Katja Wolf erlangte mit ihrem Wechsel von der Linken zum Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bundesweite Aufmerksamkeit. Die Partei könnte bei der Landtagswahl am 1. September eine entscheidende Rolle spielen. Doch die Vorsitzende und Spitzenkandidatin der jungen Partei ist schon lange politisch aktiv.
1. Vor dem Wechsel zum BSW war Katja Wolf lange bei der Linken
Ihre politische Karriere begann Wolf bei den Linken, die damals noch PDS hießen. Mit 16 Jahren trat sie der Partei bei. Ihren eigenen Aussagen zufolge, politisierten sie das geplante Aus des Jugendsenders DT64 und der erste Golfkrieg. Sieben Jahre später saß sie bereits für die Linke im Thüringer Landtag.
Der Austritt aus der Partei sei ihr nicht leichtgefallen, erzählt die 47-Jährige in Interviews. Linke Themen wie soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit seien ihr weiterhin wichtig. Motivation für den Wechsel zum BSW sei vor allem gewesen, Thüringen zu einer politischen Stabilität zu verhelfen und Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern.
2. Katja Wolf war schon einmal Mitglied des Thüringer Landtags
Mit 23 Jahren bekam Katja Wolf ein Mandat im Thüringer Landtag. Hier war sie umweltpolitische Sprecherin der Linken: Es ging ihr beispielsweise um die Werra-Versalzung, den Nationalpark Hainich als Weltnaturerbe, Atomkraft, Gipsabbau im Harz und Waldschutz. 2012 legte sie ihr Mandat ab, als sie zur Oberbürgermeisterin von Eisenach gewählt wurde.
Mehr zu Katja Wolf
- Wolf: „Wären verrückt, Wagenknecht nicht als Zugpferd zu nutzen“
- Spitzenkandidatin BSW: „Dramatische Situation“ in Thüringen
- Tür auf für die AfD in Thüringen? BSW rudert zurück
- Katja Wolf will „eine kraft- und machtvolle Stimme für Eisenach in Erfurt“ sein
- Thüringer BSW-Chefin: „Wir scheren uns nicht um jeden Posten“
3. Katja Wolf war Oberbürgermeisterin von Eisenach
2012 wurde Katja Wolf mit 51,6 Prozent zur Eisenacher Oberbürgermeisterin gewählt. Sechs Jahre später wählten die Eisenacherinnen und Eisenacher sie erneut. Auch 2024 ging die Linke davon aus, dass Wolf erneut kandidieren würde – dass sie nicht mehr für eine Kandidatur bereitstand, stattdessen zum BSW wechselte und für den Landtag kandidiert, kam für viele überraschend.

Wolf selbst sagt, es sei ihr nicht leicht gefallen, das Amt als OB abzugeben. Der direkte Kontakt zu Menschen habe sie erfüllt und ihr Kraft gegeben, wenn sie auch verbale und Anfeindungen, Drohungen und Angriffe erlebt hätte. Ihre Bilanz der letzten 12 Jahre als OB fällt gut aus: Wolf schreibt sich selbst einen modernen ZOB, Schulinvestitionen, eine Verbesserung der Sporthallen-Lage und die Stadt finanziell wieder handlungsfähig gemacht zu haben, auf die Fahnen.
4. Katja Wolf verweigerte Handschläge - trotz Verpflichtung dazu
2014 und 2019 weigerte sich Wolf, NPD-Abgeordneten bei der Verpflichtung neu gewählter Stadträte die Hand zu geben. Die NPD benannte sich 2023 in „Die Heimat“ um und wird vom Verfassungsschutz nach wie vor als rechtsextreme Partei eingestuft. Wolf begründete ihre Weigerung damit, dass sie Vertreter einer verfassungswidrigen Partei nicht anfassen wolle.
Der Handschlag zwischen OB und Stadträten war damals durch das Landesgesetz verpflichtend. Beide Male ging es vor Gericht, weil einer der NPDler klagte. Am Verwaltungsgericht Meinigen gewann zunächst Wolf, weil sie nicht zu einem Körperkontakt gezwungen werden könne. Dieses Urteil wurde vom Oberverwaltungsgericht Weimar korrigiert. Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig stimmte ihm zu. Doch durch eine Änderung in der Thüringer Kommunalordnung ist das Thema mittlerweile hinfällig.

Im Juni 2020 wurde der Handschlag aus dem Gesetz gestrichen, begründet wurde dies einerseits mit den Vorfällen in Eisenach und andererseits mit Hygienemaßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie. 2024 stand Wolf also auf rechtssicherem Boden, als sie nicht nur den Abgeordneten der Heimat (früher NPD), sondern auch denen der AfD bei der Verpflichtung nicht die Hand gab.
5. Katja Wolf ist studierte Sozialpädagogin
Katja Wolf studierte in Erfurt, wo sie 1976 geboren wurde, Sozialpädagogik an der Fachhochschule und schloss das Studium mit Diplom ab. Nach ihrem Studium zog es sie jedoch rasch in die Politik: Bereits 1999 saß sie im Thüringer Landtag. Heute ist Katja Wolf Mutter von zwei Kindern aus einer früheren Ehe.



