Kunstpause: Lang lebe das Bambi!

Frank Quilitzsch war wieder im Wald bei Oberhof auf der Jagd

Frank Quilitzsch

Frank Quilitzsch

Foto: Andreas Wetzel

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Wenn der Wind jagt, sollte der Jäger ruhen“, schreibt der Förster-Jäger. Über den Thüringer Wald fegt ein kräftiger Nordwest. Nach ein paar Tagen hat sich die Lage beruhigt, und ich schreibe zurück: „Wenn der Wind ruht, jagt dann der Jäger?“

Wir wollen es noch einmal miteinander versuchen. Es ist ein milder Juli-Abend. Heute könnte es klappen, und ich werde mich vor jeder unbedachten Bewegung hüten.

Wir fahren zur „Kyrill“-Fläche, dem großen Waldumbauprojekt zwischen Oberhof und Zella-Mehlis, und erklimmen wieder einen Hochsitz. Der Förster-Jäger legt sein Gewehr übers Geländer, schirmt meine Jeans mit dem Tarnnetz ab und nimmt den Rüden auf den Schoß.

Wir schauen auf das, was es zu schützen gilt: Ahorn, Birke, Eberesche, Buche und Eiche, von 30 Zentimeter bis dreizehn Meter hoch.

Der Terrier wittert nach allen Seiten, ehe er sich für eine entscheidet. „Da ist was“, flüstert der Förster-Jäger.

Es dauert lange, bis es sich zeigt. Erst schimmert es graubraun zwischen den Büschen, dann kommt es lautlos näher. Ich wage nicht, den Kopf zu drehen, bewege nur die Augen. Der Terrier wird unruhig und muss unter die Sitzbank.

Dann ist es direkt unter uns: eine Ricke mit ihrem Kitz. Nichts für des Jägers Flinte, aber ein herzallerliebster Anblick! Ich stelle mir vor, wie das Blätter zupfende Junge bei der Bambi-Verleihung ein Millionenpublikum zu Tränen rührt: Sieh nur, es frisst unseren Wald, ist das nicht süß? Leider kann ich es nicht im Bild festhalten, ich habe die Kamera vergessen. Das Junge darf sich glücklich schätzen, dass der Jäger ihm und seiner Mutter Schonzeit gewährt. Luchs und Wolf täten dies nicht.

Und was tut der Terrier? Er riecht das Wild durch alle Ritzen und droht auf dem Bretterboden durchzudrehen. Herrchens mahnender Zeigefinger hält ihn im Zaum. Doch dann entfährt der Hundeschnauze ein Schnauben, wie ein Seufzer. Das Wild erstarrt, hebt den Kopf und spitzt die Ohren. Und stiebt blitzschnell davon.

Danach kommt nichts mehr, kein Reh, kein Hirsch, nicht mal eine Wildsau. „Wieder Patronen gespart“, tröste ich den Förster-Jäger.

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