Bundesgartenschau 2021 in Erfurt nimmt konkrete Züge an

Erfurt  Für die Buga in Erfurt setzt die Stadt erste Schwerpunkte: den Egapark, den Petersberg und die Nördliche Gera-Aue. Lesen Sie hier, die ersten konkreten Planungen.

So soll es aussehen: Der Plan für die Nördliche Gera-Aue. Foto: Wettbewerbsentwurf

So soll es aussehen: Der Plan für die Nördliche Gera-Aue. Foto: Wettbewerbsentwurf

Foto: zgt

Die Bundesgartenschau 2021 findet in Erfurt statt. Und ins Rollen gebracht ist planerisch und baulich schon so manches Vorhaben – obwohl noch sechs Jahre Zeit bleiben, um sich auf den Besucheransturm vorzubereiten. Von Anfang an rechnen die Buga-Organisatoren lieber mit kleineren Besucherzahlen. Zwei Millionen werden erwartet, was eher tiefgestapelt ist. Allein in den vier Wochen Weihnachtsmarkt zieht es 2,4 Millionen Menschen in die Thüringer Landeshauptstadt. Und die „iga“ lockte 1961, im Jahr ihrer Eröffnung, 3,4 Millionen Menschen an.

Ausgewählt wurden drei große Bereiche in der Stadt, die für die Buga von zentraler Bedeutung sein werden. Das sind der Egapark, der Petersberg und die Nördlichen Gera-Auen. Ein großer Teil erstreckt sich entlang der Gera. Damit zieht sich nicht erst im Buga-Jahr 2021 ein grünes Band durch die Stadt.

Ganz grob betrachtet muss von einem Budget von 100 Millionen Euro ausgegangen werden, 60 Millionen für Investitionen, die anderen 40 Millionen für die Durchführung der Buga. Der Eigenanteil der Stadt soll bei 10,5 Millionen Euro liegen, die überwiegend aus der Städtebauförderung bestritten werden könnten.

Die drei genannten Kernflächen in Erfurt untergliedern sich noch. Zur Ega als Herzstück zählen auch der benachbarte Luisenpark, der Dreienbrunnenpark und der Dendrologische Garten. Im Norden sind der Nordpark, die Bereiche Alte Fliegerschule und ehemaliges Klärwerk, der Kilianipark sowie die beiden Wohngebietsparks „Nördliche Gera-Aue“ und „Rieth“ einbezogen. In der Summe macht das 123,5 Hektar.

Weil die Flächen von den Besuchern nicht per pedes zu erschließen sind, haben auch die Erfurter Verkehrsbetriebe Pläne für das Buga-Jahr. Darüber hinaus sollen auch neuartige attraktive und klimaneutrale Fortbewegungsmöglichkeiten geboten werden. Unter diese Aspekte fällt die Idee einer Seilbahn – etwa von der Ega oder vom Domplatz zum Petersberg – ganz sicher nicht. Doch über das Stadium eines Gedankens gelangt sie wohl schon aus finanziellen Gründen heraus nicht.

Fest steht aber, dass der Petersberg in solch einem besucherstarken Jahr nicht nur von Fußgängern und Bummelbähnchen erklommen werden kann. Irgendeine Lösung muss her, wenigstens ein Fahrstuhl. Und ein Anreiz. Auf dem Plateau direkt über der Altstadt sollen sich das Land unter dem Motto „Schaufenster Thüringen“ und die Partnerstädte präsentieren. Zudem hat die seit Jahren leerstehende Defensionskaserne mit der Parität potenzielle Bauherren gefunden. Selbst wenn sich der Weg etwas zäh gestaltet. Auch die Peterskirche soll bis 2021 saniert werden.

Ein ziemlich großes Vorhaben des Stadtumbaus startet Mitte 2016 mit dem ersten Spatenstich an der Gera-Aue. Dort wird unter anderem das Alte Heizwerk in Gispersleben abgerissen. Ein durchgehender Grüngürtel im Erfurter Norden ist das Ziel, wo immerhin 60 000 Erfurter zu Hause sind. Die bestehenden Grünanlagen werden gut genutzt, sollen aber eine bleibende Aufwertung erfahren.

Was passiert nach der Bundesgartenschau? Ein dickes Minus auf dem Konto oder ganze Landschaften und Parks, die aus dem Boden gestampft werden und die später keiner mehr braucht, soll es in Erfurt nicht geben. Nachhaltigkeit ist ein viel strapaziertes Wort. Doch aus Fehlern, die andere Regionen und Städte gemacht haben, kann Thüringens Landeshauptstadt lernen.

Als Blumenstadt und mit langer Tradition in Samenzucht und Gartenbau hat Erfurt weit über deutsche Grenzen hinaus seinen Ruf. Dazu hat auch die 1961 als „iga“ gegründete „ega“ beigetragen, die 2021 übrigens ihren 60. Gebursttag feiern kann. Das Deutsche Gartenbaumuseum in den Mauern der Cyriaksburg im Egapark kündet nicht nur von den Traditionen, sondern bringt sich mit Veranstaltungen wie Vorträgen, Festen und Sonderausstellungen ins aktive Geschehen ein. Auch am Buga-Jahr wird das Gartenbaumuseum seinen Anteil haben.

Werden Statistiken bemüht, kommen Bundesgartenschauen vor allem bei der Generation 50plus gut an. Der Förderverein Buga-Freunde hat eine Methode gefunden, schon Jahre vorher auf etwas neugierig zu machen, was noch in weiter Ferne liegt. Seit 2013 werden Erfurter Babys, die am 21. April geboren werden, als Buga-Babys begrüßt. Dieser Termin wurde ursprünglich für die Eröffnungsfeier ins Auge gefasst. Das älteste von ihnen wird also zur Eröffnungsfeier im Jahr 2021 neun Jahre alt sein. Alle Buga-Babys sind Ehrenmitglieder im Förderverein und werden mit einem Buga-Strampler begrüßt. Zudem erhalten sie eine Dauerkarte für das Buga-Jahr. Bislang gibt es 17 Buga-Kinder.

Nicht verhehlt werden soll, dass auch buga-kritische Stimmen existieren. Garagenbesitzer, deren Pachtgrundstücke weichen sollen, Bewohner des Nordens, in deren direkten Umfeld mit Besucherströmen zu rechnen ist, oder Menschen, die das Geld lieber in sanierungsbedürftige Straßen gesteckt sähen. Insgesamt sieht es aber so aus, dass die Erfurter die Buga-Idee mittragen. Damit das so bleibt, werden sie auf verschiedene Weise zum Buga-Dialog aufgerufen. Für Kinder gab es sogar eine Extrarunde, in der sie den Spielplatzumbau auf der Ega mitplanen durften. Der Förderverein tut ein Übriges, um die Erfurter in Richtung Buga-Jahr zu bewegen.

Bis März dieses Jahres konnten sich Außenstandorte bewerben, um auch ein Stück des Buga-Kuchens abzubekommen. Mit Fördermitteln können sie Dinge auf den Weg bringen, für die die Kommunen sonst nicht so schnell genügend Mittel auftreiben würden. Bad Langensalza, Gotha, Arnstadt, Jena, Sömmerda, Weißensee und Bad Frankenhausen haben beispielsweise Interesse angemeldet. Die Jury entscheidet sich Mitte Juni.

www.buga21.de

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