„Mama zu werden, war für mich das Beste:“ Ein Gespräch mit Annett Louisan

Nach fast dreijähriger Pause meldet sich die in Ostdeutschland geborene Annett Louisan zurück. Im Oktober kommt sie mit ihrem neuen Album „Kleine große Liebe“ nach Thüringen.

Sängerin Annett Louisan ist im Herbst live in Erfurt zu erleben.

Sängerin Annett Louisan ist im Herbst live in Erfurt zu erleben.

Foto: Christoph Köstlin

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Fast drei Jahre hat Pop-Fee Annett Louisan („Das Spiel“) Pause von der Musik gemacht, fünf Jahre kein Album mit eigenen Songs veröffentlicht. Doch nun meldet sich die 42-Jährige mit dem neuen Doppelalbum „Kleine große Liebe“ zurück, das sie im Oktober auch in Erfurt vorstellt.

Gerade lief die neue Staffel von „Sing meinen Song“ bei Vox. Sie waren 2016 bei der dritten Staffel dabei. Haben Sie jetzt ab und zu mal reingeschaut?

Ehrlichweise gucke ich gar kein Fernsehen. Wenn ich aber im Netz was sehe, dann schaue ich auf jeden Fall rein. Ich habe sehr gute Erinnerungen an meine „Sing mein Song“-Zeit!

Stehen Sie denn noch mit Kollegen von damals in Kontakt?

Klar, zum Beispiel mit den BossHoss-Jungs oder mit Nena, zumal wir beide in einer Stadt wohnen. Samy Deluxe hat auch bei einem Lied vom neuen Album mitgeschrieben. Allerdings ist bei mir in den vergangenen drei Jahren so viel passiert, sodass der Kontakt erst einmal viel weniger wurde. Aber das kommt wieder. Ich glaube, das sind Menschen, mit denen man nicht ständig Kontakt halten muss, nur um sich nahe zu sein. Davon bin ich ganz fest überzeugt.

Vor zwei Jahren sind Sie Mama geworden. Hat Sie das verändert?

Eltern zu werden ist zwar eigentlich das Normalste von der Welt, für den Einzelnen aber doch das Allergrößte. Ich glaube, es gibt nichts, was einen so sehr verändert wie das Mutter- oder Vater-Werden. Auch wenn einem das vorher gar nicht so sehr bewusst ist, was ich auch gut finde. Man macht die Erfahrung, wächst in diese Schuhe rein, tastet sich da ran und macht es so, wie man es für richtig hält. Ich bin heute mehr denn je davon überzeugt, dass jede Mutter oder jeder Vater versucht, die beste Mutter oder der beste Vater zu sein, und alles in ihren Kräften und ihrer Macht Stehende zu tun. Das ist etwas, das von tief drinnen kommt. Für mich war es das Beste, was passieren konnte – auch als Künstlerin. Es ist sehr inspirierend, ich fühle mich wieder mehr am Leben dran.

Aber es ist noch viel mehr geschehen: Sie haben ein neues Label, einen neuen Produzenten. Hat sich das durch die Pause so ergeben oder haben Sie sich das so ausgesucht?

In diesem Übergang von einem Lebensabschnitt zum nächsten macht man sich ganz automatisch Gedanken. Es passiert etwas, es wackelt unten, es gibt Erdverschiebungen. Und das geht meistens mit allgemeinen Lebensveränderungen einher: Dass man merkt, welche Leute einem gut tun und welche nicht. Menschen, mit denen man lange zusammengearbeitet hat, können Veränderungen vielleicht nicht mehr so gut sehen. Dann ist es Zeit, sich auch zu trennen. Natürlich immer in guter Form, das ist mir wichtig. Ich möchte mich als Künstlerin nicht wiederholen. Ich möchte im Jetzt sein, in der Gegenwart – und dann ist es manchmal hilfreich, noch mal neu mit anderen Künstlern und Produzenten anzufangen.

Im Pressetext zum neuen Album heißt es, dass die Fans so viel Annett Louisan bekommen wie noch nie. Was heißt das genau?

Der wichtigste Punkt ist, dass man sich, wenn man jünger ist, noch gar nicht so gut kennt. Man lernt sich aber im Laufe seines Lebens immer besser kennen und kommt sich näher. Je näher ich mir bin, desto näher bin ich auch meinem Publikum. Und das macht sich eben auch in den Liedern bemerkbar. Irgendwann hat es nicht mehr so gut gepasst, wenn mir Leute Lieder geschrieben haben. Das ist so ein Reifeprozess, dass man mehr Wahrhaftigkeit braucht, mehr von sich preisgeben möchte und auch kann. Es macht mir aber immer noch großen Spaß, in Rollen zu schlüpfen, damit auch zu spielen und dabei ein bisschen offen zu lassen, wie viel davon ich bin und wie viel davon etwas ist, das ich beobachtet habe. In diese Platte ist sehr eingeflossen, dass ich mich mit mir, meiner Familie und mit den Fragen zur Zukunft beschäftigt habe.

Sie haben an fast jedem Titel mitgeschrieben.

Genau. Das ist mit den Jahren immer mehr geworden. Ich weiß jetzt eben viel besser, was mir gut steht, was ich will und was nicht. Und das kann ich jetzt auch besser umsetzen. Das Songschreiben ist auch eine Übungssache.

Und offensichtlich hat es ja auch mit Peter Plate von Rosenstolz und dem Produzenten und Songwriter Ulf Sommer gut gepasst.

Ja, das war eine glückselige Fügung. Beide sind tolle Künstler und empathische Menschen. Das klappt auch nicht mit jedem so – und auch das ist gut so.

Die Tour, die vor Ihnen liegt, ist heftig: Knapp 30 Konzerte von Mitte Juli bis Mitte November. Nehmen Sie Ihre Kleine mit?

Ja, unbedingt. Das ist jetzt auch gut zu machen, wo sie noch so klein ist. Wir werden mit dem Nightliner reisen, so dass wir nachts im Bus schlafen, morgens in einer neuen Stadt ankommen und dort ein kindgerechtes Programm machen können. Und wenn ich auf die Bühne gehe, geht meine Tochter ins Bett und mein Mann und meine Mama betreuen sie. Da kann ich mich dann schon entspannen. Wir machen uns das sehr schön. Ich stelle mir das auch ganz romantisch vor: Denn Kinder brauchen eigentlich nur ihre Eltern und müssen gut betreut sein. Dann sind sie glücklich.

Als Mama gehört man in der Regel zum Team Müdigkeit. Wie schaffen Sie es, Ihre Texte, bei denen es ja oft auf die Silbe ankommt, trotz Müdigkeit zu behalten?

Ja, da sagen Sie was. Was ich jetzt in den letzten drei Monaten gemacht habe, das war schon sehr anstrengend. Meine Tochter ist im Februar in die Kita gekommen. Da hatte ich vormittags Kita-Eingewöhnung und nachmittags Interviews und war dafür auch schon ziemlich viel unterwegs. Das merke ich schon, und das Schlafdefizit stecke ich auch nicht mehr so gut weg. Ich bin ehrlich gesagt froh, wenn ich saubere Klamotten anhabe… Man wird so uneitel und sortiert aus. Auch energiesaugende Menschen. Man sagt klar: Ja, nein, das nicht – und irgendwie tut mir das ganz gut. Vorher habe ich viel Zeit mit Sachen verplempert, die irgendwie nicht so wichtig waren.

Mittwoch, 23. Oktober, 20 Uhr, Messe Erfurt Tickets:

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