Griechenland

Flucht vor Inflation: Kaufrausch bei griechischen Immobilien

Miguel Sanches
| Lesedauer: 3 Minuten
Habeck rechnet 2023 mit Inflation von sieben Prozent

Habeck rechnet 2023 mit Inflation von sieben Prozent

Die Bundesregierung rechnet auch im kommenden Jahr mit weiter stark steigenden Preisen. Wegen der erwartbar weiterhin hohen Energiepreise sei trotz Gaspreisbremse von einer Inflationsrate von acht Prozent in diesem und sieben Prozent im Jahr 2023 auszugehen, erklärte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Berlin.

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Berlin.  Mehr Kaufkraft, Steueranreize, günstige Baukosten: Warum Deutsche halb Griechenland aufkaufen - ein Unsicherheitsfaktor wird übersehen.

Immer mehr Deutsche kaufen Grundstücke, Wohnungen oder Villen in Griechenland. Wie die Tageszeitung „Kathimerini“ berichtet, haben sie auf dem Immobilienmarkt längst die Chinesen vom ersten Platz verdrängt. Mehr als 200 Makler bieten über das Branchenportal „Ferimmo“ gut 40.000 Objekte gezielt Interessenten aus dem deutschsprachigen Raum an.

Warum Griechenland? Weil es schön ist. Und warm. Und billiger als Deutschland. Für einen Euro kann man sich etwa 20 bis 25 Prozent mehr leisten. Die höhere Kaufkraft ist angesichts der Inflation ein echtes Plus.

Flucht vor Inflation: Griechischer Immobilienmarkt in deutscher Hand

Ob der steigenden Kosten für Öl, Gas und Wärme ist ein Winterasyl in der Ägäis eine Alternative, zumindest für Rentner und digitale Nomaden im Home-Office-Modus. In Griechenland ist der Winter mild – auf Rhodos, Kos oder Kreta fallen die Tagestemperaturen selten unter 15 Grad – und kürzer. Die Zahl der kalten Tage schätzt Vasilis Kikilias auf 30 bis 40. Zugegeben, da redet einer in eigener Sache. Kikilias ist Tourismusminister.

Verlockend ist das Land vor allem für Menschen im Ruhestand. Alt werden, wo andere Urlaub machen, geht in Griechenland gut. Für Rentner aus dem Ausland gilt seit 2020 eine pauschale Steuer von sieben Prozent auf alle Einkünfte, auch auf Mieteinnahmen. Mehr Netto vom Brutto: In Punkto "Silver Economy" können wenige Staaten in der EU mithalten.

Flucht vor Inflation: Haus am Meer für 250.000 Euro

Hinzu kommt, dass sich die Reisekosten nur moderat verteuert haben. Die Kosten für Hin- und Rückflüge jetzt zum Jahresende sind im Vergleich zu 2019 lediglich um vier Prozent gestiegen, deutlich weniger als zum Beispiel für Spanien-Reisende. Lesen Sie auch: Rente im Ausland: Wo man im Alter Steuern sparen kann

Da wird verständlich, dass viele gleich eine Immobilie erwerben, zumal zu Preisen, die in München, Stuttgart, Frankfurt oder Berlin oft genug nur für ein Apartment ausreichen würden. Laut „Kathimerini“ kaufen Deutsche Einfamilienhäuser im Wert von 250.000 bis 400.000 Euro in traditionellen Touristenregionen wie auf der Halbinsel Peloponnes.

Zahlen der Zentralbank in Athen belegen: Die Investitionen von Ausländern in den griechischen Immobilienmarkt sind im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 61 Prozent auf rund 788 Millionen Euro gestiegen. Analysten schätzen die Zahl potenzieller Immobilienkäufer aus Deutschland auf über 250.000. Banken richteten sich darauf ein und akzeptierten die Immobilie selbst als Sicherheit für einen Kredit.

Flucht vor Inflation: Der Risikofaktor Türkei

Nur eines könnte den Boom noch trüben: die Instabilität. Die Spannungen zwischen den Nato-Partnern Griechenland und Türkei nehmen zu.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.