Sie sei Unternehmerin geworden, weil sie Entscheidungen treffen wolle, Kompromisse lägen ihr eher nicht so. Das hat Colette Boos-John vor einigen Jahren in einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.
In ihrem neuen Job wird sie allerdings um Kompromisse nicht herumkommen. Seit Freitag ist Boos-John neue Ministerin für Wirtschaft und Landwirtschaft in Thüringen. Sie liebe Herausforderungen, sei neugierig und übernehme Entscheidungen gern selbstbestimmt, hat sie sich charakterisiert.
Nach dem Studium Einstieg in die Baufirma in Walschleben
Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums der Betriebswirtschaftslehre stieg Colette Boos-John mit 22 Jahren in eine vermeintliche Männerdomäne – die Bauwirtschaft ein – und führt seit mehr als 25 Jahren das traditionsreiche Familienunternehmen Bauer Bauunternehmen GmbH in Walschleben, im Landkreis Sömmerda, als geschäftsführende Gesellschafterin.
Persönliche Daten
- geboren am 3. September 1969 in Marburg a. d. Lahn
- 1989 – 1992 Studium der Betriebswirtschaftslehre, Abschluss Dipl.-Betriebswirtin; FH Gießen-Friedberg
- 1992 – 1997 kaufm. Leitung, Bauer Bauunternehmen GmbH
- 1994 Zusatzstudium RKW, staatl. gepr. Controllerin
- seit 1997 Geschäftsführerin, Bauer Bauunternehmen GmbH
- 2009 – 2016 Vorstandsmitglied Wirtschaftsrat der CDU Erfurt
- 2012 Unternehmerin des Jahres, BVMW
- seit 2016 Vizepräsidentin der IHK Erfurt
- seit 2019 Landesvorsitzende „die Familienunternehmen“ Thüringen
- seit 2021 Leitung Netzwerk Mittelstand, IHK Erfurt
- seit 2021 Netzwerk Mittelstand, DIHK Berlin
- 2022 Ehrennadel der IHK
- 11/2022 Ausbildung zum Business-Coach, dvct zertifiziert
- seit 2022 Mitglied des Normenkontrollrat Thüringen
Das Unternehmen ist im Straßen-, Tief- und Hochbau tätig und wird in vierter Generation als Familienbetrieb fortgeführt. Im Jahr 1990 mit 20 Mitarbeitern und 1,5 Millionen Euro Umsatz gestartet, ist die Firma auf mittlerweile 260 Beschäftigte angewachsen – Tendenz weiter steigend.
Ehrenamtlich engagiert in Verbänden und Kammern in Thüringen
Dabei setzte die Unternehmerin auf die Ausbildung des eigenen Nachwuchses ebenso wie auf die Beschäftigung von Arbeitnehmern aus anderen Ländern. Im Wahlkampf thematisierte der Landesverband Thüringen der Familienunternehmer, den Colette Boos-John bis vor wenigen Wochen anführte, daher auch die wirtschaftlichen Folgen eines Wahlsieges der AfD, insbesondere für die Fachkräftegewinnung in Thüringen.

Der Verband startete gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt, bei der Boos-John sich ebenfalls seit Jahren ehrenamtlich engagiert und Vizepräsidentin ist, eine großangelegte Plakataktion gegen Fremdenfeindlichkeit im Freistaat. Ausländische Fachkräfte müssten sich in Thüringen willkommen fühlen, lautet eine Forderung der Unternehmerin.
Fachkräftemangel und Nachfolgersuche als Themen
Das Thema Fachkräftemangel dürfte sie auch in ihrer neuen Rolle in der Politik ebenso dauerhaft weiter begleiten, wie die massenhafte Suche einer ganzen Unternehmergeneration nach geeigneten Nachfolgern für eine Betriebsfortführung. Der Wirtschaftspolitik der Vorgängerregierung hatte Boos-John noch als Verbandschefin der Familienunternehmer ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt und sie als „miserabel“ bezeichnet.
Die rot-rot-grüne Minderheitsregierung habe einen langen wirtschaftlichen Stillstand zu verantworten, erklärte Boos-John, die auch Mitglied der CDU ist. Jetzt ist es ihre Aufgabe, dass die Wirtschaft im Land wieder Fahrt aufnimmt.
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