Geburtshaus Erfurt auf der Kippe

Erfurt/Jena.  Im Erfurter Geburtshaus gibt es plötzlich wieder freie Termine. Aber das hat einen unerfreulichen Hintergrund: Wegen der Corona-Pandemie dürfen vorerst keine Kurse stattfinden. Deshalb fehlten nun auch Einnahmen.

Das Geburtshaus Jena hat im Frühjahr 2019 im Zuge seines Umzugs zentrumsnahe Räumlichkeiten für sein Kursangebot gesucht - und im Forum der SPD am Teichgraben gefunden.  Julia Teckemeyer und Ingrid Henkenmeier  freuen sich mit Jenas SPD-Chef Lutz Liebscher über die Kooperation. 

Das Geburtshaus Jena hat im Frühjahr 2019 im Zuge seines Umzugs zentrumsnahe Räumlichkeiten für sein Kursangebot gesucht - und im Forum der SPD am Teichgraben gefunden.  Julia Teckemeyer und Ingrid Henkenmeier  freuen sich mit Jenas SPD-Chef Lutz Liebscher über die Kooperation. 

Foto: Thorsten Büker

Das Geburtshaus Erfurt ist in einer seit Jahren nicht dagewesenen Situation: Nachdem Mitte März der komplette Kursbetrieb eingestellt werden musste und es außerdem eine Reihe von Absagen gab, weil Babys entweder zu früh oder per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, kann das Geburtshaus wieder Termine für außerklinische Geburten vergeben. „Unsere Hebammen haben jetzt mehr Zeitfenster“, sagt Geschäftsführerin Katrin Lauinger. Für Mai, Juni und Juli habe das Geburtshaus Termine für Schwangere, die lieber im Geburtshaus statt in der Klinik entbinden wollen. Allerdings dürfe das keine Notvariante sein: „Die Frauen und Familien sollten voll dahinterstehen. Deshalb findet stets ein ausführliches Gespräch statt, in dem sich die Bereitschaft dazu herauskristallisieren muss“, betont Katrin Lauinger. Was die Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie betreffe, arbeite das Geburtshaus „extrem sorgfältig“. Da gebe es keinen Grund zur Sorge. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Anrufen könnten die Frauen im Geburtshaus Erfurt aber auch bei Interesse an Geburtsvorbereitung: Die Kurse fallen zwar derzeit aus, aber da die Schwangeren die Geburtstermine nicht nach hinten verschieben könnten, „bemühen wir uns, den Bedarf in Einzelunterweisungen abzudecken“. Denn auch wenn das Geburtshaus für den Gruppenbetrieb geschlossen sei, fänden doch Einzelsprechstunden der Hebammen statt.

Etwas anders stellt sich die Lage im Geburtshaus Jena dar: Dort geben die Hebammen, die das geburtshilfliche Team bilden, nur selten Kurse, so dass infolge der Absagen auch kaum Kapazitäten frei wurden. Gleichwohl, sagt Geschäftsführerin Julia Teckemeyer, könnten die Hebammen noch kurzfristig einige Frauen in die Betreuung aufnehmen – nach aktuellem Stand im Mai.

Auch in Jena wird die Tatsache, dass Geburtsvorbereitungskurse jetzt nicht stattfinden können und eine Wiederaufnahme nach dem 19. April unsicher ist, mit Sorge gesehen. „Daher haben wir begonnen, einen Teil unserer Kurse auf Onlineangebote umzustellen“, sagt Elisabeth Schmidt, Hebamme und für die fachliche Leitung zuständig. Die meisten Frauen oder Paare nähmen das gut an, wie auch einzelne Online-Rückbildungskurse schon gut ankämen.

Erhebliche finanzielle Schwierigkeiten in Erfurt

In Erfurt bringen derweil die fehlenden Einnahmen durch Kurse das Geburtshaus in „erhebliche finanzielle Schwierigkeiten“. Die angestellten Hebammen arbeiteten ohnehin schon zu so niedrigen Löhnen, dass Maßnahmen wie Kurzarbeit ihre wirtschaftliche Existenz bedrohten, stellt Katrin Lauinger klar. In einem Brief an Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hat der Vorstand des Geburtshauses deshalb vorgeschlagen, die im Haushalt 2020 eingestellte institutionelle Förderung in Höhe von 500.000 Euro, die bislang nicht abgeflossen sei, jetzt zumindest zum Teil auszureichen, um die Geburtshäuser in Thüringen zu sichern.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums verweist zunächst auf das Soforthilfeprogramm, das Land und Bund wegen der Corona-Pandemie aufgelegt haben und das auch bei Geburtshäusern greife: „Wir bitten die Geburtshäuser, sich auf den Seiten der Thüringer Aufbaubank und der Bundesagentur für Arbeit über Fördermöglichkeiten zu informieren.“