Landeskriminalamt zieht Ermittlungen zum brutalen Überfall an der Staatskanzlei an sich

Erfurt.  Zum Überfall vor der Staatskanzlei am Samstag hat jetzt das LKA die Ermittlungen an sich gezogen. Das kann einen bestimmten Grund haben.

Polizei ermittelt wegen schwerer Körperverletzung und Landfriedensbruch nach einem Überfall vor der Staatskanzlei in Erfurt.

Polizei ermittelt wegen schwerer Körperverletzung und Landfriedensbruch nach einem Überfall vor der Staatskanzlei in Erfurt.

Foto: Foto: MARCUS SCHEIDEL

Das Thüringer Landeskriminalamt hat die Ermittlungen zu einem brutalen Überfall am Samstagmorgen vor der Staatskanzlei in Erfurt übernommen. Das bestätigten Sprecher der Staatsanwaltschaft und der Landespolizeidirektion in Erfurt auf Anfrage und später das LKA selbst in einer kurzen Mitteilung.

Bei dem Überfall einer etwa 20-köpfigen Personengruppe auf eine am Hirschgarten sitzende Gruppe waren mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Zeugen und Opfer berichteten davon, dass die Angreifer äußerst gewaltsam vorgegangen sein sollen und u.a. auch Tritte gegen den Kopf von Opfern ausgeführt wurden.

Bei dem Überfall wurden auch drei Polizisten leicht verletzt.

Dass das Landeskriminalamt nun die Ermittlungen übernommen hat, deutet darauf hin, dass auch polizeiintern längst Klarheit darüber herrscht, dass es sich hier nicht um eine Schlägerei gehandelt haben kann, bei der zwei Personengruppen aneinander geraten sind. Vielmehr könnte das Tatmotiv im Bereich der politisch motivierten Kriminalität zu sehen sein, für die das LKA zuständig ist. Dafür spricht auch, dass nach Mitteilung des LKA die Staatsschutzabteilung ermittelt. Weiter heißt es, dass einzelne Tatverdächtige „mit rechtsmotivierten Straftaten in der Vergangenheit in Erscheinung getreten sind“.

Bereits am Sonntag hatte diese Zeitung berichtet, dass die Angreifer in typischer Szenekleidung unterwegs gewesen seien und der Polizei ein Name eines bekannten Erfurter Rechtsextremisten genannt wurde, der als einer der Angreifer von Zeugen identifiziert worden sein soll.

Im politischen Raum sorgt die Attacke ebenfalls für Aufsehen. Die Landtagsabgeordnete der Linkspartei, Katharina König-Preuss, forderte am Dienstag, dass die Ermittler „auch die Prüfung eines bedingten Tötungsvorsatzes“ in ihre Untersuchungen einbeziehen. Das sei dadurch gerechtfertigt, weil Kopftritte zu lebensgefährlichen Verletzungen führen könnten. Sie gehe zudem davon aus, dass Polizei und Staatsanwaltschaft „mit der nötigen Sensibilität eine neonazistische Motivation prüfen“.