Das Rote Meer teilte sich im Kirchenschiff

Rossini-Oper "Moses in Ägypten" an ungewohntem Ort: Premiere in der Meininger Stadtkirche.

Foto: zgt

Meiningen. Not macht erfinderisch - eine Tugend, die sich das Meininger Theater in der Zeit des Umbaus angeeignet hat. So gelang es ihnen, der "Azione tragico-sacra" von Rossinis "Mosè in Egitto" in der Stadtkirche eine Bühne zu geben, die dem Werk besondere Atmosphäre verleiht. Mit instrumentalen Klängen und Chören von biblischer Größe entfaltete die Fastenzeit-Oper unter der musikalischen Leitung des stellvertretenden GMD Alexander Steinitz und in der Regie Klaus Raks zur Premiere besondere Wirkmächtigkeit.


Ein großes Kreuz in der Mitte des Altarraums diente in der wüstenwarm beheizten Marienkirche als Projektionsfläche für die Untertitelung und schaffte christlichen Werkkontext. Darunter entfesselte Alexander Steinitz mit der Meininger Hofkapelle die musikalischen Meereswogen. Hinter ihm nahmen Chor und Solisten Aufstellung und teilten das Kirchenschiff in Ägypter und Hebräer auf. Jedoch erschwerte diese Aufstellung die Kommunikation mit dem Dirigenten, was sich besonders in wenig ausbalancierten Ensembles bemerkbar machte. Die Chorszenen und die berühmte Preghiera "Dal tuo stellato soglio" jedoch erlangten im Sakralbau besondere Klangmächtigkeit, wurden zum Gebet voll tiefer Glaubensdemonstration.


Moses (Ernst Garstenauer) agierte als Gesandter Gottes vor allem von der Kanzel, zu der die Juden in ihrer schwarzen Kleidung im Gebet ehrfurchtsvoll aufblickten. Der deklamatorische Stil der Partie und die sakrale Instrumentation der Begleitung hoben sich so, wie auch Moses' szenische Position, von der übrigen Handlung ab, und unterstrichen den Gotteswillen seiner Verkündigung.


Choraufmarsch im Altarraum


Die Regie Klaus Raks betont die zwei Handlungsstränge des Libretto: Die biblische Geschichte des Auszugs aus Ägypten verdeutlicht er mit großem Choraufmarsch im Altarraum. Durch den tiefen Glauben eines ganzen Volkes befreit Gott die Israeliten aus der Knechtschaft der Ägypter. Daneben wird Glaubenstreue aber auch im Kleinen, nämlich in einer unvereinbaren Liebe zwischen dem Pharaonensohn Osiride und der Hebräerin Elcia, gefordert. Dieses Privatdrama, das von Rossinis Librettisten Tottola nach einer älteren Vorlage in den biblischen Exodus eingewoben wurde, stellt Rak den Massenszenen gegenüber und bringt so Bewegung in die oratorienhafte Handlungskonzeption.


Die szenischen Effekte des Werkes fielen ortsgebunden eher dürftig aus, jedoch gab die Meininger Hofkapelle die Plagen und die Teilung des Roten Meeres orchestral in eindrucksvoller Plastik. Besonders die Bläsersoli erfreuten ob ihrer schönen Gestaltung. Anforderungen stellt das Werk auch an die Solisten: Dae-Hee Shin verdeutlichte mit Wohlklang und majestätischem Auftritt den Stolz des Pharaos, der die göttliche Macht herausfordert. Ute Ziemer machte aus des Pharaos Frau eine empfindsame, vermittelnde Mutter und kompensierte fehlende Stimmkraft in ihrer koloraturenreichen Arie meisterlich mit Innigkeit des Ausdrucks. Sehr regungsarm sang Xu Chang als Kronprinz. Alla Perchikova glänzte in der Rolle der Elcia und entfaltete die schmerzliche Entscheidung zwischen irdischer Liebe und Glauben mit großer gesanglicher Tragweite. Besondere Musikalität erlangte auch ihr Dialog mit der Vertrauten Amenofi (Maida Kari?ik).


Weitere Vorstellungen: 11., 13.,19., 21., 24., 27. November