Zusammenfassung
- Katharina Schenk, ehemalige Redakteurin und Staatssekretärin, wird Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie in Thüringen.
- Sowohl als Citymanagerin in Altenburg als auch bei ihrer Ernennung zur Staatssekretärin im Innenministerium blies ihr heftiger Gegenwind ins Gesicht.
- Die neue Ministerin steht vor großen Aufgaben, darunter die Umsetzung der Krankenhausreform und die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Thüringen.
Das ist mal ein steiler Aufstieg. Vor nicht mal zehn Jahren war Katharina Schenk (SPD, 36) noch Redakteurin einer Philosophiezeitschrift. Nun wird sie Ministerin in der Brombeer-Koalition und übernimmt mit Gesundheit, Soziales, Arbeit und Familie wichtigste Zuständigkeiten für die tägliche Daseinsvorsorge. Für die ehrgeizige Politikerin ist es zugleich einer der geräuschlosesten Amtsamtsantritte ihrer Karriere. Sowohl als OB-Referentin und später Citymanagerin in Altenburg als auch bei ihrer Ernennung zur Staatssekretärin im Innenministerium blies ihr jeweils heftiger Gegenwind ins Gesicht. Letztere brachte Rot-Rot-Grün nicht zuletzt den Vorwurf der Postenschacherei und Selbstbedienung auf Staatskosten zur Versorgung von treuen Gefolgsleuten ein. Letztlich saß man auch die Kritik des Rechnungshofes an der „rechtswidrigen Erbhof-Politik“ aus.
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Sowieso ist Schenk kampf- und beharrungserprobt. Als sächsische Juso-Chefin gehörte sie 2013 zum Wahlkampfteam von Leipzigs SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung. Für den OB-Wahlkampf 2018 in Altenburg, den sie seinerzeit gegen den CDU-Kandidaten André Neumann verlor, zog die gebürtige Leipzigerin und studierte Politik- und Sozialwissenschaftlerin mit Masterabschluss in Philosophie von Haustür zu Haustür. Eine innerparteiliche Krise noch in der Altenburger SPD ließ sie 2021 als Kreisvorsitzende ebenso an sich abprallen wie die von ihren Widersachern angedrohten Parteiaustritte. Es sei bedauerlich, wenn Leute gingen, aber man finde an anderer Stelle wieder neue Mitglieder, sagte sie seinerzeit. Immer wieder hochkommende Zweifel an der Eignung für ihre jeweiligen Ämter ignorierte sie.
Persönliche Daten
- geboren am 23. Januar 1988 in Schkeuditz
- 2007 Abitur in Leipzig
- 2007 – 2010 Bachelorstudium der Sozialwissenschaften, Politikwissenschaften und Philosophie an den Universitäten Leipzig und Athen
- 2010 – 2012 Masterstudium der Philosophie an der Universität Leipzig
- 2013 – 2024 Promotionsstudium der Politischen Philosophie an der Universität Leipzig
- 2013 – 2017 Redaktionsassistentin beim Philosophie Magazin
- 2017 – 2018 Persönliche Referentin des Oberbürgermeisters der Stadt Altenburg
- 2018 – 2020 City-Managerin in der Wirtschaftsförderung der Stadt Altenburg
- 2020 – 2024 Staatssekretärin für Kommunales im Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales
- seit 09/2024 Mitglied des Thüringer Landtags für die SPD
- seit 12/2024 Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie
Gesundheit und Pflege sind die größten Herausforderungen
Nun also Ministerin unter anderem für Gesundheit und Soziales in Thüringen. Wie viel Wissens- und Erfahrungsvorlauf sie für dieses Posten mitbringt, wird man sehen. Mit Christoph Zippel (CDU) oder Cornelia Urban (SPD, früher Klisch), beide seit Jahren gesundheitspolitisch für ihre Parteien unterwegs, hätte es durchaus andere gestandene und eher erwartbare Kandidaten gegeben. Stefan Wogawa (BSW) war früher immerhin mal Pressesprecher im Gesundheitsministerium. Vor drei Jahren veröffentlichte die inzwischen in Gotha lebende Schenk mit ihrer Meininger SPD-Kollegin Janine Merz ein Thesenpapier zur Stärkung des Landlebens in Thüringen. Darin plädierten beide unter anderem dafür, die Vorzüge des Dorfes anzuerkennen und zum Beispiel Familien fürs Übersiedeln aufs Land zu gewinnen. Dafür sollten der Eigenheimbau, besserer öffentlicher Nahverkehr und schnelles Internet gefördert werden. Im Innenministerium hatte sie immerhin schon mit der Debatte über Strukturanpassungen bei der medizinischen Notfallversorgung zu tun. In den aktuellen Koalitionsverhandlungen leitete sie für ihre Partei die Arbeitsgruppe Gesundheit/Soziales/Pflege und dürfte so wesentlichen Einfluss auf die entsprechenden Formulierungen im Koalitionsvertrag gehabt haben.
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Gesundheit und Pflege sind letztlich auch mit die größten Herausforderungen, an denen sich die Neue wird messen lassen müssen. Die Krankenhausreform hat zwar den Bundesrat passiert. Wie es auf Länderebene weitergeht, ist noch völlig offen, weitere Klinikpleiten nicht ausgeschlossen. Ihre Vorgängerin Heike Werner (Linke) hatte sich in zwei Amtszeiten so etwas wie Akzeptanz bei den verschiedenen Lobbyisten der Gesundheitsbranche ertrotzt. Diese Fußstapfen werden nicht kleiner.
Gesundheitsversorgung muss zentrales politisches Thema sein
Erste Erwartungen werden auch schon an Schenk herangetragen. Die Gesundheitsversorgung müsse in der neuen Legislatur ein zentrales politisches Thema sein, forderte Thüringens Barmerchefin Birgit Dziuk nach der offiziellen Ministerernennung am Freitag. Als ehemalige Staatssekretärin im Innenministerium wisse die Ministerin beispielsweise, wie wichtig die Verzahnung des Rettungswesens mit der Krankenhausplanung ist. „Die Umsetzung der Krankenhausreform erfordert eine genaue Bedarfsanalyse der Notfallversorgung. Wenn sich Krankenhäuser spezialisieren und in Netzwerken zusammenarbeiten, muss auch der Rettungsdienst an diese neuen Strukturen angepasst werden“, so die Kassenvertreterin.
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