Nicht erst seit seinem Vortrag in Hamburg weiß Frank Spangenberg um das deutschlandweite Interesse am Projekt seines Unternehmens. „Wir senden Signale aus Mühlhausen nach ganz Deutschland, und die Nachfrage aus der Branche bestätigt unseren Kurs“, sagt der Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft Mühlhausen.
Rund 1660 Plattenbauwohnungen des Gebäudetyps WBR 85 befinden sich im Bestand des Unternehmens. Daher habe man im Jahr 2022 gezielt mit der Digitalisierung dieser Wohnungen im Quartier „Martinivorstadt“ in Mühlhausen begonnen, erinnert sich der Firmenchef.
Das eigens entwickelte Wohnungswirtschaftsmodell „Wowimodell“ ermögliche fortgeschrittene Quartiersanalysen und Simulationen, einschließlich eines Kohlendioxidmonitorings, die zur kommunalen Wärme- und Energieplanung beitragen.
Virtuelle Gebäudemodell als Datenbasis
„Schrittweise haben wir die Erkenntnisse aus diesem ersten Teilprojekt schließlich inzwischen auf nahezu unseren gesamten Gebäudebestand ausgeweitet“, so Spangenberg. Dabei nutze man ein virtuelles Gebäudemodell – einen digitalen Zwilling – als zentrale Datenbasis. So gelinge es, die verschiedenen Prozesse und Anwendungen im Bereich des Gebäudemanagements zu verknüpfen.
Die Skalierbarkeit und Anpassungsfähigkeit des Modells erlaube es, sowohl einzelne Gebäude, als auch ganz Wohnquartiere – unabhängig von deren Größe und Komplexität – effizient zu verwalten. „Die Ressourcennutzung wird dadurch wesentlich effizienter möglich, und das Modell bietet eine verlässliche Grundlage für die serielle Sanierung von Wohnraum und eine stabile Kreislaufwirtschaft“, ist Spangenberg überzeugt.
Erhebliche Kostensenkung bei Sanierungen
Die Anerkennungen für das Mühlhäuser Projekt ließen denn auch nicht lange auf sich warten, im Vorjahr wurde das Unternehmen als Digitalpionier der Wohnungswirtschaft gewürdigt. Seither reißen die Anfragen aus anderen Kommunen nicht mehr ab, berichtet Spangenberg.
Kein Wunder, hat doch die Anwendung des Modells bei Sanierungs- und Rückbauvorhaben der Firma zu einer Senkung der Kosten um nahezu ein Viertel geführt und zudem die Emissionen in erheblichem Maße verringert. Die Grundlagen dafür hat man während des Projektes Digitale Stadt gelegt und dann eigenverantwortlich weiterentwickelt, bestätigt Spangenberg.
Das „Wowimodell“ habe sich als erfolgreich erwiesen, weil es gezielt die Interessen der Branche anspricht und Lösungen bietet, die ökonomisch und ökologisch nachhaltig sind, so der Unternehmer. Das Mühlhäuser Modell könne ein zentraler Baustein für die zukunftsfähige Entwicklung urbaner Lebensräume sein.



