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Journalistin bei Lanz: Scholz’ Panzer-Taktik "sensationell"

Rebecca Baden
| Lesedauer: 5 Minuten
Rheinmetall könnte Ukraine insgesamt 139 Leopard-Panzer liefern

Rheinmetall könnte Ukraine insgesamt 139 Leopard-Panzer liefern

Der Rüstungskonzern Rheinmetall könnte der Ukraine nach Angaben eines Sprechers insgesamt 139 Leopard-Panzer der Typen 1 und 2 liefern. 29 Leopard 2A4, die für Ringtausch-Projekte in Arbeit seien, könnten laut eines Unternehmenssprecher bereits im April oder Mai dieses Jahres bereitstehen.

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Berlin.  Nach dem Panzer-Gerangel stellt Lanz die Kommunikation des Kanzlers infrage. Doch eine Journalistin teilt eine überraschende Vermutung.

Die monatelangen Diskussionen und Polit-Talks um die deutsche Panzer-Lieferung dürften ihr Ende erreicht haben: Deutschland will Berichten zufolge nun doch "Leoparden" an die Ukraine liefern.

Das soll Bundeskanzler Olaf Scholz(SPD) entschieden haben, nachdem die USA ihrerseits Panzer in das Kriegsland schicken wollen. Erleichterung über die Entscheidung gibt es am Dienstagabend bei "Markus Lanz" dennoch nicht – vor allem deshalb, weil der Kanzler offenbar nicht einmal seine eigenen Leute eingeweiht hat.

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste:

  • Michael Roth, SPD-Politiker
  • Christian Mölling, Sicherheitsexperte
  • Ulrike Herrmann, "taz"-Journalistin
  • Dmitry Glukhovsky, Autor

Warum es überhaupt so lange gedauert hat, bis eine Kanzler-Entscheidung zu den "Leopard 2"-Panzern fiel, darüber lässt sich derzeit nur mutmaßen. Bei Lanz allerdings herrschen dazu im Prinzip zwei Meinungen.

Während der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth und die Journalistin Ulrike Herrmann strategische Gründe hinter Scholz’ Zurückhaltung vermuten, kritisiert der Politikwissenschaftler Christian Mölling die undurchsichtige Kommunikation.

Besonders brisant: Ausgerechnet Scholz’ Parteikollege Roth, der sich als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses erst am Montag mit dem Kanzler zu dem Thema beraten hatte, war in die Pläne offenbar nicht eingeweiht. "Ich habe etwas gespürt", schmunzelt Roth vielsagend.

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Tatsächlich gibt er wenige Sätze später zu, man habe sich beim Treffen noch "in einem Diskussionsprozess befunden." Der Kanzler scheint sich also nicht einmal von seinen eigenen Parteiverbündeten in die Karten schauen zu lassen.

Markus Lanz: Moderator kritisiert Bundeskanzler Scholz

Lanz wittert in der Offenbarung scheinbar einen kleinen Skandal: Wenn Scholz nicht einmal "gewillt" sei, die “eigenen Leute mitzunehmen" – wie solle er da das Vertrauen eines Landes gewinnen?

Da stimmt auch Mölling ein, wenn auch mit weniger Pathos als Lanz: "Es gehört zum Grundprinzip von Demokratie, dass man das, was man tut, begründet", erklärt der Sicherheitsexperte.

Besonders aufgrund der Bedeutung der Frage hätte er sich gewünscht, dass Scholz öffentlich Antworten liefere, so Mölling weiter. Und auch außenpolitisch werfe das Hin und Her der Bundesregierung kein gutes Licht auf deren Ansehen: Immerhin könnten Partnerländer nun befürchten, dass zukünftig jeder Entscheidung ein "Eiertanz" wie in der Panzerfrage vorangehe.

Panzer-Talk bei Lanz: "Das ist sensationell”

Doch was, wenn Scholz’ zurückhaltende Kommunikation gar kein Ergebnis fehlender Kompetenzen ist, sondern eine stoische politische Strategie? Diese These wirft die Journalistin Ulrike Herrmann in die Runde: Ihrer Vermutung nach habe Scholz mit eben jener Hinhaltetaktik erreichen wollen, dass die USA ebenfalls Panzer liefern und am Ende verschiedene Panzertypen in die Ukraine gehen.

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Deutschland habe keinen Alleingang gewollt, doch Scholz hätte sein Ziel nicht erreicht, wenn er alle eingeweiht hätte, so Herrmann. "Das Ergebnis von der Scholz-Diplomatie ist, dass in der Ukraine jetzt viel mehr Waffen sind, als wenn Deutschland sofort geliefert hätte", erklärt sie. "Das ist sensationell."

Bei Lanz: Merkwürdiges USA-Lob der SPD

Stichwort USA: Für den vielleicht merkwürdigsten Moment des Abends sorgt SPD-Politiker Roth, als er die Vereinten Staaten in höchsten Tönen lobt. "Ohne die USA hätte die Ukraine längst verloren", sagt er im Hinblick auf vorangegangene militärische Lieferungen. "Ohne die USA stünden wir blank.”

Da stimmt auch Herrmann zu, merkt aber genau wie Mölling an, dass die USA mehr Geld in ihre Militärausrüstung investieren als die letzten deutschen Regierungen. Roth allerdings scheint nun besonders auf emotionaler Ebene zu argumentieren: Er sei den USA dankbar dafür, dass sie sich für Europa verantwortlich fühlen, sagt er. Dann hebt er dramatisch beide Hände hoch: "Danke, Präsident Biden.”

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Allein Mölling scheint sich in diesem Moment daran zu erinnern, dass auch die USA als imperialistische Großmacht nicht der beste Verhandlungspartner sind. Die Amerikaner seien im Sommer “zutiefst genervt" von Deutschland gewesen und hätten Druck auf die Bundesregierung ausgeübt. Dass diese nun eher auf Zuruf der USA handelt als auf Drängen der europäischen Partner, sende ein Signal an diese. "Deswegen verlieren wir ja Staaten wie Polen", resümiert er.

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Lanz: Panzer-Lieferung macht Kreml nervös

Das Schlusswort erhält an diesem Abend aber keiner der deutschen Gäste, sondern der russische Autor Dmitry Glukhovsky. Als Kriegsgegner lebt er im Exil, im September erklärte ihn das russische Regime zum ausländischen Agenten. Seine Bücher dürfen nur noch unter strengen Vorlagen in seiner Heimat verkauft werden.

Glukhovsky sagt, die Panzer-Lieferung mache die russische Regierung nervös. Aber er warnt auch: "Putin stellt es nun so darf, als würde die Mehrheit den Krieg letztendlich doch unterstützen." Das liege auch an einem Propagandawechsel: So werde der Krieg gegen die Ukraine nun nicht mehr als "Spezialoperation" dargestellt, sondern als Widerstand Russlands gegen den vermeintlich zerstörerischen Westen. Und das klingt in Anbetracht möglicher Offensiven im Frühling mindestens beunruhigend.

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