Viele Unternehmer in Thüringen stehen aus Altersgründen vor der Frage: Finde ich einen Nachfolger in der Familie, oder verkaufe ich mein Unternehmen? Die Deguma-Schütz GmbH aus Geisa (Wartburgkreis) zeigt, dass manche Erfolgsgeschichte eine zweite Chance braucht. Am Mittwoch erhält Geschäftsführerin Viktoria Schütz den Ernst-Abbe-Preis für innovatives Unternehmertum.
Die Deguma ist ein familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen, das sich auf den Maschinenbau für die Gummi- und Kunststoffverarbeitende Industrie spezialisiert hat. Nach der Gründung 1990 in Hessen siedelte die Firma 1995 nach Thüringen über.
Der erste Anlauf des Generationswechsels scheitert
Im Jahr 2013 startete Viktoria Schütz im elterlichen Unternehmen. Als Prokuristin war sie unter anderem für das Marketing zuständig. Doch schnell zeigte sich, dass sie nach verschiedenen Stationen im In- und Ausland nicht mehr so richtig in der Rhön angekommen war. „Die Zusammenarbeit mit meinem Vater war nicht leicht“, sagt die heute 40-Jährige. „Er hat viele Stärken, aber die Teamarbeit gehörte nicht dazu.“
Aufs Erste war der Generationswechsel gescheitert. Doch nach dem Tod ihrer Mutter trat Viktoria Schütz 2017 als Teilhaberin in den Betrieb ein. Erneut stellte sich die Frage nach der Zukunft. Unter der Bedingung, dass sich ihr Vater aus dem operativen Geschäft zurückzieht und sie weiterhin in Berlin lebt, übernahm sie zusammen mit Daniela Dingfelder die Geschäftsführung.
Neue Chefinnen fördern die Teamarbeit
Vor Ort ist Viktoria Schütz nur für ein bis zwei Wochen pro Monat. Die neue Unternehmensleitung übertrug den Fachteams mehr Verantwortung und förderte die Teamarbeit. „Die Komplexität der Anforderungen lässt es gar nicht mehr zu, dass eine Person alles entscheidet“, sagt sie. Die gestärkte Eigeninitiative habe zur Erweiterung des Maschinenportfolios und des Dienstleistungsangebots geführt.

Beim Veränderungsprozess hilft Viktoria Schütz, dass sie schon als Kind das Spannungsfeld zwischen Waldorfschule und Unternehmertum erlebt hat. „Das war eine große Herausforderung“, sagt sie heute. Kombiniert mit Auslandsaufenthalten falle es ihr nun aber leicht, andere Perspektiven einzunehmen. „Die Menschen in anderen Ländern kommen mit viel weniger zurecht und meckern nicht so viel wie die Deutschen“, sagt Schütz, die am liebsten beim kulturellen Angebot der Hauptstadt oder beim Yoga entspannt.
Vier-Tage-Woche bringt mehr Zufriedenheit
Deshalb beschwert sie sich auch nicht über die derzeitige Wirtschaftslage, die langfristiges Planen schwierig macht. Sie fährt mit ihrem Unternehmen mehr auf Sicht. Zugleich nutzt sie die Gelegenheit, eine moderne Arbeitswelt zu schaffen. Das Unternehmen testete die Vier-Tage-Woche und hielt daran fest. Das kommt bei der Belegschaft gut an, die nun einen Tag mehr pro Woche frei hat. Der Krankenstand sank, die Zufriedenheit stieg. Die gewonnene Zeit investieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Beispiel in die Pflege von Angehörigen oder in gesellschaftlich wichtige Ehrenämter.
Mit der modernen Organisation wollen die Geschäftsführerinnen Fachkräfte an das Unternehmen binden und attraktiv für neue Mitarbeiter werden. Ein generelles Umdenken müsse her: „Wenn wir keine Arbeitsbedingungen schaffen, in denen auch Männer flexibel sind, können wir die Kraft der Frauen nicht nutzen. Frauen haben die besseren Studienabschlüsse. Gehen sie in Teilzeit, ist das ein Riesenverlust für die Volkswirtschaft“, sagt die Preisträgerin, die am Mittwochabend in der Neuen Weimarhalle geehrt wird.
Nominiert für den Thüringer Innovationspreis:
- Industrie und Material:
• Schulz & Berger Luft- und Verfahrenstechnik Altenburg: Coanda-Sichter zur cleveren Sortierung
• Möve Mobility Katharinenberg: Besonders leichtes E-Bike
• IBU-tec Weimar: Neues Material für Energiespeicher - Digitales und Medien:
• Kuptec Ilmenau: Vermessung Kanalisation mit Diametrix
• Musealis Weimar: Cleveres Ausstellungssystem
• emsys Embedded Systems Ilmenau: Gerät zur Netzwerkanalyse - Licht und Leben:
• Synantik Luisenthal: Mikrowelle für Blut
• Fluidect Jena: Bakterien-Suche mit Licht
• DeepEn Jena: Tiefer Blick ins Gehirn aus Jena - Tradition und Zukunft:
• REHA aktiv 2000 Jena: Hilfe für ALS-Patienten
• Fliegl Fahrzeugbau Triptis: Spezialkupplung schützt Lkw-Fahrer
• Maro Coffee Engineering Suhl: Innovative Espressomaschine


