Als sich die Säulendiagramme in die Höhe schrauben, gibt es nach kurzem Zögern im Erfurter Zughafen bei der Wahlparty der Thüringer Linken kein Halten mehr. Die Linke kommt der ersten Prognose nach bei der Bundestagswahl auf neun Prozent. „Ihr seid der Wahnsinn. Ihr alle seid dieser Erfolg“, ruft die Landesvorsitzende Ulrike Grosse-Röthig den jubelnden Anhängern und Parteifreunden zu.
Der Saal skandiert lautstark „Bodo, Bodo, Bodo ...“
Dann bekommt Spitzenkandidat Bodo Ramelow einen Blumenstrauß. Der Saal skandiert lautstark „Bodo, Bodo, Bodo ...“ Der Linke ist sichtlich ergriffen. Es sei erst einige Monate her, dass man hier einen schweren Abend erlebt habe. Damals, als die ersten Ergebnisse der Landtagswahl verkündet wurden, wollte Ramelow den den Moment des Absturzes seiner Partei nicht öffentlich verbringen.

Der Ministerpräsident, dessen rot-rot-grüne Koalition deutlich abgewählt wurde, saß mit Vertrauten in einem Landtagsbüro. Es herrschte eine beinahe gespenstische Ruhe. In der Zwischenzeit ist sehr viel passiert. Ramelow freut sich nach dem Debakel vom September über „die Aufbruchstimmung, die wir gemeinsam erzeugen konnten und die Herzen, die uns zugeflogen sind“.
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Historische Schlappe für die SPD und Bundeskanzler Olaf Scholz
Vier Jahre zuvor, am 26. September 2021, jubelten um 18.01 Uhr in der Location nahe des Erfurter Hauptbahnhofs noch Thüringer Sozialdemokraten. Die treffen sich dieses Mal in einem Irish Pub und haben keinen Grund zur Freude: Es ist eine historische Schlappe für die SPD und Bundeskanzler Olaf Scholz.
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Bei der Linken wird die ausgelassene Stimmung an diesem Abend lediglich durch das Abschneiden der AfD getrübt. Sie zieht als zweitstärkste Kraft in den Bundestag ein, hat ihr Ergebnis der vorhergehenden Wahl in etwa verdoppelt. In Thüringen holt die Partei, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird, sogar mit Abstand die meisten Stimmen.
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Vor drei Monaten galt die Linke noch als Auslaufmodell
Ramelow indes erinnert daran, dass vor drei Monaten noch viele gedacht hätten, die Linke sei ein Auslaufmodell, aber das Gegenteil sei der Fall. An die Adresse von Unionsspitzenkandidat Friedrich Merz sagt der Linke deutlich: „Wie kann man so Bundeskanzler werden wollen, in dem man wieder von der ersten Sekunde an zeigt: Man tritt nach unten.“ So dürfe man nicht mit Menschen, mit Geflüchteten, mit der Gesellschaft umgehen. Das sei unwürdig.
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„Es geht darum, dass wir den Mund aufmachen und über bezahlbare Mieten reden“, sagt Ramelow, der nicht nur wieder im Bundestag sitzen, sondern auch das Direktmandat in Erfurt gewinnen wird. Es gehe um Infrastruktur für alle und soziale Gerechtigkeit insgesamt.
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Bei aller Euphorie gilt es jetzt einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht zu überziehen
Selten habe er so viel Spaß mit seiner Partei gehabt, wie in den vergangenen Wochen, meint ein langjähriges Linken-Mitglied. Er rate aber allen, jetzt einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht vor lauter Euphorie zu überziehen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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„Krass Leute und einfach danke!“ Es gebe eine starke Linke im Bundestag. „Wir sind zurück, stärker als zuvor“, schreibt Linke-Co-Landeschef Christian Schaft bei X.
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