Fenster auf und zu: Das sind die Corona-Regeln in Jenaer Schulen

Jena.  Regelmäßiges Lüften ist das erste Mittel der Wahl in Schulen. Luftaustauschtechnik gibt es nur in einem Teil der Jenaer Klassenräume.

Ein Schüler öffnet mit einer Mund-Nasen-Bedeckung das Fenster.

Ein Schüler öffnet mit einer Mund-Nasen-Bedeckung das Fenster.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Die Gefahr der Corona-Infektion durch Aerosole in Unterrichtsräumen könne nur durch ein gutes Lüftungsregime gemindert werden. Das sagte am Donnerstag Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsdezernent Eberhard Hertzsch (parteilos) gegenüber der Zeitung, nachdem jüngst Linken-Stadtrat Jens Thomas die lüftungstechnische Situation an Jenaer Schulen ins Licht gerückt hatte als Beitrag zur Fragestunde der monatlichen Ratssitzung (Die Fragestunde wird derzeit wegen coronabedingt kürzerer Sitzungszeit eingespart und allein mit schriftlichen Antworten der Verwaltung bedient). Wenn der Krisenstab der Stadt wegen der steigenden Infektionszahlen wieder Restriktionen verfügen müsse, dann seien Kindergärten und Schulen „das Letzte, was schließen soll“, sagte Hertzsch. Der langwierige Lockdown samt Fernunterricht „hat mit den Kindern was gemacht“. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Indessen zeigt die schriftliche Antwort der Verwaltung auf Thomas’ Fragen, dass die lufttechnischen Bedingungen an den Schulen sehr unterschiedlich sind. Demnach gibt es für 28 erwähnte Schulgebäude insgesamt 131 Lüftungsanlagen. Nur in den jüngst gebauten beziehungsweise sanierten Gebäuden ist in allen Klassenräumen der komplette Luftaustausch per Lüftungsanlage möglich: Schulkomplex Karl-Marx-Allee 7, Gemeinschaftsschule Wenigenjena und Ernst-Abbe-Gymnasium. In weiteren sieben Schulen sind „teilweise“ Klassenräume mit automatischer Lufterneuerung verknüpft: Westschule, Schillerschule, Angergymnasium und Montessorischule (in beiden Häusern jeweils nur im neuen Anbau), Rautalschule sowie die Berufsschulen in Göschwitz und Lobeda-Ost. In fast allen Schulen wirken die Anlagen auch in anderen Bereichen wie Turnhalle, Aula, Fachkabinette, Küchen, Toiletten.

Nach 20 Minuten dicke Luft

Thomas Graf, Abteilungsleiter für Schul- und Sportgebäude beim kommunalen Immobilienbetrieb KIJ, er betonte im Gespräch, dass die eingesetzten Anlagen alle nach demselben Prinzip funktionieren: Die verbrauchte Luft werde nach außen gegeben und komme nicht in den Klassenraum zurück; und die Frischluft gelange dank Wärmetauscher nicht mit Außentemperatur nach innen. Weil es keinen Umluftbetrieb gebe, seien auch keine Luftfilter vonnöten. Skeptisch ist KIJ in der Frage nach zusätzlichen Luftreinigern mit so genannten Hepa-Filtern. Der Immobilienbetrieb beruft sich auf das Umweltbundesamt, nach dessen Einschätzung jene Geräte nicht ausreichen, um über den gesamten Unterricht Schwebepartikel samt Viren aus der Raumluft zu entfernen. So könne diese Technik andere Lüftungsmaßnahmen allenfalls flankieren.

Und wie steht es mit jenen Geräten, die die Kohlendioxid-Menge im Raum messen in „ppm“ (parts per Million, zu Deutsch: Anteile pro Million) und bei erreichtem Grenzwert ein Signal geben zum Fensteröffnen? Schließlich kann somit von „schlechter Luft“ im Allgemeinen und Aerosol-Last im Besonderen gleich mit ausgegangen werden. Thomas Graf erläuterte, dass KIJ die Jenaer Klassenräume natürlich entsprechend untersucht habe. Die Erkenntnisse ließen sich verallgemeinern, so dass nicht jeder Raum ein solches Gerät benötige: Der kritische Wert werde in alten Gebäuden – Stichwort Raumhöhe – später erreicht und sei etwa für Grundschüler niedriger angesetzt. Im Schnitt sei aber nach 20 bis 25 Minuten das Fensterlüften vonnöten. „Das haben wir immer schon gesagt; es hat aber keiner gemacht“, sagte Graf. Fenster auf, Fenster zu – „da wird ein guter Effekt erreicht. Das müssen die Schulen jetzt umsetzen.“