Meine Meinung: Das Kartell der Macht – oder was Vernunft in der 3. Liga verhindert

Der DFB ist im Begriff, in der 3. Liga Schaden über das Wirtschaftliche hinaus zu verursachen. Er zerstört jede Hoffnung auf einen fairen Wettbewerb - bekommt er noch rechtzeitig die Kurve?

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Hat der Deutsche Fußball-Bund ein Gewissen? Wenn es ums Geld geht, dann nicht! Keinen anderen Schluss lassen die vergangenen Wochen zu: In einer einmaligen Pandemie-Situation agiert der Verband kaltherzig, unsolidarisch, gierig. Und ohne Skrupel. Auf einen wohlinszenierten Brief, in dem acht Vereine – übrigens eine Minderheit – einen einstimmigen politischen Beschluss von Bund und Ländern umdeuten, folgt die Pistole auf die Brust: Überrede dein Bundesland, dem Fußball eine Sonderrolle zu gewähren, oder suche dir woanders Asyl. Auf deine Kosten selbstverständlich. Die Saisonfortsetzung mindert so keine Schäden, sie macht Schaden – über das Wirtschaftliche hinaus!

Der DFB schädigt die Marke „3. Liga“, die ihm doch so wichtig ist. Fairness steht hintenan. Einige Vereine schwadronieren von einer sportlichen Lösung, aber dürfen selbst schon wochenlang trainieren und sich einen Vorteil erarbeiten. Wie soll so noch ein gerechter Wettbewerb stattfinden?

Stattdessen titulieren die Vereine mit moralischen Vorwürfen jene Klubs als „Verweigerer“, deren Bundesländer berechtigt Vorsicht in der Corona-Pandemie walten lassen. Gerade diese Vorsicht hat Deutschland vor einer Katastrophe wie in Italien bewahrt! Aber gut, nicht jeder versteht, was ein Vorsorgeparadox ist. Und nicht jeder kennt liebe Mitmenschen persönlich, die schwer unter einer Covid-19-Erkrankung gelitten haben.

Natürlich hat der FC Carl Zeiss Jena die Last einer bislang miserablen Saison zu tragen. Und natürlich berechtigen die bislang gezeigten Leistungen nicht, auch nächste Saison in der dritten Liga zu spielen. Das vergangene Spieljahr lehrt aber, dass mit einem famosen Schlussspurt selbst der Klassenerhalt noch möglich ist, wenn keiner mehr daran glaubt. Also selbst zum jetzigen Zeitpunkt. Ohne Mannschaftstraining elf Spiele in einem Monat zu absolvieren, sind allerdings Umstände, die einen solchen Kraftakt unmöglich machen. Muss das nicht in der Bewertung berücksichtigt werden?

Der DFB bügelt Vorschläge vom Tisch, die Liga aufzustocken. Wegen der hohen Spielzahl in der kommenden Saison. Doch wer fragt jetzt, wenn elf Spiele in einem Monat anstehen? Pragmatische Lösungen sind gefragt. In der zweiten Frauen-Bundesliga soll beispielsweise der Abstieg ausgesetzt werden, weil noch kein Team definitiv abgestiegen ist. Genauso bei den Junioren. Warum gilt das nicht im Männerfußball?

Die Mehrheitsverhältnisse beim DFB-Bundestag erlauben es dem DFB-Vorstand, gemeinsam mit dem Ligaverband alle Entscheidungen durchzudrücken, wenn sie nur auch den bayerischen Verband mit DFB-Vize Rainer Koch auf ihre Seite ziehen. Die Interessenlagen sind gut verwoben, haben doch gerade vier bayerische Vereine Chancen, in die lukrative zweite Bundesliga aufzusteigen. Die Struktur gegenseitiger Abhängigkeiten erinnert an ein Kartell. Ostdeutsche Landesverbände haben dort – Moment – nichts zu melden. Das sind die Realitäten 2020.

Bleibt das wichtigste, die Gesundheit. Fußballfunktionäre gehen gewissenlos mit den Fußballern um, die Menschen und keine Maschinen sind. In der dritten Liga verdienen die Sportler bei weitem keine Millionengehälter, die sie auf Dauer absichern. Wo bleibt der Arbeitsschutz, wenn sie ohne mehrwöchiges Mannschaftstraining in englische Wochen einsteigen sollen? Das gleicht einem Himmelfahrtskommando. Apropos Himmelfahrt: Vielleicht hilft der Feiertag, zur Besinnung zu kommen! Noch ist es nicht zu spät, das Ansehen des Fußballs zu retten.

Der DFB sollte den Druck aus der Debatte nehmen, um eine Lösung zu finden, mit der alle Vereine leben können. Dazu braucht es Kommunikation, nicht Konfrontation. Und ein Blick in den eigenen Ethik-Kodex hilft.

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