Zu einem Leserbrief zum Plagiatsvorwurf gegen Mario Voigt vom 4. Februar:

Die Aussage, dass eine Hochschule vor 18 Jahren eine Doktorarbeit nicht richtig geprüft hat, wenn sie heute den Doktortitel nach Plagiatsprüfungen wieder aberkennt, ist für mich vorschnell und ungerechtfertigt. Der Doktorand bestätigt mit seiner Eigenständigkeitserklärung, dass er sozusagen kein geistiges Eigentum anderer gestohlen hat. Die Universität muss in aller erster Linie darauf vertrauen. 
Dissertationen haben 200 bis 400 Seiten mit hunderten Quellen und jede einzelne auf Originalität zu prüfen, ist personell und zeitlich unmöglich. Automatische Plagiats-Checks erfolgen dennoch. Oftmals entdecken Forschende oder auch so genannte Plagiatsjäger erst nach vielen Jahren den Missbrauch. Es brauchen aber deshalb langjährige Doktoren keine Furcht vor Entzug ihres Titels zu haben, wenn sie ihre Arbeit nach Recht und Gesetz verfasst und eingereicht haben.
Betrug ist in jedem Fall zu ahnden, wo kämen wir sonst hin?
Peter Fuhrmann, Mühlhausen

Zum Beitrag „Von Bafög kann man nicht leben“ vom 2. Februar:

In der viel geschmähten DDR erhielten die Direktstudentinnen und -studenten von Hoch- und Fach(hoch)schulen mit Beginn ihres Studiums ohne bürokratischen Aufwand ein Stipendium. Seine Höhe erlaubte kein Luxusleben, sicherte aber die Existenz -- und es musste nicht zurückgezahlt werden. Die Preise in der Mensa und die Mieten im Wohnheim waren niedrig. Fahrkarten waren ermäßigt, Studiengebühren mussten nicht gezahlt werden. Die Studierenden waren nicht gezwungen, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten, sondern konnten sich auf ihr Studium konzentrieren. Noch in den 1960er Jahren erhielten Arbeiter- und Bauernkinder ein höheres Stipendium als die Kinder von Angestellten und Intellektuellen, wobei Arbeiter nicht selten ein höheres Entgelt als Angestellte bekamen. Ursprünglich erhielten die Kinder von Eltern mit hohem Einkommen kein Stipendium. In den 1980er Jahren bekamen alle Studierenden ein einheitliches Stipendium mit der Begründung, dass die Entscheidung für ein Studium nicht vom Wohlwollen der Eltern abhängig sein sollte. Wer besonders gut war, bekam noch ein Leistungsstipendium. Allerdings mussten zum Beispiel Lehrerstudenten nach erfolgreichem Studienabschluss für eine begrenzte Zeit an der Schule arbeiten, wo Lehrerbedarf bestand. Obwohl Bildungsgerechtigkeit ein komplexes Thema ist, drängt sich die Frage auf: Wo ist oder war man diesbezüglich weiter - damals in der armen DDR oder heute in der reichen BRD?
Hans-Jürgen Hätzold, Erfurt

Fehlerhafte Bafög-Überweisung
Das sogenannte Bafög soll jungen Leuten beim Studieren helfen. Doch es bekommen nicht alle.© DPA Images | Hendrik Schmidt

Weitere Lesermeinungen

Zum Leitartikel „Noch nicht ausgestanden“ vom 5. Februar und einem Leserbrief dazu vom 11. Februar:

Die Brandmauer ist unerlässlich! Die Brandmauer ist eine demokratische Form der Abgrenzung. Eine „politische Auseinandersetzung im parlamentarischen Raum“ findet statt. Und da gehört sie hin. Wie viele dachten, dass Hitler sich im Staatsamt vom Demagogen zum Politiker entwickeln würde. Dem war nicht so. Und wer die Parteiprogramme der AfD für Thüringen und etwa Sachsen-Anhalt liest und Höcke hört, der kann hinterher nicht sagen: Ich habe nichts gewusst. 
Dr. Annegret Nickel-Gemmeke, Weimar

Zum Beitrag „Wirtschaftsrat: Kassen- und Sozialleistungen streichen“ vom 2. Februar:

Den Konzernlenkern und Millionären im Land geht es so schlecht! Weil wir uns zu viel Lifestyle gönnen, so wenig arbeiten, uns zu oft krankschreiben lassen und unsere psychischen Belastungen theatralisch zur Schau tragen, anstatt sie brav zu unterdrücken. Es geht schließlich um die Wirtschaft, das Wachstum, den Wettbewerb! Wir schaffen zwar immer größere Werte und werden immer effektiver, aber diese Wertschöpfung braucht es schließlich, um das Finanzkapital weiter um die Welt jagen zu können. Steuerfrei versteht sich.
Bis zum nächsten Crash, aber es gibt eben immer auch mal Pechsträhnen im Leben. Die Zeit der Vollkaskomentalität, sie ist vorbei, sagen der Kanzler und sein christlich-demokratischer Wirtschaftsrat. Schaut mal zu Amazon oder zu Zalando in Erfurt, da wisst ihr, wie vergleichsweise gut es uns doch geht! Dabei etwas zu tun ist gar nicht so schwer. Bald stehen bundesweit Betriebsratswahlen an. Beispielsweise.
Matthias Altmann, Weimar

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