußballarbeit die schönste Sache der Welt“.

Auf dem Platz ist Klingbeil ein Mann klarer Worte, so auch beim ersten Training als Chef. Nach 80 Minuten schickt er das Team wieder in die Kabine. Jetzt gilt die volle Konzentration Zwickau.

FC Carl Zeiss Jena – FSV Zwickau, Montag 19 Uhr im Ernst-Abbe-Sportfeld

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